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20.02.09

Wallpaper zeigt Ali Michael: Warum Abonnenten mehr sehen

Nicht bloß ein Bonmont: Ein Schriftzug verhüllt die ansonsten kaum bekleidete Ali Michael auf dem Cover der März-Ausgabe der Wallpaper* – Abonnenten bekommen mehr zu sehen.

Für die neue Ausgabe des in London erscheinenden Design- und Stilmagazins Wallpaper* hat Paola Kudacki das Model Ali Michael fotografiert. Sie trägt Schuhe von Chanel, einen Armreif von Gucci – also praktisch nichts – und einen handgezeichneten Schriftzug von Katariina Lamberg und Anna Ahonen, der ein wenig verhüllt. Zumindest auf den Heften, die in den freien Verkauf gehen:

März-Ausgabe der Wallpaper* am Kiosk ...

Denn wie das Blog magCulture schreibt, bekommen die Abonnenten der von Tyler Brûlé 1990 gegründeten Wallpaper* eine andere Version des Covers zu sehen. Die dunkle Schrift ist nunmehr eine glänzende, fast durchsichtige Lackierung:

... und für Abonnenten

[box align="right"]Zehn Blogs über Zeitschriften

Auf medienlese.com haben wir zehn Blogs vorgestellt , die sich mit Magazinen und Zeitschriften beschäftigen – mit schöner Gestaltung glänzender Seiten wie mit dem Wandel der Printbranche.[/box]Nun gibt es für die unterschiedlichen Cover gleich mehrere Gründe. Auch wenn Designer sich die Haare raufen, das Cover des Magazins verkauft das Heft. Auf ein Foto alleine möchte sich da kaum jemand verlassen, stattdessen müssen möglichst viele Themen angepriesen werden. Zumal die Verkäufer, die das Heft in ihrem Geschäft plazieren, Anhaltspunkte brauchen, wo denn das Heft einzuordnen ist. Nackte Haut und kaum ein Hinweis auf die Themen – das Heft könnte abgeschoben werden zu den Männermagazinen, schlimmstenfalls noch schamvoll bedeckt. Zumal gerade in den USA darauf geachtet wird, nur nicht zu viel nackte Haut zu zeigen. Familienfreundlich muss das Cover sein, sonst bekommt der Kioskbesitzer noch Ärger. (Naomi Klein hat in ihrem Buch "No Logo" beschrieben, wie der allgegenwärtige und marktmächtige Discounter Walmart Zeitschriften zensiert – andererseits sind Walmart-Kunden nicht unbedingt die Kern-Clientel von Wallpaper*.)

Das überhaupt ein nacktes Model auf dem Cover der Wallpaper* zu sehen ist, wird in den Kommentaren bei magCulture schon als Akt der Verzweiflung gewertet, denn üblicherweise ist der Titel weit weniger deutlich und "graphic", sind abstrakte Formen und Muster zu bewundern. Eine Google-Bildersuche nach "wallpaper magazine cover" ist alles andere als langweilig. Aber der Verlag Time Inc., zu dem Wallpaper* seit 1997 gehört, kann Publicity und ein paar verkaufte Hefte extra gut gebrauchen: Bei Time, Sports Illustrated und Fortune brechen die Anzeigenerlöse ein, die Aktionäre von TimeWarner machen Druck, wie Zeit Online berichtet.

Ein Bonmont Schmankerl für Abonnenten ist es trotzdem.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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