<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

09.06.09

Von digitalen Missionaren

Wer von einer Sache überzeugt ist, trifft immer auf Gegenwind. Wichtig ist, richtig zu reagieren und schlagfertige Argumente parat zu haben. Es liegt in unserer Hand, die gesellschaftliche Sichtweise auf das Internet positiv mitzuprägen.

Erklären und überzeugen (Foto: iStockphoto.com)Wir, die Autoren von netzwertig.com sowie wahrscheinlich einige Leser dieses Blogs, sind so etwas wie Missionare. Unser Bestreben ist es, die Kenntnis über die schier unbegrenzten Möglichkeiten des Webs zu verbreiten und andere mit unserem Enthusiasmus und unserer Neugier anzustecken.

Grundlage für dieses Handeln ist die Überzeugung, dass der intensive Einsatz des Internets stark positive Auswirkungen auf den privaten sowie beruflichen Alltag von Personen und  Gruppen sowie auf Wirtschaft und Gesellschaft hat.

Jede missionarische Aufgabe hat ihre Herausforderungen. Außenstehende, für die das Netz noch nicht mehr als ein gelegentliches Recherche- und E-Mail-Werkzeug darstellt, halten Web-Freunde schnell für "Internet-Freaks", die negative Aspekte und Nebenwirkungen der angepriesenen Entwicklung ausblenden. Diese Sichtweise ist normal und nachvollziehbar. Wer aktiv für eine Sache eintritt, MUSS mit kritischen Fragen rechnen und auf diese passende Antworten parat haben, um zu überzeugen.

Was zählt ist, was man aus diesen Fragen macht und wie man auf sie reagiert. Die Art der eigenen Argumentation entscheidet darüber, ob weniger bewusst agierende Medienkonsumenten dazu bereit sind, sich die von uns vertretenen Positionen anzuhören. Von der eigenen Fähigkeit oder Unfähigkeit, den Nutzen neuer Onlinedienste und Kommunikationskanäle objektiv und verständlich erklären zu können, hängt ab, inwieweit man bei anderen eine Begeisterung entfachen kann.

Sehr deutlich vor Augen geführt wurde mir diese Tatsache, als ich in den letzten Wochen gehäuft in Gespräche rund um den Sinn und Unsinn von Twitter involviert wurde. Viele netzwertig.com-Leser mit Zwitscher-Faible werden aus eigener Erfahrung wissen, wie schwer es ist, Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern die Vorteile des Microblogging-Dienstes zu erklären. Wie kein anderer Service erschließt sich der Nutzen von Twitter erst nach dessen längerem, regelmäßigem Einsatz. Und für kein anderes Onlineangebot existieren derartig viele Videotutorials.

Nach vielen fehlgeschlagenen Erklärungsversuchen veränderte ich nun kürzlich meine Herangehensweise. Statt verwirrendem, schwammigem Blabla rund um Microblogging und die Tausend Einsatzmöglichkeiten von Twitter fokussierte ich mich fortan auf einen einzigen Aspekt, nämlich den des persönlichen Selbstmarketings. Innerhalb weniger Wochen brachte ich (nicht einmal gewollt) mindestens sechs Personen dazu, sich bei dem Dienst zu registrieren und die ersten Schritte zu tätigen.

Sicherlich wirkte sich die seit Monaten anhaltende, enorme Präsenz von Twitter in den internationalen Medien unterstützend auf meine eher als Experiment gesehene Missionarstätigkeit aus. Dennoch wurde mir klar, wie essentiell es ist, das "Killerargument" zu finden, mit denen man selbst Skeptiker davon überzeugen kann, etwas Neues, erst einmal Fremdes auszuprobieren. Es gibt zwar immer Unbelehrbare, aber diese gehören in der Regel zu einer Minderheit.

Die jüngsten, hitzigen Debatten rund um Webthemen haben gezeigt, wie groß die Kluft zwischen den "Digital Natives", den digitalen Eingeborenen, und den Online-Skeptikern ist. Und auch wenn gelegentlich eine direkte Reaktion von "unserer" Seite notwendig ist, gilt es mehr denn je, die guten Aspekte der derzeitigen Entwicklung hervorzuheben, kompetent und überzeugend zu argumentieren und bei einem größtmöglichen Teil der Bevölkerung eine positive Grundeinstellung zum digitalen Wandel hervorzurufen. Es liegt in unserer Hand, und jeder Freund des Netzes sollte seinen Teil dazu beitragen, die gesellschaftliche Sichtweise auf diese neue, noch immer in ihren Anfängen steckende Technologie positiv mitzuprägen.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer