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26.06.14

Vom stationären Handel zum E-Commerce: Paij bringt App-Bezahlung per QR-Code zu Onlineshops

Damit sich Dienste zum mobilen Bezahlen durchsetzen, benötigen sie einen Mehrwert gegenüber Bargeld und Karten. Das Wiesbadener Startup könnte mit einer Erweiterung seiner Smartphone-Geldbörse für den Einsatz bei Onlineshops der richtigen Fährte folgen.

Mobiles Bezahlen setzt sich deshalb nicht durch, weil keine Lösung echte Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren bietet. Dies ist mittlerweile die Konsenserklärung für den ausbleibenden Erfolg der Idee, das Smartphone als Geldbörse zu verwenden. Ausnahmen sind Verfahren, die Kunden Mehrwert bieten, der bei Geld oder Kartenzahlungen fehlt. Nur drei Prozent der Deutschen bezeichnen mobile Dienste als ihre bevorzugte Zahlungsmethode. Die Ablehnung des Themas ist groß. Das bedeutet: Die gefühlt tausend Startups und Services, die in den letzten Jahren in dem Segment entstanden, haben so gut wie nichts erreicht. Gleichzeitig gibt es aber für die Anbieter, denen irgendwann der Durchbruch gelingt, unglaublich viel zu holen.

Das Wiesbadener Startup Paij , das im Herbst 2013 mit Taxi Deutschland einen durchaus bemerkenswerten Partner präsentieren konnte, liefert über eine Kooperation mit dem Tankstellen-Betreiber Orlen ein Beispiel dafür, wie ein mobiler Bezahldienst Verbrauchern Leistungen bieten könnte, die über die schlichte Zahlung am Point of Sale hinausgehen: Denn Anwender der Paij-App können diese erstmals zum Einkaufen im Internet benutzen. PaijIm Webshop der Orlen-Marke Star wird Paij ab sofort als alternative Zahlungsmethode angeboten. Paij-Nutzer haben die Möglichkeit, zum Erwerb von Tankgutscheinen oder einigen anderen Reise-Accessoires beim Check-Out einen QR-Code generieren zu lassen, der dann von der auf dem Smartphone installierten Paij-Anwendung abgescannt wird. Dann muss der Kauf nur noch bestätigt werden. Auf dem Smartphone sowie der Shopseite erscheint sofort eine Zahlungsbestätigung.

Während der QR-basierte Bezahlprozess an der Kasse eines Geschäfts in Sachen Geschwindigkeit und Bequemlichkeit gegen Bar- und Kartenzahlung einen schweren Stand hat, kann das System bei Onlineshops alternative Zahlungsmethoden, bei denen die Eingabe von Konto-, Karten- oder Benutzerdaten erforderlich ist, durchaus hinter sich lassen. Denn all das kennt die Paij-App bei existierenden Nutzern des Dienstes bereits.

Einmal angenommen, es gelingt den Hessen, eine nennenswerte Zahl an reichweitenstarken deutschen Internetshops für ihr Zahlungsverfahren zu erwärmen, würde dies ein schlagfertiges Argument für die Installation der App darstellen. Denn dann wüssten Verbraucher, dass sich ihnen genug Gelegenheiten bieten, diese einzusetzen.

Die Wahl des Zahlungsmittels beruht viel auf Gewohnheiten. Diese lassen sich nicht ernsthaft verändern, wenn Kunden einmal in ein paar Monaten etwas in einem Laden erwerben, der einen bestimmten mobilen Paymentservice unterstützt. Je häufiger Konsumenten aber innerhalb kurzer Zeitspannen mit einer neuen Lösung in Kontakt kommen, desto wahrscheinlich ist, dass sie diese doch einmal ausprobieren, und dass diese in Folge einer regelmäßigen Verwendung eine alte Gewohnheit ablöst.

Eine App, die das einfache Bezahlen im Online- sowie Offline-Handel gleichermaßen ermöglicht, hat auf jeden Fall einen Konkurrenzvorteil.

Gegründet wurde Paij 2012 von Sylvia Klein und Volkan Özkan. Das Startkapital stammt von nicht näher genannten Privatinvestoren. Im April gab die Paij-Muttergesellschaft Redpeppix eine Beteiligung des Finanzbranchen-Kenners Erich Pohl an dem Unternehmen bekannt.

Auch Paij-Konkurrent Cashcloud erlaubt den Einsatz seiner Lösung im Online-Handel, allerdings auf konventionellen Wegen: Der von dem Unternehmen angebotene NFC-Sticker ist Träger einer Prepaid-Mastercard, die per Kartennummern-Eingabe auch bei Webshops genutzt werden kann. /mw

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