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15.10.13

Vier Wochen Blogbox: Gelungenes Debüt, aber jetzt wird's ernst

Blogbox, die App, die Inhalte Dutzender deutschsprachiger Blogs in einer iPad-App bündelt, schlägt sich im Praxiseinsatz mehr als wacker. Dennoch müssen die Macher taktisch klug vorgehen, um sich wirklich im Informationsalltag lesefreudiger Menschen verankern zu können.

Vor fast vier Wochen ging mit Blogbox eine neue kostenfreie iPad-App an den Start, die das bequeme Entdecken und Konsumieren von deutschsprachigen Blogs ermöglicht. Gut einen Monat später is ein vorläufiges Fazit weitaus aussagekräftiger als am Tag des Debüts. In letzter Zeit habe ich Blogbox mehrfach verwendet, um ein wenig in von mir nicht per RSS abonnierten Blogs zu stöbern, und würde der App des Münchner Startups attestieren, hierfür zweifelsohne ein idealer Begleiter zu sein. Oder anders formuliert: Wer ein iPad besitzt und gerne vielseitige Texte abseits des Medienmainstreams liest, für den ist Blogbox ein Muss. Für frühes Stadium gelungene App

Ihre Grundaufgabe erledigt die Applikation mit Bravour: Das Abonnieren von Ressorts ("Leidenschaften") und/oder spezifischen Blogs bildet einen idealen Einstieg in die Welt der deutschsprachigen Blogosphäre. Nachdem das gewünschte Inhaltspaket zusammengestellt wurde, erlaubt die Anwendung das bequeme "Zappen" per Wischgeste durch die verschiedenen Artikel und definierten Themengebiete. Die erst in einem Spaltendesign dargestellten Texte lassen sich per kurzem Tippen auf das Display aus- und wieder einklappen. Auch das Bedanken bei den Autoren über Blogbox' integrierte Währung "Bonbons" klappt dank In-App-Erwerb und Bezahlung über den iTunes-Store reibungslos.

Für ihr sehr frühes Entwicklungsstadium und den augenscheinlichen Entschluss der Blogbox-Macher Moritz Orendt, Bernhard Hering und Marco Eisenack, sich nicht zu sehr an existierenden Social-News-Readern zu orientieren, liefert der Dienst bereits hohen Nutzwert und muss sich auch hinsichtlich seiner Benutzerfreundlichkeit nicht verstecken. Das Funktionsspektrum ist zwar begrenzt, aber dem primären Einsatzszenario, nämlich des Lesens von Blogs, kommt dies vermutlich sogar zugute.

Bloxbox

Ruckelig und mangelhafte Sharing-Optionen

Doch freilich kann das Blogbox-Trio noch einige Dinge besser machen. Auffällig ist zumindest auf dem iPad 3 mit iOS 7, dass die Darstellung beim Swipen durch die Artikel ruckelt. Auch dauert es jeweils ein bis zwei Sekunden, bis nach einem Swipe der nächste Text angezeigt wird. An und für sich kein Drama, aber es stört dennoch. Noch wirkt das Bewegen durch die abonnierten Inhalte dadurch etwas holprig und ganz einfach nicht rund. Das mag nach Klagen auf hohem Niveau klingen, hat aber schlicht zur Folge, dass der Einsatz von Blogbox etwas weniger Spaß macht, als er dies könnte. User, die durch RSS-Anwendungen wie Reeder oder Mr. Reader oder durch Social-Reader-Apps wie Flipboard darauf konditioniert wurden, Inhalte elegant, geschmeidig und mit hoher Geschwindigkeit nach Interessantem abscannen zu können, geraten leicht aus dem gewohnten"Flow", wenn eine App nicht auf derartige Aspekte ausgelegt ist.

Ein zweiter Kritikpunkt sind die begrenzten Möglichkeiten, gefundene Inhalte zu teilen. Derzeit unterstützt Blogbox lediglich das Sharing per E-Mail, Facebook und Twitter. Was hier unter anderem fehlt, ist eine einfache Ein-Klick-Übernahme der Überschrift in den Tweet oder das Facebook-Update. Und auch wenn die Initiatoren ihre Anwendung für das In-App-Lesen konzipiert haben, wären Exportoptionen zu den gängigen Später-Lesen-Diensten wie Instapaper und Pocket äußerst wünschenswert. Nein, eigentlich sind sie Pflicht. Für mich etwa dient Instapaper nicht nur als Werkzeug, um Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt zu lesen, sondern auch als "Verwaltungsstelle" für Content, den ich weiter "prozessieren", etwa bei einem Social-Bookmarking-Dienst ablegen möchte.

Schade ist zudem, dass Blogbox keine Gelegenheit bietet, den direkten Link zu einem Blogbeitrag in die Zwischenablage zu kopieren. Und wer einen Artikel per Mail, Facebook oder Twitter empfiehlt, der verbreitet damit nicht den Link zur Originalquelle sondern einen, der zu einer von Blogbox "bereinigten" Version führt ( Beispiel ). Erst wer auf den im oberen Bereich angezeigten Link zur Originalquelle klickt, landet auf der entsprechenden Website. Erst dann wird der Besucher von eventuellen Besucher-Analysetools gezählt. Dieses Verfahren hat seine Vorteile, immerhin erhöht es die Lesefreundlichkeit und generiert bei über Blogbox geteilten Links Aufmerksamkeit für die App. Doch gerade in den Anfangstagen, in denen partizipierende Blogs erst einmal davon überzeugt werden müssen, dass sich die längerfristige Teilnahme bei dem Service lohnt, auch wenn noch kein signifikanter Umsatz generiert wird, sorgt die fehlende Möglichkeit, den Direktlink zum Original im Social Web teilen zu können, bei mir für Bedenken. Ein Kompromis wäre vielleicht, dass weiter framebasierte Blogbox-URLs geteilt werden, aber sofort der jeweilige Artikel im ursprünglichen Layout dargestellt wird.

Blogbox muss sich die Blogosphäre zum Freund machen

Damit bin ich aber auch schon am Ende meiner Negativkritik. Sowohl Performance als auch Verfahren zum Teilen der Inhalte sollten sich zeitnah verbessern lassen. Ist dies erledigt, so gibt es aus meiner Sicht an den bestehenden Features nicht mehr viel zu modifizieren. Vielleicht könnten sich Projektverantwortlichen dann an die Integration einer sozialen Komponente machen. Es erscheint mir durchaus attraktiv, anderen Blogbox-Anwendern folgen zu können und so direkt die Artikel präsentiert zu bekommen, bei deren Verfassern sie sich mit einem "Bonbon", also mit einem einen kleinen Obolus beinhaltenden "Like", bedankt haben. Aktuell, bei knapp über 60 teilnehmenden Blogs, ist der Nutzen einer solchen Funktionalität zwar noch begrenzt. Das wird sich aber mit wachsender Zahl der integrierten Quellen ändern.

Apropos: Allein am Tag des Releases haben sich laut Aussage der Gründer 79 Blogs registriert, um ihre Inhalte innerhalb von Blogbox anbieten zu können. Doch erst rund ein Dutzend neue Quellen wurden seit dem Debüt vor vier Wochen innerhalb von Blogbox freigeschaltet. Das heißt, viele warten noch darauf. Den Machern des Startups ist zu empfehlen, hier sowohl schnell als auch - sofern ein Blog aufgrund der Nichterfüllung der Richtlinien abgelehnt wird - fair zu agieren. Denn damit der ohnehin eine bisher wenig lukrative Nische besetzende Dienst auf einen grünen Zweig kommen soll, ist eine möglichst maximierte Sympathie vieler deutschsprachiger Blogger für Blogbox essentiell. Zumindest wenn man sich die vergleichsweise nur wenigen von Blogbox zu Twitter geteilten Links anschaut, muss man annehmen, dass trotz des guten Starts noch einiger Aufwand erforderlich ist, um Bloxbox im Informationsalltag lesefreudiger Anwender fest zu verankern.

Was haltet ihr von Blogbox? Was gefällt euch, was nicht? /mw

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