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29.07.08

Verkehrte Fernsehwelt: Deutsche Serien aus der Krise?

Spätestens der mittelprächtige Serienstart von "Sleeper Cell" am Freitagabend auf RTL2 zeigt: US-Serien sind keine Quotengaranten – und deutsche Serien sogar auf dem Vormarsch.

Oberarzt oder Obermacho? Dr. Gretchen Haase (Diana Amft) vor der Quahl der Wahl (Bild RTL)Nur 520.000 Zuschauer im Alter zwischen 14 und 49 Jahren wollten den Pilot der neuen Terrorismus-Terror-Serie sehen, in der zur Abwechslung smarte Splittergruppen die Hauptrollen spielen. Das reichte in der Zielgruppe nur für mäßige 6,5 Prozent Marktanteil. Bei einer eher unbekannten Schauspieler-Crew sind solche Tiefschläge mitunter einkalkuliert. Für ein weit schlimmeres Quoten-Desaster sorgte die brilliant inszenierte und mit Glenn Close hochkarätig besetzte US-Serie "Damages" . So schauten zeitweise nur noch 220.000 Zuschauer ab drei Jahren zu. Das reichte beim Gesamtpublikum nur noch für bittere 0,9 Prozent Marktanteil.

Der einzige wirkliche amerikanische Quotenerfolg der letzten Monate?

Barack Obamas Rede in Berlin. Zusammengerechenet fünf Millionen Zuschauer sahen sich die perfekt inszenierte "Obamania" an. Zusammengerechnet, weil ARD, ZDF, Phoenix sowie n-tv und N24 gleichzeitig übertrugen.

Seriensterben vorbei?

Dr. med Gretchen Haase: Diana Amft in der RTL-Serie (Bild RTL/Kraehahn)Und mittendrin, als eingemachter Serienkompott, ein lauwarmer Aufwasch aller schon längst abgesetzten, abgelaufenen und wiederaufgewärmten Serien für die definitive City- und Szenefrau, mit Namen "Doctor's Diary – Männer sind die beste Medizin". Klingt nach einem Katheter voll von Plots aus allen Arztserien seit "Emergency Room", gepaart mit dem Wunsch einer Carrie Bradshaw, sämtliche Gedanken rund um das Objekt in ein Tagebuch zu pressen und einer Überdosis Männermodels in hautengen Arztkitteln, die chirurgisch aus anderen RTL-Serien rekrutiert wurden. Serien "made in Germany" bekommen wieder Aufwind – und Deutschland hat mit Diana Amft sein neues 'Superweib'.

Die Hauptrolle namentlich besetzt mit Diana Amft als Dr. Gretchen Haase. Bildungsbürgertum im Titel, blondgelockte Wehrmachtsträume im Vornamen und eine Handvoll süßes Plüsch im Nachnamen. Ohne Worte. Durchschnittlich 15 Prozent Marktanteil. Nix mit Klappe zu – Patient tot. RTL verschreibt bei weiterhin guten Quoten sogar eine zweite Staffel.

Nach so raschem Absetzen einiger Serien nach nur einer Folge, scheinen sich deutsche Sender nun zu beruhigen. Für den gefloppten "Cold Case"-Abklatsch "Unschuldig" hat ProSieben zumindest einen Film angekündigt.

Low-Budget-David gegen Prime-Time-Goliath

Dass deutsche Serien sonst eher ein Schattendasein im Fernsehabend führen, erklärt sich recht einfach. Trotz Rückschlägen bei neuen Serienimporten aus den Staaten ziehen Serien wie "C.S.I" jede Woche pro Folge vier bis fünf Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Serien wie "Law & Order", "Monk", "Without a trace", oder auch "Dr. House" gehören mittlerweile zum festen Fernsehalltag. Das liegt zu großen Teilen daran, dass sich amerikanische Sender ihre Serien mehr kosten lassen.

Sleeper Cell: Keine Zeit zum ausruhen (Bild Showtime Networks)Eine Folge C.S.I Folge kostet, ohne die Gehälter der Stars, schon mal gerne ihre fünf Millionen Dollar. Produzent Jerry Bruckheimer, verantwortlich für Blockbuster wie "Pearl Harbor" oder "Armageddon" hat mit "C.S.I." Anfang der 2000er die angestaubte Serienlandschaft aufgemischt und Kinoqualität in Serienformate gepresst. Das erklärt auch, warum sich Schauspielergrößen wie Glenn Close mittlerweile auch für Serien verpflichten. Standards, mit denen deutsche Serien und deutsche Produzenten nicht mithalten können.Kopien, wie das deutsche "Rechtsmedizinische Investigative Sonderkommission" - kurz: "R.I.S." werden dann ganz schnell in die Sommerpause geschickt.

Die Lösung: Friedliche Koexistenz. Nicht mit Bruchteilen eines Hollywoodetats Hollywoodproduktionen kopieren, sondern sparen und kreativ werden. Zur Not auch mit der Konkurrenz aus den Staaten. Bestes Beispiel: "Die Biene Maja" (interssanterweise spielte Gretchen-Mimin Diane Amft die Hauptrolle in einer Serie namens Maja). Die Redaktion saß in Deutschland, die Episoden wurden in den USA verfasst, gezeichnet und produziert wurde in Japan. Gut, dass Bienen fliegen können.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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