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05.08.14

Veraltetes Klischee: Ein Smartphone ist kein Luxusgut mehr

Noch immer existiert das Klischee, dass man mindestens zur Mittelschicht gehören muss, um sich ein Smartphone leisten zu können. Die Realität sieht anders aus.

SmartphoneEs gibt valide Argumente dagegen, bestimmte für Bürger essentielle öffentliche oder kommerzielle Dienstleistungen nur noch auf digitalem Weg zugänglich zu machen. Und dann gibt es solche, die zwar in den Ohren ihrer Verwender gut klingen mögen, die aber in der Realität keine Gültigkeit haben. Ein Klassiker, den man immer mal wieder hört, ist der gut gemeinte Hinweis, dass sozialschwache Personen ausgegrenzt werden, sofern man einen Service nur per Smartphone anbietet (zuletzt hier nachzulesen). Doch die Annahme, dass Menschen in prekären Lebenslagen kein Smartphone besitzen können, ist nicht mehr zeitgemäß. Wie jüngst berichtet, hat das Smartphone in Sachen Bedeutung im Alltag für viele Verbraucher den PC überflügelt. Der Bitkom rechnet für dieses Jahr mit 30 Millionen verkauften Smartphones in Deutschland. 82 Prozent aller verkauften Mobiltelefone sollen gemäß der Prognose in die Kategorie “Smartphone” fallen. Im vergangenen Jahr gingen 26,4 Millionen derartige Geräte über den Ladentisch. Das allein genügt, um zu verstehen, dass Smartphones schon längst kein Luxusgut mehr darstellen. Auch wenn das iPhone oder das Samsung Galaxy S5 diese Bezeichung verdienen.

Die günstigsten Smartphones mit Android gibt es mittlerweile für unter 100 Euro ohne Vertrag. Dank des jüngsten Booms von Niedrigpreis-Smartphones kann sich jetzt nahezu jede und jeder ein Smartphone leisten. Ein explosionsartiges Wachstum des globalen Smartphone-Markts ist die Folge. Knapp 300 Millionen Geräte wurden gemäß der Marktforscher von IDC im letzten Quartal ausgeliefert.

Auch ein Blick auf den Anteil der mobilen Internetnutzer nach Haushaltseinkommen in Deutschland zeigt, dass in unteren Einkommensschichten ebenfalls eifrig mobil gesurft wird: So kamen im vergangenen Jahr 22 Prozent der mobilen Internetnutzer mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von weniger als 1.500 Euro aus. Das stimmt in etwa mit dem Anteil dieser Einkommensgruppe an allen bundesdeutschen Haushalten überein. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in sozialschwachen Haushalten mobile Geräte genauso präsent sind wie in Haushalten aus höheren Einkommensgruppen.

Das Smartphone ist gerade dabei, die gleiche Entwicklung durchzumachen wie einst der Fernseher. War dieser in den 60er Jahren noch ein teures Gadget, das sich nur Reiche leisten konnten, haben heute nur noch maximal 0,49 Prozent der Deutschen keinen Fernseher in ihrem Haushalt. Dieser Wert beinhaltet auch Personen, die freiwillig auf ein TV-Gerät verzichten. Trotz Einsteigerpreisen, die mindestens auf dem Level der günstigsten Smartphones liegen, hat sich also jeder Haushalt irgendwann einen Fernseher geleistet oder ihn von Freunden oder Bekannten als (vielleicht gebrauchtes) Geschenk bekommen.

Genauso wird es auch mit Smartphones verlaufen. Zumal diese im Gegensatz zu TV-Apparaten die Möglichkeit bieten, an anderer Stelle Geld einzusparen, etwa durch kostenfreie Chat-Anwendungen wie WhatsApp, VoIP-Telefongespräche oder Rabatt-Apps.

Es ist folglich ein Irrtum, anzunehmen, dass der Unterschied zwischen Smartphone- und Feature-Phone-Nutzern maßgeblich eine Frage des Geldes ist. Hauptsächlich handelt es sich um eine Generationenfrage und damit zusammenhängend um eine Frage des persönlichen Interesses. Sollte es noch Unterschiede entlang Einkommensgrenzen geben, so sind diese eher auf Bildungsgrad oder den Einfluss des persönlichen Netzwerks zurückzuführen.

Das Klischee vom mindestens zur unteren Mittelschicht gehörenden Smartphone-Besitzern kann und sollte in jedem Fall in die Mottenkiste verbannt werden. /mw

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