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05.12.13

US-Startup heuert Jabber-Gründer an: Layer träumt von Chat-Nachrichten zwischen Facebook und WhatsApp

Chat-Anwendungen boomen, kochen jedoch alle ihr eigenes Süppchen. Das US-Startup Layer möchte mit Hilfe des Jabber-Gründers Jeremie Miller eine offene Messaging-Infrastruktur errichten, von der jeder Entwickler Gebrauch machen kann.

Die Achtungserfolge zahlreicher mobiler Messenger-Applikationen, von WhatsApp über Line bis zu WeChat, zeigen, wovon Smartphone-Nutzer schier nicht genug kriegen können: Untereinander und in Gruppen mobile, textbasierte und interaktive Nachrichten auszutauschen. Und so versucht jetzt jeder App-Anbieter, der etwas auf sich hält und irgendwas mit Kommunikation macht, entsprechende Features nachzurüsten beziehungsweise zu verbessern. Sowohl Twitter als auch Instagram werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Ein frischgebackenes Startup namens Layer wittert nun seine Chance, indem es Chat-Infrastruktur und -Funktionalität als Service für iOS- und Android-Entwickler bereitstellt. Die Idee: So wie Twilio jeden Onlinedienst ohne großen Programmieraufwand um Telefonie- und SMS-Features erweitert und C2Call gleiches für VoIP und Videogespräche erlaubt, bietet Layer App-Entwicklern alle Werkzeuge, um in wenigen Schritte typische, von WhatsApp & Co bekannte Chat-Merkmale in beliebige Anwendungen zu integrieren. Soweit, so gut. Was Layer aber erst richtig interessant und für uns berichtenswert macht, ist seine in diesem Artikel bei The Verge näher erläuterte Mission, sämtliche im Laufe der Zeit Layers Kommunikationsebene implementierenden Services miteinander zu verbinden. In anderen Worten: Wenn die drei fiktiven Smartphone-Apps A, B und C mit Hilfe von Layer Chat-Funktionen bei sich aktivieren, dann können Nutzer von A nicht nur mit anderen A-Anwendern plaudern, sondern auch mit denen von B und C. Layer möchte also genau dies erreichen, wovon Open-Web-Apologeten seit Jahren träumen, aber was sie auf breiter Front nie in Realität erleben durften: eine anbieterübergreifende Interoperabilität. Wenn User von WhatsApp, Line, WeChat, Facebook, Twitter, Google+ und Skype alle miteinander in Kontakt treten könnten, wäre das Internet ein besserer, einfacherer Ort. Doch die etablierten Netzunternehmen sehen darin keinen Sinn, weil sie sich dann nicht länger über ihren "Lock-In-Effekt" profilieren könnten sondern echte Innovation liefern müssten.

Die Layer-Gründer Ron Palmeri und Tomaž Štolfa hoffen nun, durch die Hintertür doch zu einem Zustand App-übergreifender Interoperabilität zu gelangen; nämlich indem sie Developer dazu animieren, Messaging-Funktionalität in bestehende Dienste zu integrieren oder ganz neue Chat-Anwendungen zu erschaffen. Da sich Layer um Skalierung und Bereitstellung aller essentiellen Funktionen kümmert, werden Programmierer und Startups in die Lage versetzt, weiterzudenken und smarte und kreative Lösungen auf Basis dieser mittlerweile als "Commodity", also sinngemäß "Rohstoff" oder "Gebrauchsgegenstand", geltenden Kernfunktionalität zu ertüfteln. Und irgendwann ist die Zahl der an Layer angeschlossenen User so groß, dass die bestehenden "umzäunten Gärten" des mobilen Netzes regelrecht dazu gezwungen werden, sich zu öffnen. So in etwa schwebt es dem Startup aus San Francisco zumindest vor.

Einen erheblichen Vertrauensvorschuss erhält Layer durch die von The Verge hervorgehobene Verpflichtung von Jeremie Miller, dem Erfinder des Messaging-Standards XMPP, auch bekannt als Jabber. XMPP war ein in der Desktop-Ära ein bei einigen  Instant Messengern verbreitetes Protokoll, das den Austausch zwischen verschiedenen, voneinander unabhängigen Netzwerken erlaubte. Mit dem Aufkommen von auf proprietäre, nach außen hin isolierte Protokolle setzenden sozialen Netzwerken und mobilen Chat-Apps verlor Jabber an Bedeutung.

In Layer sieht Miller die Fortsetzung der Philosophie von Jabber, wie er in einem Blogbeitrag erläutert . Er werde mit dem Startup an der Schaffung offener Protokolle arbeiten, um nicht nur Entwickler mittels weniger Codezeilen ein komplettes Arsenal an Chat-Features zu servieren, sondern auch das Versprechen von Interoperabilität einzulösen. Eine offene Kommunikationsebene für das Internet solle Layer werden, beschreibt Miller das Ziel des unter anderem von Yahoo-Mitgründer Jerry Yang mitfinanzierten Unternehmens.

Standards Layer hofft auf ein anderes Resultat

Ideen wie die von Layer klingen auf dem Papier und in den ersten, noch von Tatendrang und einem hohen Energielevel getriebenen Ankündigungen häufig besser, als sie es dann in der praktischen Umsetzung werden. Auch Layer wird sich mit allerlei Stolpersteinen herumärgern und Außergewöhnliches leisten müssen, um am Ende tatsächlich die Kultur der "Walled Gardens" im heutigen Social Web einzureißen. Dass aber wieder einmal jemand dies versucht, kann man nur begrüßen. Wenn dann sogar der Initiator von Jabber seine Finger mit im Spiel hat, umso besser! /mw

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