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27.02.12

Unbegrenzter Cloudspeicher mit hoher Sicherheitsstufe: Bitcasa nimmt Formen an

Mit dem Versprechen von ungrenztem Cloudspeicher bei gleichzeitig besonders starker Verschlüsselung sorgte Bitcasa im Herbst für Aufsehen. Nach und nach weitet der US-Dienst seine geschlossene Beta-Phase aus.

 

Auch im vergangenen Jahr erhielt Dropbox von den zahlreichen Diensten zum Speichern von Dateien in der Cloud den Löwenanteil der Aufmerksamkeit. Bei den Leserinnen und Lesern von netzwertig.com war das kalifornische Startup zum zweiten Mal der beliebteste Onlineservice des Jahres. Doch rund 60 Kilometer vom Dropbox-Firmensitz in San Francisco entfernt, in der Google-Stadt Mountain View, arbeitet mit derzeit ein anderes junges Webunternehmen daran, im Markt für Onlinespeicher und Datensynchronisierung über die Cloud für Wirbel zu sorgen:

Das US-Startup machte erstmals auf der TechCrunch Disrupt-Konferenz von sich reden und regte die Fantasie der Branchenkenner und Netzfreunde mit dem Versprechen an, gegen eine monatliche Gebühr von zehn Dollar unbegrenzten, streng verschlüsselten Cloudspeicherplatz bereitzustellen.

Bisher befindet sich Bitcasa in einer sehr limitierten geschlossenen Beta-Phase, weshalb sich die meisten Medienberichte auf die von dem Unternehmen selbst veröffentlichten, spärlichen Details beschränkten. Wir hatten vor einigen Monaten das grundsätzliche Konzept von Bitcasa erklärt und auf die Parallelen zum Schweizer Speicherdienst Wuala hingewiesen.

Verschlüsselung auf den Rechnern der Anwender

In aller Kürze liegt der entscheidende Unterschied zwischen Bitcasa und "herkömmlichen" Anbietern von Cloudspeicher darin, dass sämtliche Dateien auf den Rechnern der Benutzer verschlüsselt werden, nicht erst auf dem Server (wie bei Dropbox). Da sich die Schlüssel auf den Geräten der Anwendern befinden, ist es den Bitcasa-Machern oder anderen externen Parteien nicht möglich, auf Nutzerdaten zuzugreifen (was Dropbox 2011 mehrfach in die Schusslinie brachte).

Nun sinken die Preise für Speicher und Datentraffic zwar seit Jahren, aber das Ziel, Anwendern unbegrenzten Speicher in der Internetwolke bereitzustellen, offenbart dennoch ein besonders hohes Ambitionsniveau. Realisieren wollen die Kalifornier dies mit einem Deduplizierung genannten technischen Verfahren, bei denen sie jede Datei nur einmal online vorhalten müssen - selbst wenn diese von hunderten oder tausenden Nutzern in die Bitcasa-Cloud gesendet wurde.

Das Bitcasa-Team bedient sich eines “Convergent Encryption” genannten Prozesses, um trotz der anwenderseitigen Verschlüsselung eben diese Deduplizierung durchführen zu können. Das Startup ist also in der Lage, anhand der Struktur der verschlüsselten Dateien Duplikate zu identifizieren, ohne genauen Einblick in die jeweilige Datei zu erhalten.

Berichterstattung (noch) nicht erwünscht

Bisher konnten nur wenige Personen Bitcasa in der Praxis ausprobieren. Ich hatte mich frühzeitig für eine Einladung eingetragen und erhielt diese vor einigen Wochen. Ein sogenanntes "Non Disclosure Agreement" (NDA) bei der Registrierung hielt mich jedoch bisher davon ab, etwas über den Service zu schreiben. Bitcasa verpflichtet auf diese Weise seine Beta-Tester, keine Details über das Produkt zu veröffentlichen. Die Vereinbarung beinhaltet sogar eine Klausel, nach der es mir nicht einmal gestattet ist, überhaupt andere über meine Teilnahme an der Beta-Phase zu unterrichten - was allerdings mit dem Fakt kollidiert, dass Bitcasa-Anwender eine begrenzte Zahl an Invites erhalten, die sie an ihre Freunde verschicken sollen.

Inwieweit ein derartiges, mit einem Klick bestätigtes Abkommen tatsächlich juristisch bindend ist, sei einmal dahin gestellt. Ein detailliertes Manual inklusive Screenshots kann öffentlich auf der Bitcasa-Site abgerufen werden, insofern scheint es das Unternehmen von der US-Westküste mit dem NDA selbst nicht sonderlich genau zu nehmen.

Client für Mac und Windows

In jedem Fall funktioniert der für Mac und Windows angebotene Client (Linux geplant), wie man dies erwarten würde. Einzelne Ordner lassen sich "cloudifizieren" und zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren. Diese Verzeichnisse können auch anderen Personen zugänglich gemacht werden, allerdings müssen diese ebenfalls Bitcasa installiert haben, da sonst die anwenderseitige Verschlüsselung nicht funktioniert.

Den Test, ob Bitcasa tatsächlich unbegrenzten Speicherplatz anbietet, habe ich aus Rücksicht auf meinen Internetzugangsanbieter bisher aufgeschoben. Rein optisch schindet der Client zumindest unter Windows wenig Eindruck, aber das ist in diesem frühen Stadium verzeihlich, zudem gehört es zu den ungeschriebenen Gesetzen von Speicherdiensten, sich als Werkzeug zur Erleichterung des Onlinealltags nicht zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Mobile Clients existieren bisher nicht. Ein Webportal gibt aber zumindest einen Überblick darüber, welche Dateien und Verzeichnisse in der persönlichen Bitcasa-Cloud liegen.

Inwieweit der Dienst am Ende die anvisierte Revolution des Cloudspeichers verwirklichen können wird, hängt davon ab, ob der "Unbegrenzt"-Status auch bei Millionen von Nutzern kompromisslose Gültigkeit behält. Auch die Zuverlässigkeit der eingebauten Sicherheitsmechanismen wird eine Rolle spielen. Zudem sind mobile Apps unerlässlich, um den Zugriff auf die persönlichen Daten von unterwegs zu gestatten. Erst recht, weil sich Bitcasa - bedingt durch die clientseitige Verschlüsselung - nicht wie Dropbox als Distributionsplattform für Dateien eignet.

Das langfristige Ziel des Startups ist es, den lokalen Speicher der Anwender virtualisiert ins Unbegrenzte auszudehnen. Dazu steht auch ein Feature auf der Roadmap, das in die Bitcasa-Cloud geladene Dateien automatisch von der Festplatte löscht. In der Beta möchte man jedoch noch keine derartige Verantwortung für die Nutzerdaten übernehmen.

Wir haben zehn der bisher stark limitierten Einladungen zu Bitcasa, das in der Beta-Phase gratis angeboten wird. Hinterlasst bei Interesse einen entsprechenden Kommentar unter Angabe einer validen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld. Die ersten zehn sind dabei!

Update: Die zehn Invites sind weg.

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