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07.11.13

Überlegenheit von Googles mobilem Betriebssystem: Warum ich ein dummes iOS einem smarten Android vorziehe

Während Google sein Betriebssystem Android mit smarten Onlinediensten permanent aufwertet, kann Apple nur zuschauen. Doch gerade deshalb bleibt iOS attraktiv.

Android Ich als regelmäßiger iPhone-Nutzer kann eine Tatsache nicht mehr ignorieren: High-End-Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem sind dem Apple-Gerät zunehmend überlegen, vor allem in Hinblick auf die Fähigkeiten der Software. Speziell dank der tiefgehenden Systemintegration von zahlreichen hauseigenen Webdiensten ist Google in der Lage, Anwendern das Benutzerlebnis auf eine Art zu personalisieren, bei der Apple im Vergleich schlicht die Kenntnisse und passenden Onlinedienste fehlen. Ich denke hier beispielsweie an Google Now, das Siri alt aussehen lässt, oder die neue, mit Android 4.4 eingeführte einheitliche App für SMS, Location-Sharing sowie Text- und Video-Hangouts.

Besonders deutlich wird das veränderte Kräfteverhältnis beim Blick auf ein direkt von Google lanciertes Gerät wie das neue Nexus 5. Eine derartige Symbiose aus Smartphone und schlauen Onlineservices kann Apple, das sich nach wie vor in erster Linie als Hardware-Unternehmen sieht, dementsprechend im Webgeschäft schwach aufgestellt ist und anders als Google nicht das komplette Netz indexiert und versteht, einfach nicht bieten. Dennoch - oder gerade deshalb - steht für mich ein Wechsel zu Android nicht zur Debatte. Der Gedanke, mich vollständig dem Onlinekonzern auszuliefern, der mich besser kennt als meine Freundin oder meine Eltern, erscheint mir grundsätzlich falsch. Ich störe mich nicht daran, dass Internetdienste wie Google oder Facebook viel über mich und meine Interessen erfahren. Wichtig ist mir jedoch, dass ich mich nicht zu stark von einem einzigen Unternehmen abhängig mache und zu tief in dessen Universum eintauche. Erst recht dann nicht, wenn das Geschäftsmodell dieser Firma darauf basiert, mir Werbung zu zeigen. Nicht eine kapitalismuskritische oder dystopische Weltsicht bringt mich zu diesem Prinzip, sondern gesunder Menschenverstand. Google sieht weder das langsam seinen Open-Source-Charakter verlierende Android-System noch den Verkauf eigener Hardware als Einnahmequelle - für das Unternehmen dient jede Produktinitiative ultimativ dazu, Anzeigenkunden die Aufmerksamkeit der Anwender zu verkaufen. Damit kann ich leben, wenn ich im Gegenzug leistungsfähige Onlineservices erhalte. Doch mich diesem Treiben bedingungslos auszuliefern, indem ich es auf das Gerät hole, welches ich 24 Stunden am Tag nicht aus den Augen lasse, ergibt für mich keinen Sinn.

Im Vergleich zu Android mangelt es iOS an Intelligenz. Dieser Unterschied wird in nächster Zeit noch deutlicher werden. Während Google wie das hochbegabte Kind in der Schule laufend mit neuem Wissen auftrumpft und dieses direkt in sein Betriebssystem einbauen kann, ist Apple auf Kooperationen mit Dritten angewiesen - wie der Durchschnittschüler, der bei Prüfungen vom Nachbarn abguckt und während Übungen ab und an Lehrer oder Klassenkameraden befragen muss. Googles Vorteil ist offensichtlich, zumal ohnehin nur wenige Unternehmen mit Googles technischer Expertise mithalten können. Selbst eventuelle Akquisitionen seitens Apple würden die Problematik daher maximal etwas, aber nicht vollständig entschärfen. Um Googles beeindruckende Kompetenz komplett für iOS nutzen zu können, müsste Apple Google schon übernehmen. Doch dazu hat selbst der in Bargeld schwimmende Lifestyle-Hersteller mit dem Apfel-Logo nicht genügend Mittel.

Ich empfinde den Verzicht auf bestimmte Personalisierungsfunktionen und Bequemlichkeiten, die mir Android bieten würde, als angemessenes Opfer, um ein Mindestmaß an Autonomie in meinem digitalen Alltag beizubehalten. Google verdient sein Geld vorrangig mit Werbung. Apple verdient sein Geld vorrangig mit Hardware. Wer von den beiden mir und meiner Privatsphäre auf Dauer besser tut, daran gibt es es für mich keinen Zweifel. So bestechend und ausgfeilt die Android-Features auch sein mögen. /mw

Illustration: Android holding a large green brain. Rendered over green, Shutterstock

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