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14.12.11

Überfällig: Xing kündigt Entwicklerschnittstelle an

Das Geschäftsnetzwerk Xing wird in Kürze eine Entwicklerschnittstelle veröffentlichen - ein überfälliger Schritt, erst recht angesichts der Bedrohung durch LinkedIn.

Für Xing geht es 2012 vor allem darum, sich in seinem Kernmarkt Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht weiter von LinkedIn in Bedrängnis bringen zu lassen. Auch wenn es durchaus Grund zu der Vermutung gibt, dass das Geschäftsnetzwerk aus Hamburg früher oder später das gleiche Schicksal erleiden wird wie die von Facebook zur Bedeutungslosigkeit verdammten VZ-Netzwerke, scheinen die Norddeutschen zumindest noch ernsthaft gewillt zu sein, alles Erdenkliche für die Abwehr des LinkedIn-Vorstoßes im deutschsprachigen Raum zu tun:

Am Mittwochabend kündigte das Unternehmen neben den XING Beta Labs - einem Test-Programm für Beta-Features - und einigen kleineren Neuerungen eine Entwicklerschnittstelle (API) an. Unter dev.xing.com können sich Interessierte ab sofort in eine Warteliste eintragen, um rechtzeitig zum Start der Xing API informiert zu werden. Im besten Startup-Jubel-Ton verspricht die Ankündigungsseite: "It's coming. Finally. And it's coming soon. And it's going to be awesome". Zu lesen sind auf die vier Attribute "Inspiring", "Innovative", "Different" und "Magic".

Dem Xing-Team scheint es also an Optimismus nicht zu mangeln, was diesen begrüßenswerten, aber reichlich späten Schritt angeht. Nach dem gescheiterten Versuch der On-Site-App-Plattform hat sich das Unternehmen nun endlich dazu durchgerungen, externen Entwicklern die Möglichkeit zu geben, Xing in ihre Anwendungen und Dienste zu integrieren. Abgesehen von dem Größenunterschied - rund 11 Millionen Xing-Mitglieder stehen über 100 Millionen LinkedIn-Mitgliedern gegenüber - mangelte es dem deutschen Anbieter bisher anders als LinkedIn an Verknüpfungen mit dem restlichen Web.

Die API soll dies ändern, hofft man in der Hansestadt. Auf unsere Anfrage, ob es sich um eine offene API handeln würde, von der jeder Entwickler ohne vorheriges formelles Zulassungsverfahren Gebrauch machen darf, wollte sich ein Xing-Sprecher nicht konkret äußern. Mit seiner Aussage "Nur so viel: In die Liste eintragen kann sich jeder" pflanzte er aber zumindest zwischen den Zeilen die Hoffnung, dass Xing bei der Schnittstelle einen anderen Ansatz wählen wird als mit der nicht mehr existenten OpenSocial-App-Plattform, die nur Applikationen in das Social Network ließ, die zuvor den Segen des Unternehmens erhalten hatten.

Der Plattform-Ansatz gehört zu den absoluten Erfolgsrezepten der führenden Social-Web-Anbieter und hat ab einer gewissen Dimension eine Stärkung des Lock-In-Effektes zur Folge. Genau das braucht Xing, um LinkedIn in der D-A-CH-Region in Schach zu halten.

Ein genaues Datum für den Start der API ist noch nicht bekannt. Ein Debüt Anfang 2012 erscheint aber wahrscheinlich. Dann im Optimalfall auch mit einer Reihe von renommierten Launchpartnern aus dem deutschsprachigen Raum, die Xing bereits integriert haben.

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