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06.08.10

Twitter-Meme: Die Dimensionen von #blumenkübel

Ein zerstörter Blumenkübel sorgte am Donnerstag bei Twitter für eine beispiellose Welle der Aufmerksamkeit. Doch welche Dimensionen hatte das Ereignis eigentlich?

 

Wer sich am Donnerstag bei Twitter aufhielt, dem dürfte nicht entgangen sein, dass ein zerstörter Blumenkübel schlagartig zu "unfreiwilliger" Bekanntheit gelangte. Auslöser war dieser Artikel der Münsterschen Zeitung über besagten Kübel, der zum Altenheim Antoniusstift gehörte und von Unbekannten beschädigt wurde.

Um 23:04 am Mittwoch twitterte Ralf Heimann offenbar als erster den Link zur Meldung der Lokalzeitung und löste damit ein so genanntes "Mem" aus, das am Donnerstagvormittag ins Rollen kam, sich über das Netzwerk ausbreitete und verselbstständigte. Schlagartig enthielten zahlreiche Tweets das Hashtag #blumenkübel und wurden mit skurrilsten, zumeist erfundenen Inhalten rund um das Schicksal des Blumenkübels versehen.

Nach einigen Stunden gelangte das #blumenkübel-Hahstag dann auch auf die offizielle Liste der weltweit angesagtesten Twitter-Themen - angesichts der vergleichsweise geringen Zahl aktiver deutschsprachiger Twitter-Nutzer eine Seltenheit. In der Regel wird die Liste von Namen oder englischsprachigen Begriffen dominiert.

Nachdem sich die Blümenkübel-Begeisterung mitterweile wieder etwas gelegt hat, bleibt die Frage, welche Dimensionen das Mem eigentlich hatte. Wer (wie ich) selbst involviert war, konnte leicht den Eindruck bekommen, ausnahmslos jeder der 270.000 aktiven deutschsprachigen Twitter-User würde sich an dem durchaus unterhaltsamen Phänomen beteiligen. Doch offenbar war dem nicht so.

What The Hashtag liefert zum Beispiel einige Zahlen zum #blumenkübel-Hashtag. Insgesamt war dieser von Donnerstag bis Freitag 12:00 Uhr in 3250 Tweets von 2100 unterschiedlichen Twitter-Nutzern enthalten. 36,9 Prozent der Tweets waren Retweets.

Diese Zahlen erscheinen jedoch zu niedrig, denn in der ebenfalls von WTH gelieferten Liste derjenigen Twitterer, die sich am häufigsten zum Blumenkübel äußerten, lag bis bis 11:00 Uhr ein Nutzer mit acht Erwähnungen auf Platz zehn. Ich habe jedoch neun Tweets mit dem Hashtag veröffentlicht, tauche in der Liste aber nicht auf, was den Schluss nahelegt, dass sie nicht vollständig ist und dass die tatsächlichen Zahlen höher sind.

User @MUCkingbird wird beispielsweise mit 9 Erwähnungen aufgeführt, hat aber in Wirklichkeit 18. Eine Verdopplung der Werte von What The Hashtag könnte somit zu einem stimmigeren Gesamtbild führen, was rund 6500 Nennungen das #blumenkübel-Hashtags bedeuten würde.

Erhellend ist eine Übersicht von Trendistic über die Entwicklung des Mems im Zeitverlauf. So erreichte die #blumenkübel-Welle gegen 13:00 14:00 Uhr ihren Höhepunkt, ließ dann nach und erlebte gegen 16:00 17:00 Uhr einen kleinen zweiten Frühling. Zu dieser Zeit hatte das "Ereignis" seinen Weg in diverse Medienberichte gefunden und wurde auch von Unternehmen wie Otto auf Twitter aufgegriffen, was zu einer erneuten Zunahme der Hashtag-Erwähnungen führte.

(Hinweis: Der Graph zeigt eine Zeitzone, die uns eine Stunde voraus ist)

Ich habe auch eine Anfrage an Twitter bezüglicher offizieller Statistiken geschickt aber bisher leider keine Antwort erhalten. Dennoch legen die Zahlen - die in ihren Ausmaßen recht gut mit 2.200 Mitgliedern in der Blumenkübel-Gruppe bei Facebook übereinstimmen - nahe, dass es einige tausend Tweets zum selben Thema braucht, um bei Twitter in den globalen Trending Topics aufzutauchen, und dass das Mem nur auf einen Bruchteil der deutschen Twitter-Anwender begrenzt war. Obwohl es sich anders anfühlte.

Wer Zugriff auf weitere Statistiken hat (z.B. über professionelle Monitoring-Tools), darf auf diese gerne in den Kommentaren hinweisen.

Update: Der Dienst What The Trend hat uns mit einigen Hintergrund-Informationen zum Auftauchen von #blumenkübel in den Trending Topics versorgt. So war das Hashtag fünf Stunden in der Top-10-Liste vertreten und landet damit von 492 Trends der vergangenen 7 Tage immerhin auf Platz 30!

Liz Pullen von What The Trend weist außerdem darauf hin, dass deutsche Themen, die es in Twitters Trending Topics schaffen, in der Regel einen Nachrichten-, Politik- oder Fußball-Kontext haben, während in anderen Ländern Trends rund um Fernsehprogramme und Prominente üblich sind.

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