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21.03.14

Trotz Netflix und Chromecast: Wir werden auf lineares Fernsehen nie verzichten wollen

Zattoo vermeldet für die kleine Schweiz den Rekord von 1 Million aktiven Nutzern in einem Monat. Und das, wo Video on Demand langsam unsere Wohnzimmer erreicht. Das lineare Fernsehen wird sich verändern, aber sterben wird es nie.

Zattoo

Als Gadgetblogger mit einem wenig smarten Fernseher habe ich in dieser Woche die Chance genutzt und Watchever auf einem Chromecast ausprobiert. Ich habe mir den Stick aus Interesse und weil ich von der Möglichkeit las, bereits vor einigen Monaten bei Amazon in den USA bestellt - und ihn nach dem ersten Test kaum noch benutzt. Nach dem Verkaufsstart des Sticks in Deutschland in dieser Woche war Watchever als erster offizieller Partner mit dabei und der Chromecast endlich mit Videos aus einer Flatrate gefüllt. Da war sie also nun in meinem Wohnzimmer: die Zukunft des Fernsehens. Ich guckte mir auch prompt eine Serienfolge via Chromecast an - und schaltete danach wieder auf ProSieben um.

Warum? Weil mir anders als den Programmbossen die Ideen ausgingen, was ich noch spontan so hätte gucken können. Weil lineares Fernsehen mehr ist als nur reines Programm. Weil ich dort in der Werbung und den Programmvorschauen auf neue Ereignisse, oft auch neue Songs und Künstler aufmerksam gemacht werde. Weil ich neue Sendungen sehe, die ich mir wohl nie angeschaut hätte, wenn ich sie mühsam selbst hätte auswählen müssen. Ich würde derzeit auf lineares Fernsehen nicht verzichten wollen - und ich teile damit offenbar eine Vorliebe mit meinen Schweizer Kollegen. Denn für die Alpenrepublik zählte der Online-TV-Anbieter Zattoo für den vergangenen Monat erstmals mehr als 1 Million eindeutige Benutzer im Monat.

Großereignisse wollen wir live sehen

Damit hätte bei einer Bevölkerung von 8 Millionen jeder achte Schweizer im Februar einmal Zattoo benutzt. Für im Prinzip nichts Anderes als stinknormales Fernsehen, nur auf einem Laptop, Smartphone oder Tablet. Für diese überdurchschnittliche Besucherzahl gibt es einen Grund: Im vergangenen Monat fanden die Olympischen Winterspiele in Sotchi statt - für die Wintersportnation Schweiz natürlich besonders interessant. Für gewöhnlich zählt Zattoo in einem Monat ansonsten selten mehr als 600.000 Nutzer.

Zattoo-Konkurrent Magine: Live-TV mit Extra-Funktionen

Doch auch gerade das spricht für das lineare Fernsehen. Sportereignisse oder Liveshows on demand sind als Wiederholung ganz nett, aber sinnlos, wenn es um die Atmosphäre und das Gefühl der Zusammengehörigkeit geht. Wenn Deutschland und die Schweiz im Juni bei der Fußball-WM in Brasilien antreten, dann wollen die Fans trotz der späten Anstoßzeiten sofort mitfiebern, nicht erst am nächsten Morgen. Online-Videotheken wie in Deutschland Watchever oder Maxdome, in der Schweiz Teleboy oder in immer mehr Ländern Netflix dürften in dieser Zeit vornehmlich von Fußballhassern besucht werden.

Sender schaffen Atmosphäre

Der Wunsch, eine spannende Sendung live zu verfolgen, die die Massen bewegt, wird immer da sein. Zattoo zeigt hier eigentlich ganz schön, dass es dabei egal ist, auf welchem Gerät das ist. Es ist für einzelne Sendungen auch egal, ob sie von einem TV-Sender ins Internet gestreamt werden (z.B. via Zattoo oder vom Sender direkt) oder ob sie gleich ohne Sender daher kämen, etwa live via YouTube.

Aber könnten wir ganz auf klassische TV-Sender verzichten? Zumindest mir würde bei einigen Sendern etwas fehlen. ProSieben etwa schafft Atmosphäre, greift Trends auf, hilft dem Zuschauer, sich als Teil eines Ganzen zu fühlen. Lineares Fernsehen ist mehr als nur eine Live-Sendung. Ein Sender schafft Vertrauen. Bei einmaligen Shows ist es egal, wer sie ausstrahlt. Der Zuschauer allerdings wünscht sich, schöne Erlebnisse zu wiederholen und ohne viel eigenes Zutun unterhalten zu werden. Deswegen werden TV-Sender uns auf die eine oder andere Art erhalten bleiben.

Wir werden in Zukunft unsere Lieblingsserien dann gucken können, wann wir wollen und auch wo wir wollen. Netflix, Watchever, der Chromecast und Smart TVs als Hilfsmittel bilden zusammen die eine Hälfte des Fernsehgenusses. Wir werden aber auch nicht ganz auf lineares Fernsehprogramm verzichten wollen. Egal, ob wir es nun auf einem TV-Gerät oder sonstwo empfangen.

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