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13.08.14

TransferWise-Gründer Taavet Hinrikus im Interview: "Banken stecken im Mindset der 80er fest"

Wenn Größen wie Richard Branson und Peter Thiel in ein Startup wie TransferWise investieren, ist klar, dass man es ernst nehmen sollte. Firmengründer Taavet Hinrikus hat mit seinem FinTech-Unternehmen viel vor und setzt auf eine Philosophie, die schon Skype zum Erfolg verhalf.

TransferWiseFinTech boomt. Eines der Startups, das in diesem Kontext häufig genannt wird, ist TransferWise. Ende vergangenen Jahres stellten wir das vom Estländer Taavet Hinrikus gegründete Unternehmen vor, das Banken in aller Welt mit einem innovativen, für Kunden kostengünstigen Modell der Auslandsüberweisung das Fürchten lehren möchte. Der Anbieter rühmt sich damit, stets den öffentlichen Devisenmittelkurs heranzuziehen und auf die sonst üblichen offensichtlichen oder versteckten Gebühren zu verzichten. Eine Milliarde Pfund, rund 1,25 Milliarden Euro, wechselten bisher über den Service ihre Besitzer. Im Interview mit netzwertig.com erklärt Hinrikus, der mittlerweile 130 Mitarbeitende an Standorten in Großbritannien und Estland beschäftigt, wie der Dienst das Interesse seiner illustren Investoren gewann, was mit Banken falsch läuft und inwieweit Bitcoin eine Bedrohung oder Chance für TransferWise darstellt.

Taavet, TransferWise hat Venture Capital von einer Reihe sehr renommierter Namen erhalten, darunter Peter Thiel und Richard Branson. Und das, obwohl es ähnlich ausgerichtete Konkurrenten gibt, wie Azimo oder TransferGo. Wie habt ihr euch dieses Vertrauen erworben?

Am Ende hat alles mit unserem Fokus auf Kundenzufriedenheit zu tun. In den drei Jahren unserer Existenz haben wir größtenteils ausgezeichnetes Feedback erhalten. TransferWise funktioniert so, wie eine moderne Bank funktionieren sollte. Wir bauen mit TransferWise eine neue Art von Finanzdienstleistungs-Unternehmen. Banken dagegen stecken im Mindset der 80er Jahre fest, denken in Filialen und wissen nicht, wie man moderne Onlineservices erschafft. Konsumenten aber wünschen sich heute Banken, die wie Skype oder Spotify funktionieren. Unsere Investoren haben dies erkannt.

TaavetDu erwähnst Skype. Dort warst du einst der erste Angestellte. Skype basiert wie TransferWise auf dem Peer-to-Peer-Prinzip. Dennoch handelt es sich um ein komplett andersartiges Produkt. Inwieweit profitiert TransferWise von deinen Erfahrungen aus der Zeit bei Skype?

Primär ist es das Verständnis, immer auf die Nutzer zu hören und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht nicht darum, wie man selbst die Dinge machen würde, oder wie man sofort das meiste Geld verdient, sondern darum, das Produkt zu schaffen, das für User den größten Nutzen bietet. Skype war nicht der erste VoIP-Anbieter. Wir hatten damals aber erkannt, dass Einfachheit der Schlüssel zum Erfolg war. Das Peer-to-Peer-Prinzip war damals der Weg, um einen VoIP-Service simpel und kostengünstig zu gestalten. Ähnliches gilt für TransferWise.

Der Ansatz von TransferWise basiert darauf, Beträge zwischen Nutzern, die Geld transferieren möchten und zwischen denen, die Geld empfangen, innerhalb einer Währung hin- und herzuschieben, statt tatsächliche, kostspielige Konversionen durchführen zu müssen. Das setzt aber eine kritische Masse voraus. Wie geht ihr vor, wenn diese noch nicht vorhanden ist?

Dann führen wir eine "echte" Auslandsüberweisung durch. Das kostet uns etwas mehr, aber dies ist die bessere Wahl, als Nutzern mitzuteilen, dass wir ihren Auftrag leider aktuell nicht durchführen können. Je mehr Anwender TransferWise nutzen, desto größer ist der Anteil der Transaktionen, bei denen wir unser Peer-to-Peer-System einsetzen können. Bei den etablierten Währungen läuft die Mehrzahl der TransferWise-Transaktionen schon jetzt auf diese Weise ab.

Du bezeichnetest TransferWise zuvor als “neue Art von Finanzdienstleistungs-Unternehmen”. Bedeutet dies, dass ihr demnächst auch andere Finanzservices anbieten werdet?

Nein, denn das Thema Auslandsüberweisungen ist extrem umfassend. Fünf bis zehn Billionen (nicht Milliarden, sondern Billionen, Anm. der Redaktion) Dollar werden jährlich um die Welt bewegt. Wir sind damit auf lange Zeit gut beschäftigt.

Könnte Bitcoin für euch zu einer Bedrohung werden? Oder vielleicht zu einer Chance, um Transaktionen durchzuführen?

Bislang gibt es für User keinen Weg, um mit Bitcoin Auslandsüberweisungen zwischen zwei Währungen mit den niedrigen Gebühren durchzuführen, die bei unserem System anfallen. Deshalb tangiert uns Bitcoin vorläufig nicht. Aber sofern sich in der Zukunft für uns Potenziale ergeben, die dafür sprechen, in irgendeiner Form von Bitcoin Gebrauch zu machen, dann schauen wir uns das an. Bitcoin ist eine faszinierende Technologie, aber eine “Killer-Applikation” haben wir bisher nicht gesehen.

Wie glaubst du, wird sich Geld in den nächsten 10 bis 20 Jahren verändern?

Ich hoffe, dass sich viel verändert in der Art, wie wir mit Geld umgehen. Ich rechne damit, dass Kryptowährungen eine größere Rolle spielen. Außerdem wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Bedeutung von Bargeld abgenommen haben. Menschen besitzen dann eine portable digitale Geldbörse, die auch wirklich funktioniert. Und natürlich wird TransferWise zur dominierenden Form der internationalen Überweisung aufgestiegen sein. /mw

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