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13.02.07

Transatlantische Missverständnisse: Google verliert in Belgien

Schon vor einigen Wochen gab es mal etwas Aufregung um einen Konflikt zwischen Google und belgischen Zeitungsverlagen. Die Verleger hatten Google der Copyrightverletzung beschuldigt, weil die Suchmaschine Inhalte der Zeitungswebsite auf Google News verlinkt hatte (wie sie das ja in vielen Ländern tut).

Diesem ersten Scharmützel folgte ein ausgewachsener Prozess, den Google nun verloren hat. Die Suchmaschine muss nicht nur alle Inhalte aus Google News und ihrem Cache entfernen, sondern auch noch eine Geldstrafe von 25'000 Euro für jeden Tag zahlen, an dem der rechtswidrige Zustand existierte.

Letzteres dürfte der reiche Suchgigant verschmerzen können, aber ganz offensichtlich wachsen die Bedenken, dass dieses Urteil eine Welle ähnlicher Klagen in anderen Ländern lostreten könnte. In Amerika reibt man sich die Augen und fragt sich, wie ein so kleines Land sich erdreisten kann, die Segnungen des allmächtigen Google hinterfragen zu können.

Meiner Meinung nach sind diese Diskussionen von zwei grundlegenden Missverständnissen geprägt:

  • Online-Werbung spielt in Kontinentaleuropa noch lange nicht die gleiche Rolle wie in den USA oder Grossbritannien. Damit ist auch die Bedeutung der Zeitungswebsites kommerziell geringer, und somit auch der Traffic, der immer mehr von Suchmaschinen getrieben wird, weniger bedeutsam. Amerikanische oder britische Zeitungen wären dumm, eine Suchmaschine zu verklagen, weil viele Zeitungswebsites durch gute Werbeeinnahmen inzwischen ziemlich profitabel sind und ein Grossteil der Besucher per Suchabfrage auf die Seiten gelangt.
  • Je nach Land sind die Zeitungsverlage wirtschaftlich unterschiedlich stark und vermutlich darum auch unterschiedlich klagefreudig. Ärger hat Google bisher vor allem in den frankophonen Ländern gekriegt, wo Zeitungen einen vergleichsweise geringen Teil der totalen Werbeeinnahmen erzielen (Belgien 23%, Frankreich 17%). In Pressehochburgen wie der Schweiz (52% des Werbemarktes geht an Zeitungen), Deutschland (43%) oder Schweden (55%) sehen das die Verlage deutlich gelassener, weil sie um die Stärke ihrer Brands wissen -- und das ist auch in Googles Heimmarkt USA ganz ähnlich. Eine starke Zeitungswebsite kann durch zusätzlichen Traffic aus Richtung Suchmaschinen nur gewinnen. Aber bei den schwachen Zeitungsmärkten motiviert eine verzweifelte wirtschaftliche Situation halt eher zu verzweifelten Massnahmen.

Da natürlich nationale Zeitungsverlage einen erheblich grösseren politischen und gesellschaftlichen Einfluss in ihrem Heimland haben als eine amerikanische Suchmaschine, steht Google im Fall weiterer Klagen nicht gerade gut da. Es wäre darum sicher am besten für Google, aktiv das Gespräch mit den Verlagen zu suchen.

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