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22.02.11

Townsters Großstadt-Kompass: Gute Idee mit verbesserungswürdiger Verpackung

Das Berliner Städte- und Empfehlungsportal Townster setzt für personalisierte Veranstaltungstipps auf bei Facebook eingetragene Präferenzen. Die Idee ist gut, die Umsetzung jedoch viel zu schüchtern.

 

Einst als lokale Such-Plattform gestartet und dann bei eBay für knapp 40.000 Euro verkauft, betreibt die Berliner Townster GmbH unter www.townster.de seit dem Herbst 2009 ein Empfehlungs- und Städteportal für die Hauptstadt. Ähnlich wie plazaa versuchen auch die Berliner, sich mit regionaler Kompetenz und einer persönlicheren Ansprache vom großen Wettbewerber Qype (sowie Yelp) abzuheben.deutsche-startups.de berichtete gestern über eine neue Funktion von Townster, den "Großstadt-Kompass". Über das Tool lassen sich auf Basis der Angabe persönlicher Präferenzen sowie bisheriger Aktivitäten bei Townster persönliche Empfehlungen für Unternehmungen, Veranstaltungen und gastronomische Höhepunkte erhalten. Das Besondere: Townster greift zur Verfeinerung der Vorschläge auf die Facebook-Likes von Nutzern zu, die ihr Townster-Konto mit dem Social Network verbunden haben.

Der Vorteil dieser Herangehensweise: Selbst neue User sollen treffsichere Empfehlungen erhalten können, auch wenn sie zuvor keinerlei Aktivitäten auf der Site getätigt, keine Lieblingsplätze eingetragen und keine Locations gebookmarkt, favorisiert oder mit einem "Mag ich nicht" versehen haben.

Eine nette Idee, dachte ich mir - nicht nur, um das Nutzererlebnis schon beim ersten Ausprobieren von Townster zu optimieren, sondern auch, um Aufmerksamkeit für das demnächst nach Hamburg expandieren Städteportal zu generieren.

Doch nachdem ich mich bei Townster über mein Facebook-Konto angemeldet und anschließend den Zugriff auf meine Facebook-Profildaten autorisiert hatte , wurde ich enttäuscht: Zwar warf mir der Großstadt-Kompass diverse Vorschläge zu den von mir gesuchten Kategorien aus (z.B. Clubs in Mitte und Prenzlauer Berg), aber inwieweit meine Facebook-Likes zur Ergebnisgenerierung eingesetzt wurden, darüber gab Townster keine Auskunft. Der Großstadt-Kompass erscheint stets im selben nüchternen, textlastigen Design, egal ob man dem Portal Zugriff auf das eigene Facebook-Profil und damit auf die persönlichen Interessen gegeben hat oder nicht.

Großstadt-Kompass: Keine Hinweise auf die Facebook-Integration

Warum stört mich dies? Zum einen kann Townster nur dann die gewählten Empfehlungen via Facebook verbessern, wenn User dort für den Großstadt-Kompass verwertbare Angaben wie bevorzugte Events, Clubs, Restaurants, Musikgenres usw eingetragen haben. Nicht jeder Anwender von Townster wird somit über Facebook personalisierte Empfehlungen erhalten, selbst wenn zuvor eine Verknüpfung mit dem sozialen Netzwerk hergestellt wurde. Eine Indikation über die von Townster tatsächlich verwendeten Profilangaben würde somit bei der Beurteilung der servierten Ausgehtipps helfen und vor falschen Erwartungen schützen ("Nun habe ich Townster schon auf mein Facebook-Profil gelassen und dennoch schlägt es mir vor, ins Q-Dorf zu gehen").

Davon abgesehen lässt sich das Berliner Startup hier eine hervorragende Marketing-Chance entgehen: Ein Tool, das sich optisch und strukturell von der typischen Townster-Oberfläche abhebt, in externe Websites eingebettet werden kann und die Verwertung der über Facebook bezogenen Informationen auf clevere und visuell ansprechende Art und Weise darstellt, hätte ideale Voraussetzungen für eine virale Verbreitung im Netz. Stattdessen lässt Townster seine Nutzer mit der Frage zurück, ob der Import von persönlichen Interessen über Facebook am Ende überhaupt funktioniert hat.

Das Konzept des Townster Großstadt-Kompass zeigt, wie man von Anwendern im Netz veröffentlichte Informationen dazu verwendet, die Benutzerfreundlichkeit und Qualität des eigenen Angebots zu erhöhen, ohne nochmals um die Eingabe dieser Daten bitten zu müssen (was man u.a. auch von Hunchs Predict-o-matic her kennt). Was dem Feature fehlt, ist eine reizvollere Verpackung, die sowohl die Transparenz aus Usersicht erhöht, als auch kontraproduktives Understatement über Bord wirft. Aber vielleicht wird das ja noch!

Link: www.townster.de

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