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04.12.12

Technologie-Konferenz LeWeb: Die Welt schaut zu - außer in Deutschland

Die Internetwelt trifft sich auf der LeWeb-Konferenz in Paris. User in allen Ländern dieser Erde können den offiziellen Livestream verfolgen. Mit einer Ausnahme: Deutschland.

Viele am Treiben der internationalen Internetwirtschaft interessierte Nutzer in Deutschland werden heute eine Enttäuschung erlebt haben: In Paris steigt mit LeWeb Europas bedeutsamste Konferenz rund um Netz- und Technologie-Themen, doch im Gegensatz zu den Vorjahren lässt sich der offizielle Livestream dieses Mal aus Deutschland nicht aufrufen. Bisher diente Ustream als Streamingdienstleister, in diesem Jahr ist es YouTube.

Ein kurzer Vermerk auf der Facebook-Seite der Konferenz informierte am Dienstagmittag darüber, dass der Stream in Deutschland aufgrund der hiesigen Gesetzeslage nicht abrufbar sei. Egal aus welchem der rund 200 Länder dieser Erde man also der internationalen Techprominenz beim Stelldichein zuschauen möchte, so ist dies - eine schnelle Breitbandverbindung vorausgesetzt - problemlos über den offiziellen YouTube-Stream möglich. Außer man befindet sich in Deutschland.

Nachdem einige Facebook-Kommentatoren um weitere Details baten, konkretisierte das LeWeb-Facebook-Team das Problem soweit, als dass es die Schuld auf YouTube schob. "We're trying to work on a solution, but YouTube doesn't allow us to live stream in Germany".

Wir erkundigten uns deshalb bei Google. Die Antwort folgte prompt, eine Erkärung habe man jedoch nicht. Stattdessen verwies man auf die Aussage der Konferenzveranstalter, dass das Streaming aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei. Daraufhin nahmen wir Kontakt mit der LeWeb-Presseabteilung auf, in der Hoffnung, doch noch etwas mehr Hintergründe herauskitzeln zu können. Doch statt einem Kommentar lieferte uns eine Specherin alternative Streaminglinks, die nicht über YouTube laufen, sondern über den belgischen Streamingdienstleister Freecaster.tv.

Weil uns das etwas seltsam vorkam, fragten wir sicherheitshalber nach, ob das die offizielle Aussage von LeWeb wäre und ob sie uns nicht doch noch eine Stellungnahme zur Sperrung des Streams für Nutzer in Deutschland geben könnten. Ja, diese Streams seien offiziell, und nein, mehr könne LeWeb nicht dazu sagen.

Immerhin, nun gibt es für User in Deutschland zumindest einen hochoffiziellen Stream - dachten wir uns. Aber weit gefehlt: Denn klickt man auf die Links, die uns die Presseabteilung von LeWeb zukommen ließ (Bühne 1 und Bühne 2), erhält man die bekannte Meldung, das Video sei nicht im eigenen Land verfügbar. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland sondern auch für andere Länder (getesten aus der Schweiz und Schweden). Nachtrag: bei Twitter berichten Nutzer, dass diese Links funktionieren - sie scheinen jedoch wählerisch dabei zu sein, für wen - Kabel Deutschland funktioniert, Unity Media und Alice nicht.

Fassen wir zusammen: LeWeb sagt, YouTube verhindere das Streaming in Deutschland. Google verweist auf LeWebs allgemeingehaltene Aussage, dass aus rechtlichen Gründen keine Übertragung in Deutschland möglich sei. LeWeb hat dazu nichts weiter zu sagen, schickt uns aber zwei alternative Links, die jedoch weder in Deutschland noch anderswo zuverlässig zu funktionieren scheinen. Und über allem schwebt die Vermutung der User in den Kommentaren auf LeWebs Facebook-Seite, die GEMA hätte wieder einmal zugeschlagen oder zumindest sei die Furcht vor ihr der Grund für eine präventive Blockade des Videos. Entweder von YouTube oder von den Konferenzveranstaltern.

Aus Sicht der Nutzer ist es letztlich egal, wer welche Rolle in dieser absurden Situation einnimmt. Für sie - und für uns - zählt das, was unterm Strich steht: Die gesamte Welt kann völlig legal und organisiert von den Veranstaltern eine renommierte Konferenz im Internet anschauen. Nur in einem einzigen Land treten dabei rechtliche Komplikationen auf, die das verhindern beziehungsweise erschweren: in Deutschland. Deutlicher kann der Beleg dafür, dass Urheberrechts- und Bürokratiewahn hierzulande ein extrem ungesundes Maß erreicht haben, kaum sein.

Nachtrag: Leser SL verweist auf den Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien, ein " bürokratisches Ungetum ", der ein Livestreaming ohne Sendelizenz in Deutschland ab einer gewisse Dimension bisher verbietet. Allerdings hat YouTube mittlerweile ausgewählten Partnern Zugriff auf die Live-Streaming-Technlogie gegeben und bürokratisches Ungetum , die Verantwortung dafür, herauszufinden, inwieweit nach deutschem Recht eine Lizenz erforderlich ist, den Partnern zu überlassen. Vorstellbar wäre, dass YouTube den LeWeb-Machern in diesem Fall die Entscheidung abgenommen hat.

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