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21.04.11

Technischer Fortschritt: Ist die Welt reif für eine Einheitssprache?

Sprachpuristen kämpfen gerne gegen Einflüsse aus anderen Sprachen. Gleichzeitig reißt der technische Fortschritt immer mehr Barrieren der Verständigung zwischen Völkern nieder. Wäre die Welt mit einer oder wenigen Einheitssprachen ein besserer Ort?

 

Vor einigen tausend Jahren errichtete ein Volk in einem Land mit dem Namen Schinar einen Turm, dessen Spitze bis zum Himmel reichen sollte. Doch weil Gott befürchtete, dass nach der Fertigstellung für die Menschen nichts mehr unerreichbar erscheinen würde und ihnen der Übermut zu Kopf steigen könnte, entschloss er sich, ihre bisher einheitliche Sprache zu "verwirren" und die Menschen über die ganze Erde zu verteilen. So konnten sie nicht mehr miteinander kommunizieren und ihren überdimensionalen Turm nicht weiterbauen. Damit waren die unterschiedlichen Sprachen dieser Welt geboren.

Die Erzählung stammt bekanntlich aus dem Alten Testament der Bibel und beschreibt den Turmbau zu Babel. Während es naturgemäß unterschiedliche Ansichten über die Glaubwürdigkeit dieser Sage gibt, stellt sie ein schönes Bildnis für die Frage dar, die ich in diesem Beitrag in den Raum werfen möchte:

Denn in letzter Zeit haben ich vermehrt darüber nachgedacht, ob Menschen nicht auf eine Welt hinarbeiten sollten, die nur noch eine (oder wenige) Sprache(n) spricht - und ob dies nicht sukzessive bereits mit dem Englischen geschieht. Wäre es möglich, dass die Bewohner dieses Planeten analog zum Bau des geplanten XXL-Turmes von Babel die vielfältigen Herausforderungen der heutigen Zeit besser angehen könnten, wenn sie alle die selbe Sprachen sprechen würden?

Während mein Dienstagsartikel über Cardcloud und das darin beschriebene, von mir erwartete Ende der physischen Visitenkarte für eine heftige Kommentardiskussion sorgte, möchte ich unterstreichen, dass ich an dieser Stelle eher eine offene Frage formuliere, als bereits eine fertige Prognose anzubieten: Wird die Welt (oder große Teile dieser) eines Tages (z.B. in 50, 100 oder 200 Jahren) nur noch eine oder wenige Sprachen sprechen? (z.B. Englisch, Chinesisch). Sollten wir uns dafür einsetzen oder dagegen ankämpfen?

Vorwürfe von Sprachpuristen, es gäbe zu viele Anglizismen im Deutschen, kennt man. In ihren Augen sollte jeder bewusst für die Beibehaltung der deutschen Sprachkultur eintreten und sich gegen zu viele Lehnwörter (primär aus dem Englischen) wehren. In anderen Ländern gibt es ähnliche Tendenzen (man denke an die französische Radioquote).

Doch verstärkt sinniere ich darüber, was wir dadurch gewinnen. Welchen Nutzen haben unterschiedliche Sprachen abgesehen vom Spaß, diese zu lernen (ich habe z.B. selbst mit Freude Schwedisch gelernt), von einer gewissen Mystik (wen man nicht versteht, der wirkt geheimnisvoll) und von Erinnerungen an vergangene Reisen? Gibt es abgesehen von emotionalen Argumenten auch sachliche Vorzüge dafür, dass wir die Menschen, die ein paar hundert Kilometer von uns entfernt wohnen, nicht mehr verstehen (Dialekte an dieser Stelle einmal ausgeklammert)?

Kommt man zu dem Schluss, dass es wünschenswert ist, gegen eine oder wenige gemeinsame Weltsprachen anzukämpfen, stellt sich einem noch immer die technologische Entwicklung in den Weg. Hinreichend akzeptable, textbasierte Übersetzungstools existieren schon (aus dem Deutschen sind die Ergebnisse meist mäßig, aber ein schwedischer Artikel, der mit Google Translate ins Englische übersetzt wird, liest sich zum Beispiel sehr gut).

Google Translate für das iPhoneSeit einiger Zeit gibt es Google Translate auch für Android und iPhone. Damit kann man einen beliebigen Text einsprechen oder eintippen und sich anschließend das Ergebnis laut vorlesen lassen. Das funktioniert bereits für mehr als ein Dutzend Sprachen und hat zur Folge, dass man einen nicht des englischen mächtigen Passanten in Japan ganz einfach auf Deutsch nach dem Weg fragen kann und es anschließend vom Mobiltelefon auf Japanisch vorlesen lässt.

Der Schritt bis zur Echtzeit-Übersetzung von ganzen Sätzen ist sicherlich noch weit entfernt und wird gerade bei komplexen Sprachen zu einer komplizierten, vielleicht sogar unmöglichen Angelegenheit.

Akzeptieren müssen wir aber, dass Technologie in den kommenden Jahrzehnten Sprachbarrieren zunehmenden niederreißen wird. Und dies lässt zwei mögliche Schlüsse zu:

1. Klasse, dann können Länder und Völker ihre Sprachen und damit kulturellen Identitäten beibehalten und trotzdem deutlich besser mit Fremdsprachlern kommunizieren.

2. Wenn wir schon dabei sind, mit technischen Mitteln Sprachbarrieren abzubauen, warum streben wir dann nicht gleich einen Zustand an, bei dem mehr Menschen die gleiche Sprache sprechen (wie z.B. Englisch)?

Zu welchem Schluss tendiert ihr? Bitte beteiligt euch an folgender Umfrage (RSS-Leser bitte hier klicken) und hinterlasst gerne einen Kommentar.

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(Illustration: Wikimedia Commons)

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