<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

30.04.08

Tchibo Ideas - eine Plattform für Probleme und Lösungen

Tchibo startet eine Community für Probleme und deren Lösungen. Oft wird man ja nicht überrascht, aber wer hätte das gedacht?

Wenn man Umair Haque glauben kann, dann ist das Zuhören ein wesentlicher Bestandteil von Strategien für Unternehmen, die sich unter den Bedingungen des Web (neu) definieren wollen. Zuhören ist wichtiger als Reden .

In letzter Zeit haben wir einige dahingehende Projekte von etablierten Marken gesehen. Neben vielen anderen versuchen etwa Starbucks mit My Starbucks Idea oder Dell mit dem Dell IdeaStorm Communities zu etablieren, auf denen die Kunden Ideen brainstormen, Features priorisieren und ähnliches tun können, was ihnen im Idealfall ein Ohr zum Kunden verschafft und die Ideenfindung nach aussen verlagert.

 

Tchibo geht mit Tchibo Ideas, einer Plattform für Probleme und Problemlösungen, einen nicht uninteressanten anderen Weg. Sie utilisieren die Bekanntheit der eigene Marke, um einen tatsächlich unabhängigen und in sich selbst stimmigen Webdienst zu promoten. Ob Umsatzeinbrüche, Filialschließungen, Managerabgänge und andere Probleme die Gründe für diese Abweichung vom Kerngeschäft sind, darüber mag spekuliert werden.

Das Prinzip von Tchibo Ideas ist denkbar einfach: es gibt Aufgaben, Lösungen und eine Community drumherum. Als besonderen Anreiz gibt es Preise und Auszeichnungen für die besten Ideen eines Monats bzw. eines Jahres.

Aufgaben werden als Problemstellungen – üblicherweise aus dem Alltag, die letzten zwei sind etwa: ‘Fischdose, die beim Öffnen nicht spritzt’ und ‘vertüddelte Kopfhörerkabel’ – formuliert und können mit Fotos annotiert werden. Auch Lösungen lassen sich mit Fotos illustrieren und können gegebenenfalls auch als schützenswert markiert und auf ihre Schützbarkeit hin überprüft werden. Sowohl für Aufgaben als auch für Lösungen gibt es einen mehrstufigen Prozess des Abstimmens und Votens, was die interessantesen Probleme und die einfallsreichsten Lösungen nach oben spülen soll.

Die Idee ist nicht schlecht. Im deutschsprachigen Raum gibt es zwar schon einige Dienste für die DIY-Community, auf denen gezeigt werden kann, wie was funktioniert, wie man was um- oder zusammenbaut, usw. und es gibt mehrere Dutzend Frage & Antwort-Communities, aber meines Wissens nach gibt es noch keine sich selbst ausdifferenzierende Plattform für Probleme und Lösungen dieser Art. Es liegt in der Natur des Menschen zu basteln, zu tüfteln und Lösungen zu finden, einen Markt für einen solchen Dienst gibt es allemal.

Nur als Nebenbemerkung: Tchibo Ideas ist der Versender der ominösen Päckchen mit Zahnbürste, Rasierer und Handy, die vor einer Woche anonym und durchnummeriert an ein paar Blogger verschickt wurden, was in der Blogosphäre ein paar kalkulierte Wellen schlug. Diese Aktion wäre um einiges weniger unsympathisch gewesen, wenn sie die Erklärung dann nicht selbst auch noch nachgereicht hätten (sicher ist sicher). Sie zeigt aber doch auch deutlich, wie einfach sich Blogger mit ein wenig Marketing-Budget einen Ring durch die Nase ziehen und in die gewünschte Richtung lenken lassen, siehe dazu auch Ralf Graf.

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer