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27.08.10

Task-Management-Tools: Wie Remember The Milk versucht, sein Geschäftsmodell zu retten

Remember The Milk ist das wahrscheinlich bekannteste Webwerkzeug für To-Do-Listen. Doch durch neue Konkurrenz gerät das restriktive Freemium-Modell des Dienstes ins Wanken.

 

Es ist eine komfortable Situation: Einem Webdienst ist es gelungen, sich als der populärste Anbieter in seinem Bereich zu etablieren. Konkurrenten gibt es zwar, aber diese kennt kaum jemand. Und weil das so ist, kann es sich das Startup leisten, den Funktionsumfang seines Gratisangebots stark zu beschneiden und selbst essentielle Features nur als Teil des kostenpflichtigen Premiumkontos anzubieten.

Ungefähr so verliefen die vergangenen Jahre für Remember The Milk, ein 2005 gestartetes Task-Management-Tool aus Australien, das lange Zeit eine Autorität war, was webbasierte Services zum Verwalten von To-Do-Listen betraf.

Was mir bei dem Service immer missfiel und mich von einer Nutzung abhielt: Die Free-Version beinhaltete lediglich Zugriff auf die herkömmliche Browseroberfläche. Apps für iPhone und Android standen nur Premium-Anwendern zur Verfügung, die dafür 25 Dollar pro Jahr zahlen.

Ein Tool zur Aufgabenverwaltung hilft mir jedoch nur dann, wenn ich meine Tasks auch von unterwegs aus einsehen und bearbeiten kann. Doch trotz der vielen Raffinessen, die Remember The Milk mit sich bringt, sind To-Do-Listen für mich nichts anderes als ein paar Zeichen in Listenform. Im Gegensatz zu Cloud-, Musik- oder Videoservices entstehen dem australischen Startup durch die User nur minimale Kosten für Traffic und Server - zumindest wenn man den Dienst so einsetzt, wie ich dies machen würde.

Aus diesem Grund halte ich es für unangemessen, für das Verwalten von geschätzten 2 Kilobyte schweren ToDos in Stichpunktform zu bezahlen, wenn andere, sehr viel anspruchsvollere Arten von Content und Funktionalität im Web kostenlos oder zu vergleichbaren Preisen angeboten werden.

Doch in letzter Zeit hat sich das Marktumfeld verändert. Die Zahl der Wettbewerber nimmt zu, und mittlerweile erhalten Freunde von To-Do-Listen an anderer Stelle nahezu die komplette Funktionalität von Remember The Milk, ohne dafür Geld auf den Tisch legen zu müssen. Speziell denke ich hier an Producteev, das wir vor einer Woche vorgestellt haben und das ich seitdem auch aktiv einsetze.

Wie es scheint, spürt Remember The Milk den durch die junge Konkurrenz verursachten Druck: Ab sofort stellt der Dienst seine iPhone-Applikation auch allen Usern der Gratisvariante zur Verfügung. In einem eher kläglichen Versuch, die Produktdifferenzierung zwischen Free- und Pro-Konto im Bezug auf die iPhone-App aufrecht zu erhalten, können Nutzer, die nicht zahlen, lediglich einmal täglich ihre Aufgaben zwischen iPhone und Remember The Milk-Server synchronisieren.

Es ist nachvollziehbar und legitim, dass der Service aus Down Under nicht einfach so die Basis seines Geschäftsmodelles aufgeben möchte. Dennoch wirkt der Ansatz, die iPhone-App für Gratisnutzer zwar anzubieten, aber zu verstümmeln, verzweifelt. Der Service zieht damit weiterhin den Kürzeren gegen Wettbewerber, die keinerlei Hürden in ihre iPhone-Apps eingebaut haben. Gleichzeitig zerstört er Sympathien bei Besitzern von Android-Smartphones, die weiterhin einen kostenpflichtigen Account benötigen, um Remember The Milk mobil verwenden zu können, und sich wie User zweiter Klasse fühlen müssen.

Was Remember The Milk stattdessen tun sollte: Die mobilen Apps uneingeschränkt freigeben, Umsätze durch eine Werbevermarktung erhöhen (auf Basis der Inhalte aus den To-Do-Listen gibt es doch ausgezeichnete Targeting-Möglichkeiten) und darüber nachdenken, welche zusätzlichen Features es in das kostenpflichtige Angebot integrieren könnte, die eine Zahlung rechtfertigen.

Und sofern der Dienst zu keinem Ergebnis kommt, dann bleibt eben nur die Erkenntnis, dass man Nutzer im Web nicht für jedes Feature zur Kasse bitten sollte. Speziell dann nicht, wenn die eigenen Kosten niedrig sind (oder dies zumindest sein sollten).

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