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10.07.08

Tape.tv: Musikfernsehen 1.0

Das Berliner Startup Tape.tv macht Musikfernsehen – im Internet. Mit Werbeunterbrechung nach jedem dritten Clip, aber ohne nervende Klingelton- und Flirtangebote.

Es könnte alles so einfach seinWährend Viva und MTV schrille Shows, abgedrehte Comedy und diverse Real-life-Serien mittlerweile so ziemlich alles senden, außer Musikvideos, geht eine neue Internetseite einen anderen Weg. Ein klarer, schwarzer Hintergrund, ein kleines Logo, ein aufgeräumtes Menü und nur Musikclips: So sieht Tape.tv aus.

Einfach zum eigenen Programm: Tape.tv eingeben, zurücklehnen und aktuelle Musikclips genießen. Gefällt das laufende Video, gibt es über einen Klick auf ein kleines Herz – ähnlich wie bei Last.fm – mehr Clips aus derselben Musikrichtung. Oder man wählt das Programm nach Genres aus: von "Hip Hop Hooray" über "Pop Kultur" bis zur "Alternativen Liste". Wenn alles nicht hilft: Auch über den Künstler geht es mit einem Klick zu ähnlichen Tracks.

Auf Rotation: Videos der folgenden Künstler mit dem Buchstaben "B" laufen derzeit auf Tape.tv:

Badu, Erykah

Bareilles, Sara

Barkley, Gnarls

Beatstakes

Bedingfield, Natasha

Bedouin Soundclash

Biffy Clyro

Billy Talent

Björk

Black Eyed Peas

Black Tide

Blige, Mary J.

Bloodhound Gang

Blue, Jimi

Blunt, James

Bobby Valentino

Bon Jovi

Boppin' B

Boundzound

Bright Eyes

Brown, Chris

Bryan Adams

Bubba Sparxxx

Bullet for my Valentine

Busa Rhymes

Es muss nicht immer Mainstream sein

Bisher sollen rund 12.000 Clips verfügbar sein. Die Inhalte kommen direkt von den Musik-Labels und werden von Tape.tv eingekauft. Die neue Videoplattform arbeitet übergreifend: "Alle Künstler, alle Videos, alle Labels" abzubilden, das hat sich das Berliner Unternehmen mit Sitz in der schicken Kulturfabrik im Prenzlauer Berg auf die Fahnen geschrieben.

Noch ist das allerdings ein Versprechen: Nach einem Klick auf "Deutsche Reime" gibt es erst Jan Delays hochglanz-Hip-Hop aus Hamburg, dann etwas Krawall aus Berlin mit K.I.Z und dem anstrengenden Fler ("blaue Augen, weiße Haut" ... "ich bin deutsch, bin drauf stolz"), woraufhin es sich dann bald erschöpft hat. Immerhin gibt es unter "Top 50" aktuelle Charthits von Madonna bis Muse.

Neben den Major-Labels Sony-BMG, Universal und Warner Music auch Independents wie Kontor New Media unterschrieben, wie Tape.tv auf Anfrage mitteilte. Die Unternehmen bekommen dafür im Gegenzug einen neuen Verbreitungsweg und eine junge Zielgruppe – und keine billige Klingeltonwerbung.

Das Prinzip, Musik nach dem Geschmack des Nutzers auszuwählen, ist nicht neu: schon Last.fm und Pandora funktionieren ähnlich, sind aber noch eher im Hörfunk zuhause. Tape.tv will sich hauptsächlich durch kleine Werbeclips finanzieren. Nach jedem dritten Song wird ein kurzer Clip eingeblendet. Im Online-Shop sollen demnächst Kaufvideos per Download, CDs, Konzertkarten und ausgewählte Merchandising-Artikel angeboten werden. Im nächsten Schritt sollen die Zuschauer in den Clips gezeigte Outfits über die Datenbank des Partners Zanox suchen und kaufen können.

Schade: Tape.tv versucht krampfhaft, Fernsehen zu sein

Tape.tv klammert sich noch zu sehr an das herkömmliche Fernsehen. So kann in Videos nicht hin- oder hergespult werden, es kann ein Video vor- aber nicht zurückgesprungen werden. Das wäre zu verschmerzen. Aber auch, wenn man drei Videos schnell überspringt, wird nach jedem dritten Clip Werbung eingeblendet. Die Suche nach Künstlern funktioniert – nach Songs hingegen kann nicht gesucht werden, es fehlen so ziemlich an allem, was heute ein Web-2.0-Angebot an Funktionen mitbringt. Mit einem Trick könnte man einzelne Videos doch noch direkt anwählen: In dem man ein Video per Knopfdruck per Mail weiterempfiehlt. Wenn es denn schon funktionieren würde.

Trotzdem: Endlich Musikfernsehen ohne semiszeniges Rumgebrabbel in den immergleichen American-Apparel-Outfits aus den immergleichen Köpfen mit den immergleichen Frisuren – das ist doch auch schon was.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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