<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

28.10.13

taper.me: Ein Instagram mit Musik

taper.me will das Sharing von visuellen Inhalten mit einem Soundtrack ergänzen. Sowohl die aus der Schweiz stammende App als auch die Idee sozialer Musikdienste generell verlangen noch nach Arbeit.

Mit vielen Musikstücken verbinden wir Erinnerungen an ganz besondere Lebensmomente: Der alte Sommerhit führt uns zurück in einen tollen Urlaub und die Schnulze lässt die Nervosität vor dem ersten Date wieder aufkommen. Der Ansatz, Momente mit einem Song zu verbinden, ist die Grundlage von , einer neuen App für iOS aus der Schweiz. Die Umsetzung lässt sich als Instagram mit Musik beschreiben: Man teilt ein Foto in einem öffentlichen Stream und fügt zusätzlich einen auf Spotify verfügbaren Song hinzu. Im Gegensatz zu beispielsweise SoundTracking wird dabei stets das ganze Lied angehängt und nicht nur ein Ausschnitt

"Wir alle teilen so viele Bilder und Videos wie noch nie. Gleichzeitig hören wir mehr Musik denn je. Während sich die meisten Social-Music-Apps im Kern um die Entdeckung neuer Songs drehen, fokussieren wir uns auf Musik als Mittel fürs Storytelling", beschreibt der Gründer Daniel Jörg, Kommunikationsstratege und international aktiver Musiker, die Idee. Nächste Version soll Videos unterstützen

Dass dabei angesichts der wachsenden Zahl von Musik-Apps die Priorität vor allem auf eine möglichst rasche Veröffentlichung eines Minimal Viable Products gelegt wurde, merkt man dem Resultat leider an. Sowohl die Idee wie auch die Umsetzung wirken noch nicht richtig ausgegoren. Die Tatsache, dass es ein einzelnes Foto ist, welches mit einem dreiminütigen Song hinterlegt wird, lässt einen kaum das gewünschte Gefühl erkennen, welches der Poster vermitteln wollte. Dass man den Song dabei nur kurz anhört und dann bald wieder stoppt, versteht sich von selbst. Mit der Veröffentlichung von Videosequenzen dürfte sich schon eher die gewünschte Stimmung erzeugen lassen - eine Weiterentwicklung, welche in einer Version zwei schon bald verfügbar sein soll.

Der App selbst, die sich als soziales Netzwerk versteht, mangelt es zudem noch an wirklich sozialen Funktionen. Es gibt nur einen öffentlichen Stream aller Posts, es fehlt die Möglichkeit zur gezielten Verknüpfung mit anderen Usern oder zum Einladen von Freunden, und der eigene Username besteht standardmässig aus einer anonymen Nummer. Das grösste Hindernis für rasches Wachstum haben sich die Entwickler aber gleich selbst auferlegt: Die App ist nur für User nutzbar, die über einen kostenpflichtigen Premium-Account von Spotify verfügen, welcher immerhin 120 Euro im Jahr kostet. Daniel Jörg weist darauf hin, dass sich die Zielgruppen sehr aktiver und musikaffiner Nutzer natürlich zu einem gossen Teil überlagern.

Soziale Musikdienste stecken in den Kinderschuhen

Dass soziale Musikservices zur Zeit noch keine Selbstläufer sind, lässt sich daran erkennen, dass Twitter seinen #Music-Dienst nach nur sechs Monaten aller Wahrscheinlichkeit nach wieder abschalten wird. Natürlich kann man Twitter vorwerfen, das Angebot zu wenig in die bestehenden Profile integriert und nicht gut vermarktet zu haben. Doch an der Tatsache, dass nach Ping von Apple ein weiterer der mächtigsten Internetdienste am Thema gescheitert ist, ändert das nichts.

Dass sich der digitale Musikmarkt aber weiterhin verändern wird, ist unbestritten. Spotify ist auf dem Weg, selbst zum sozialen Netzwerk zu werden, und die Basis der aktuell sechs Millionen bezahlenden User dürfte sich in der Zukunft stark erweitern. Mit iTunes Radio versucht auch Apple ebenfalls, sich sein Stück am Markt gestreamter Musik zu sichern. Und das Potenzial von Shazam, 8tracks oder SoundCloud, mit einer guten Idee das User-Verhalten zu revolutionieren, darf nicht unterschätzt werden.

Entscheidend wird sein, ob es einem dieser Dienste gelingt, einen echten Mehrwert zu bieten. Dieser kann tatsächlich darin liegen, gemeinsame Erinnerungen zu pflegen. Auf dieser Basis eine regelmässige User-Aktivität und möglichst auch noch ein Geschäftsmodell aufzubauen, ist jedoch eine grosse Herausforderung. Gerade auch, weil Musik-Konsumenten angesprochen sind, also Personen, die schon von der Voraussetzung her passiv mit diesem Medium umgehen.

Einfacher fällt die Umsetzung, wenn es anstatt um Musik-Konsumenten um kreative Musiker-Erzeuger geht. Smule steht gerade an der Schwelle, seine Stellung als vermutlich grösstes Netzwerk im Bereich Musik-Kollaboration weiter auszubauen. Die Firma, die einst mit der App Ocarina iPhone-User in ihr Smartphone blasen ließ und so einen der ersten grossen Hits im App-Bereich schuf, hat in diesen Tagen den Zugang zu seiner Plattform erweitert. In Zukunft wird es den bereits 125 Millionen Usern noch einfacher fallen, gemeinsam im Karaoke-Stil Songs aufzunehmen. Diese haben zwar selten Radio-Qualität, doch den Betreibern der Plattform fliessen dieses Jahr dennoch rund 20 Millionen Dollars in die Kasse.

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass taper.me in der Geschichte des Musikgeschäfts eine entscheidene Rolle spielen wird. Die App ist jedoch ein Ausdruck dafür, dass sich das Verhalten mit dem Medium Musik weiterhin wandeln wird und viel Raum für die Umsetzung neuer Ideen existiert. Ob wohl Instagram schon bei Spotify angeklopft hat?

Link: 

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer