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05.01.07

Tages-Anzeiger vs. Schweizer Fernsehen

Der Tages-Anzeiger fordert in seiner Ausgabe vom 03.01.2007 die Absetzung von fünf Sendungen des Schweizer Fernsehens, namentlich Deal or no Deal, Edelmais, Meteo, Aeschbacher und 10 vor 10. SF-Chefredaktor Ueli Haldimann und SF-Moderator Kurt Aeschbacher reagieren darauf in ihren Blogs.

Der Anwurf des Tages-Anzeigers, über den auch persoenlich.com berichtet, ist mit wenig Recherche ausgeführt.

So heisst es über die Sendung "Aeschbacher":

 

Zugegeben, jetzt, da ich vor dem Schirm sitze und mit diesen Zeilen beginne, weiss ich nicht einmal, wie die Sendung richtig heisst. Ich sehe sie nie.

Trotzdem findet Schreiber Paul Imhof (und seine Freundin), die Sendung müsse ersatzlos gestrichen werden, denn:

 

Talkshows sind grauenhaft, eine schlimmer als die andere. All dies gebutterte Geschwafel, diese geschminkten Gefühle, die aufgesetzten Bekenntnisse, all dies Drängeln, auch einmal im Rampenlicht der Kleinkarierten schwitzen zu dürfen - all dies ist einfach nur langweilig und vollkommen überflüssig.

Kurt Aeschbacher gefällt das gar nicht und beschreibt die "frustrierte Schreibe" in seinem Blogeintrag als "Fäkalien". Ausserdem könne man bei so einem Gedröhne von einem halbwegs intelligenten Text wohl kaum mehr reden. Am Liebsten hätte er diesen Laferi von seinem Chef entsorgt.

Ueli Haldimann, Chefredaktor der Informationssendungen, ärgert sich über falsche Informationen:

 

Nehmen wir den kurzen Text über 10vor10. Er ist illustriert mit einem Bild von Tagesschau-Moderatorin Conny Boesch im Tagesschau-Dekor. Dumm gelaufen. Kann passieren. Wir lesen vom Eppenbergers Zeigefinger. Eppenberger? Gemeint ist wohl Walter Eggenberger. Schon wieder knapp daneben. Weiter: Klapproth dürfe ?immer noch unrasiert seine Versli aufsagen?. Schon wieder Pech. Klapproth hat schon vor anderthalb Jahren damit aufgehört, die Sendung mit einem Kalauer zu beenden...

Weiter heisst es im Tagi-Text über "Deal or no Deal":

 

Kilchspergers 26 Money Girls sind stumme Wesen, die auch «Eva Hermanns Traum» heissen könnten. Ihre Aufgabe ist es, die von den Kandidaten ausgewählten Koffer zu öffnen. Das tun sie mit dramatischem Gestus (wie einst die Heldinnen des Stummfilmes), einem breiten, knallig roten Lächeln und einem Kostüm, das dem Stilwirrwarr der Sendung entspricht: Mireille Mathieu trifft Barbarella auf dem Raumschiff Enterprise.

(...)

Brauchen wir diese Sendung? Nicht wirklich.

Über "Meteo":

 

Ich beantrage, dass die Sendung, die seit Jahren erfolglos versucht, Meldungen zu Geschichten zu machen, nun endlich ganz vom Dach geholt wird.

Und über "Edelmais & Co.":

 

Es gibt dabei verschiedene Schattierungen von furchtbar mit ständig wechselnden Namen, aber am schlimmsten ist dabei «Edelmais & Co.», ein Format, das bei mir bisher nur schockartiges Wegzappen ausgelöst hat. An sich geschätzte Volksschauspieler mühen sich da in brutal schlechten Sketchen über pensionierte Kondukteure oder Handymissbrauch unter der Bettdecke ab.

So direkt und boulevardesk geht es durch alle Beiträge. Im neuen Jahr scheint also der Tages-Anzeiger das Gebiet der Kritik am nationalen TV-Sender zu betreten. Eine Aufgabe, die bisher traditionell und zuverlässig von Blick und Roger Schawinski ausgeführt wurde.

Dass auch der erfolgreichsten Sendung des Schweizer Fernsehens, "Meteo", die Absetzung empfohlen wird, ist frech, aber gut. Alle fünf Einträge sind flott zu lesen und zumindest teilweise gerechtfertigt. Die Texte passen nur nicht richtig in einen Artikel auf der Seite "Leben". Viel besser würden sie in Blogs hineinpassen.

Das Problem des Tages-Anzeigers aber ist, dass er keine Blogs hat, wie sie das Schweizer Fernsehen hat. Es sind zwar Blogs, aber keine Blogs, die ausmachen, was Blogs ausmacht. Nämlich die persönliche und emotionale Beteiligung an einem Thema. In genau diesem Fall ist sie aber gegeben. Es drängt sich also die Frage auf, warum man den offenbar blogbegabten Mitarbeitern nicht eine Plattform gibt, auf der sie ihre Meinung zum Schweizer Fernsehen (oder zu anderen Themen) rauslassen können.

Da es bereits Weblogs gibt bei tagesanzeiger.ch, sollte die technische Einrichtung von weiteren kein Problem stellen. Kommen trotzdem Fragen auf - zögern sie nicht, unseren kompetenten Herrn Hogenkamp zu kontaktieren. Er wird ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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