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09.07.12

Svbtle: Elitäres Blognetzwerk mit guten Aussichten

Mehrere Dutzend Startup- und Design-Kenner mit ausgewiesener Blogkompetenz veröffentlichen seit Neuestem beim kalifornischen Publikationsnetzwerk Svbtle. Der Dienst steht vorerst nur prominenten englischsprachigen Bloggern offen, soll aber irgendwann für alle zugänglich werden. Eine effektive Strategie.

Wer gerne Blogs profilierter Kenner der Techbranche aus den Vereinigten Staaten verfolgt, dem wird vielleicht in letzter Zeit ein sehr spezielles Bloglayout aufgefallen sein, das weder von den einschlägigen Blogplattformen wie Wordpress, Blogger oder Tumblr zu stammen scheint, noch nach einer vom jeweiligen Autor eigenentwickelten Lösung aussieht. Ein kleiner Vermerk in der linken Navigationsleiste verrät, wer beziehungsweise was dahinter steckt: Svbtle. Ein obskurer Name, wobei das englischsprachige Wort "subtle" im Deutschen "dezent" bedeutet und vermutlich Pate stand. Hinter der eigenartigen Bezeichnung verbirgt sich ein sehr vielversprechendes Projekt.

In seiner aktuellen Fassung ist Svbtle ein exklusives Blognetzwerk für renommierte Persönlichkeiten aus der US-amerikanischen Technologie- und Designerszene. 43 persönliche Blogs listet die Svbtle-Homepage momentan, von schillernden Investoren wie Dave McClure, David Lee oder MG Siegler über erfahrene Startup-Köpfe wie Alex Rainert von foursquare, Alex MacCaw von Twitter oder SashMacKinnon von Zynga bis hin zu Fachautoren führender Tech-Blogs wie The Verge, The Next Web oder Mashable. Alle bisherigen Mitglieder des Svbtle-Netzwerks publizieren auf der Plattform privat und haben sich bereits vor dem Launch von Svbtle Namen als Blogger in ihren jeweiligen Fachgebieten gemacht.

Jedes Blog unter dem Dach von Svbtle basiert auf einer einheitlichen Layoutvorlage und Struktur, ähnlich wie man es von Posterous kennt. Beiträge erscheinen in klassischer chronologischer Reihenfolge mit dem neuesten Artikel ganz oben. Die fixierte Navigationsleiste auf der linken Seite verweist zu anderen Webpräsenzen der Verfasser sowie zu deren Twitter-Feeds, außerdem lässt sich dort über einen gut sichtbaren Menüpunkt der jeweilige RSS-Feed abonnieren. Konform mit dem jüngsten, eher traurigen Blogosphären-Trend, Kommentare abzuschalten, fehlt eine entsprechende Funktion bei den Svbtle-Blogs. Ein Like-Button, hier "Kudos" genannt, erlaubt Lesern, ihrer Präferenz für einen Text Ausdruck zu verleihen.

Für Besucher präsentiert sich Svbtle also minimal und blankpoliert. Svbtle-Macher Dustin Curtis möchte auf diese Weise die Aufmerksamkeit der Leser vollständig auf den Inhalt lenken. Soziale Features oder Möglichkeiten zur Personalisierung sind ihm weniger wichtig, wie er zur Lancierung im März TechCrunch zu verstehen gab. Im Zentrum steht der Schreibprozess und die diesem vorgelagerte Kuration von Ideen. Mitglieder des Dienstes - also die derzeit 43 zugelassenen Autoren - können im Admin-Bereich auf spezielle Brainstorming-Werkzeuge zugreifen und sollen diese mit wenig Arbeit und Formatierungsaufwand in Artikel verwandeln können.

Curtis entwickelte Svbtle nach eigener Aussage für den eigenen Bedarf, erkannte dann jedoch das Potenzial als Blogplattform. Also lud der in San Francisco ansässige Designer seine bloggenden Freunde und Kontakte aus dem Silicon Valley und darüber hinaus dazu ein, fortan auf einem eigenen Svbtle-Blog Texte zu veröffentlichen. Der hohe Exklusivitäts-Grad und eine extrem leichtgewichtige, andersartige Administrationsoberfläche scheinen die bisher präsenten Schreiberlinge überzeugt zu haben, sich bei Svbtle ein (weiteres) virtuelles Zuhause einzurichten.

Wer meint, ebenfalls im Svbtle-Netzwerk vertreten sein zu müssen, kann sich hier bewerben. Ein Blick auf die bisherigen Autoren lässt aber erahnen, dass derzeit nur auf Englisch publizierende Blogger mit einem herausragend großen Anhang und einem existierenden "Fußabdruck" in der US-Internetwirtschaft eine Chance auf ein eigenes Svbtle-Blog haben. Curtis möchte seinen Service eher wie eine Zeitung oder ein Magazin weiterentwickeln, nicht wie eine herkömmliche Blogplattform, so beschreibt er es auf der Bewerbungsseite. Er wolle unter anderem Lektoratsdienste anbieten, mit deren Hilfe Svbtle-Mitglieder die Qualität ihrer Textkreationen verbessern können, erklärte er zum Debüt im März.

Curtis plant auch eine Öffnung von Svbtle für die Allgemeinheit, jetzt wo er erkannt hat, dass bei leidenschaftlichen Onlinepublizisten Bedarf an einer Plattform besteht, die den eigentlichen Blogprozess auf das nächste Level hebt, statt vorrangig an den "sozialen" Merkmalen zu feilen. Er wäre jedoch dumm, diesen Schritt jetzt schon zu gehen. Gerade die Begrenzung auf Verfasser mit einem gewissen Ruf und einer ausgewiesenen Kompetenz in ihrem jeweiligen Fach wird dafür sorgen, dass ihm Autoren die Füße küßen, nur um Zugang zu erhalten und sich einem elitären Bloggerclub zugehörig fühlen zu können. Aus Lesersicht ist die strenge Selektion der Blogger ein Qualitätsversprechen. Wer gerne Gedanken, Beobachtungen und Analysen von beschlagenen Geldgebern, Startup-Talenten und Entwicklern liest, wird in einer freien Minute Svbtle ansteuern und guten Gewissens in eines der knapp vier Dutzend Blogs eintauchen können.

Eine Prognose über die Zukunft von Svbtle ist schwierig, weil diese davon abhängt, ob Initiator Dustin Curtis den Preis zu zahlen bereit ist, der mit einer Transformation in eine reichweitenstarke, zu monetarisierenden Publikationsplattform verbunden ist. Nicht jeder fühlt sich in der Rolle des Gründers eine schnell zu skalierenden Startups wohl. Mit der vorerst sehr elitären Ausrichtung legt der Kalifornier aber ein ausgezeichnetes Fundament, um Svbtle später wachsen zu lassen. Vielleicht auch zu etwas deutlich Größerem...

Screenshot Nummer 2: theindustry.cc

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