<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

11.07.11

Streaming: Wenn Musik so selbstverständlich wird wie elektrischer Strom

Wer sich einmal mit Streamingdiensten für Musik angefreundet hat, wird ihren größten Vorteil nie mehr missen möchten: orts-, zeit- und geräteunabhängige Verfügbarkeit. Ähnlich wie bei elektrischem Strom.

 

Am Samstag befand ich mich innerhalb von kürzester Zeit in Situationen, in denen ich von drei unterschiedlichen Geräten Musik abspielen wollte: Zuerst vom iPad im Bett, daraufhin mobil bei einem Spaziergang und anschließend über meinen Fernseher, während ich mich auf dem Sofa entspannte. Dabei wollte ich jeweils eine nahezu unbegrenzte Musikauswahl haben und einzelne Titel oder Alben auf einem anderen Gerät problemlos weiterhören können.

In meinem Fall erfüllte mir Spotify diesen Wunsch (auf dem iPad verwende ich Spotifys iPhone-App) - da ich in Schweden wohne und daher Zugriff auf den noch nicht offiziell im deutschen Sprachraum verfügbaren Dienst habe. In Deutschland, Österreich oder der Schweiz hätte ich hingegen simfy oder Napster verwenden können. Und würde ich in den USA wohnen, stünden mir für das beschriebene Anwendungsszenario zum Beispiel MOG , Rdio oder Rhapsody zur Verfügung (Spotify plant gerade seinen US-Launch).

Gemein haben sämtliche Angebote, dass sie (neben bei einigen Diensten verfügbaren, im Umfang begrenzten Gratis-Varianten) gegen eine monatliche Gebühr im Bereich von ungefähr zehn Euro unlimitierten Streaming-Zugriff auf viele Millionen Titel geben, sowohl vom Rechner (mittels Browser- und/oder Desktop-App) als auch über mobile Geräte.

Einzelne Services bieten zudem Hardware-Integrationen mit Set-Top-Boxen oder Home-Sound-Systemen. In meinem Fall brachte jedoch ein an den Fernseher angeschlossener "Media-PC" Spotify auf die Mattscheibe.

Während ich auf dem Sofa lag und in einem plötzlichen und für mich untypischen Anflug von Lust auf klassische Musik eine Spielliste mit Beethoven-Werken zusammenstellte, wurde mir bewusst, wie es für mich persönlich aus diesem Nutzungsverhalten kein Zurück mehr geben würde: Wer einmal die Vorteile von On-Demand-Musik-Streaming erkannt und seinen Frieden mit dem Gedanken geschlossen hat, nicht mehr jeden Song "physisch" bzw. digital auf der Festplatte zu besitzen, der ändert seine grundsätzliche Erwartungshaltung an Musik:

Es wird zu einer Selbstverständlichkeit, dass man auf nahezu jeden jemals veröffentlichten Titel innerhalb von Sekunden zugreifen kann. Die bisher für Musikproduktionen typische Eigenschaft der Knappheit löst sich vollkommen auf. Begrenzte die Dimension der heimischen Tonträgersammlung oder des lokal gespeicherten MP3-Archivs einst die Auswahl dessen, was man sich anhören konnte, wird es im Streaming-Zeitalter zu einem außergewöhnlichen Ärgernis, wenn ein Stück ausnahmsweise NICHT im Katalog von Spotify, simfy & Co erhältlich ist.

Nostalgiker mögen es nicht gerne hören, aber hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit erhält Musik den Status von elektrischem Strom: Egal wann und wo ich bin, gehe ich davon aus, dass sie einfach da ist.

In der idealen Welt des Musiksstreamings können Nutzer auf das komplette Archiv aller jemals aufgenommenen Produktionen zugreifen. Noch sind wir nicht an diesem Punkt angekommen. Als Differenzierungsmerkmal wird sich die Zahl der angebotenen Titel aber eines Tages nicht mehr eignen.

Der Wettbewerb zwischen den einzelnen Musikdiensten wird dann über den Preis, die Benutzeroberfläche, die Cross-Plattform-Tauglichkeit, die Integrationen mit externer Soft- und Hardware sowie über die Einbeziehung von Social-Elementen ausgetragen.

In den 90er Jahren war ich ein begeisterter CD-Sammler. Nachdem ich von meinem Taschengeld für 10 DM eine Maxi-CD erworben hatte, zelebrierte ich den Prozess des Auspackens und erstmaligen Anhörens. Häufig lief der Tonträger über Tage in einer Wiederholungsschleife. Immerhin hatte ich für ihn viel Geld hingeblättert. Der gefühlte Wert der Musik war hoch.

Diese Zeit ist vorbei. Musik gehört heute in all ihrer Vielfalt zur Grundversorgung. Das Ende der Musikindustrie ist dies nicht. Lediglich ein Neuanfang. Mit vielen sich daraus ergebenden neuen Möglichkeiten. Turntable.fm ist nur eine davon.

(Foto: Lars P/Flickr, CC-Lizenz)

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer