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28.02.14

Standortbasiertes Marketing: Deutsche Startups stürzen sich auf iBeacon

Einige Monate, nachdem Apple in den USA grünes Licht für sein Positionierungssystem iBeacon gab, stürzen sich unzählige Startups aus Deutschland auf das Thema. Kein Wunder, dürfte die Technologie doch endlich wahr machen, was sich Handel und Marketing seit Jahren ausmalen.

airBeacon von airfy

Es war absehbar, dass die für frischen Wind im Handel sorgende Einführung von Apples Bluetooth-basiertem Positionierungssystem iBeacon auch in Deutschland Startups dazu anregen würde, sich in diesem Markt anzusiedeln. Und tatsächlich stürzen sich neue und existierende Jungfirmen seit einigen Wochen regelrecht auf das Thema. Und das, obwohl Apple iBeacon hierzulande noch gar nicht an die große Glocke hängt. Im Heimatland USA dagegen kommt das System in allen Apple-Geschäften zum Einsatz. Doch natürlich gilt: Wer mit iBeacons ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufbauen möchte, muss jetzt loslegen, nicht erst in einigen Monaten. Ab sofort gestattet Apple Drittherstellern auch offiziell, zertifizierte Sender mit dem iBeacon-Markennamen anzupreisen. sensorberg bietet Rundumlösung

Das Berliner Startup sensorberg macht alles richtig, mit seiner "Beacon Management Plattform" bereits einsatzbereit zu sein. Das Unternehmen vertreibt ein sogenanntes Beacon StartKit, bestehend aus drei iBeacons, die Geschäftsinhaber in ihren Räumlichkeiten verteilen können und über die sie dann Informationen an die Smartphones (iOS oder neuere Android-Versionen) der gerade vor Ort anwesenden Kunden senden können. sensorberg liefert außerdem die notwendige Administrationssoftware zur Konfiguration der iBeacons und zum Versand der Nachrichten sowie das Software Development Kit (SDK), mit dessen Hilfe Händler ihre Apps für den Empfang der iBeacon-Mitteilungen fit machen können. Ansonsten bringen iBeacons nämlich nichts. Das 2013 gegründete Startup partizipierte am Programm des Microsoft Venture Accelerators und konnte jüngst eine Kapitalspritze durch den VC Berlin Technologie Holding in Höhe von 750.000 Euro bekannt geben.

Shopwnow und Yoints starten 

Eigene Apps iBeacon-fähig zu machen, lohnt sich allerdings nur für größere Einzelhandelsketten. Das Gros der Ladenbesitzer dürfte nicht einmal über eine eigene App verfügen. Das Berliner Startup Shopnow, ein Spross von Axel Springers eigener Ideenschmiede, sowie der Hamburger Wettbewerber Yoints, beide ganz frisch geschlüpft, lösen dieses Problem mit jeweils einer an Konsumenten gerichteten, händlerübergreifenden Anwendung. Die Apps belohnen Verbraucher für das Betreten von und Aktivitäten in Geschäften mit Prämien und nutzen zur Erfassung von Läden installierte iBeacons. Shopnow ist mit Apps für iPhone und Android bereits online, bei Yoints heißt es noch "Coming soon".

Mit Gettings und barcoo kommen die Etablierten

Auch Anbieter existierender Coupon- und Shopping-Apps erkennen, dass sich ihnen mit iBeacon (beziehungsweise der zugrunde liegenden Technologie Bluetooth 4.0) neue Möglichkeiten zur Erhöhung von Genauigkeit und Effektivität bieten. Der zu E-Plus gehörende Düsseldorfer Coupon- und Deal-Dienst Gettings kündigte gerade an, zusammen mit dem Payment-Spezialisten net mobile 150 Geschäfte in der Düsseldorfer Innenstadt mit Beacon-Technologie auszustatten. Händler können anschießlend standortgenau Werbebotschaften an Kunden schicken, welche die Gettings-App nutzen.

barcoo, der aus Berlin stammende Produkt-Guide, will sich die iBeacon-Sause ebenfalls nicht entgehen lassen. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wird das Unternehmen heute "barcoo Beacons" vorstellen. Auch die Hauptstädter buhlen um die Gunst von Händlern, die Kunden während der Präsenz am Point of Sale gezielt informieren möchten. Mit über zehn Millionen App-Downloads kann barcoo eine kritische Masse vorweisen, die den Neulingen im Segment fehlt.

airfy bringt iBeacon in Wohnungen

An Händler sowie an alle modernen Individuen richtet sich der vom Berliner Startup airfy angebotene airBeacon. Dabei handelt es sich um eine Art frei konfigurierbaren Bluetooth-Server, der Personen in der näheren Umgebung auf eine App, entweder von airfy oder eines anderen Dienstes, Push-Nachrichten schicken kann. Als Einsatzszenario wird unter anderem die eigene Wohnung angegeben, etwa das automatische Ein- oder Ausschalten des Lichts beim Betreten oder Verlassen von Räumen. Auf dem Mobile World Congress präsentiert das Unternehmen sein Produkt mit einem besonderen Fokus auf Händler und Dienstleister.

Angesichts dieser großen Zahl deutscher Startups, die iBeacon-Ambitionen hegen, und einer zu vermutenden Dunkelziffer, kann man guten Gewissens von einem Ansturm auf Apples proprietären Standard sprechen. Kein Wunder, experimentiert die Location- und Marketing-Branche doch seit Jahren mit Lösungen, um Konsumenten standortbasiert zu erreichen. Mit Bluetooth 4.0 und der Vermarktung durch Apple existiert nun ein Verfahren, das für diesen Zweck genauer  und anderen Methoden wie WLAN, GPS oder Triangulation überlegen ist.

Und auch aus Sicht von Verbrauchern sind Beacons ein begrüßenswertes Verfahren: Denn ohne eingeschalteten Bluetooth-Sensor und einer per iBeacon erreichbaren App verschonen Smartphones ihre Besitzer mit den verkaufsfördernden Push-Mitteilungen. Händler und Startups haben somit einen klaren Anreiz, Mitteilungen mit möglichst viel Mehrwert für Kunden zu verschicken. Denn sonst verschwinden die Einkaufenden vom Radar. /mw

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