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15.07.10

Spotify-Gründer Daniel EK: "Die MP3-Datei ist zur URL geworden"

Die MP3-Datei hat ausgedient, Webadressen übernehmen die Aufgaben des populären Musikformats. Das glaubt Spotify-Gründer Daniel Ek.

 

Gerade erst hat das MP3-Format seinen 15. Geburtstag gefeiert . Ob in zehn oder 15 Jahren aber noch jemand über den Jahrestag von MP3 berichten wird, steht in den Sternen. Daran zweifeln muss man, glaubt man den Worten von Daniel Ek, dem Gründer des angesagten Musikdienstes Spotify.

Der 27-Jährige, dessen Service trotz seiner Verfügbarkeit in nur sieben Ländern bereits die Herzen vieler Musikfans erobert hat und noch dieses Jahr eine US-Version starten möchte, gab dieser Tage im Gespräch mit der britischen Tageszeitung "The Daily Telegraph" folgendes prägnantes Zitat von sich:

"Musik muss wie Wasser sein. Sie muss überall sein. Wir müssen einsehen, dass es nicht mehr länger um MP3-Dateien geht. Die MP3-Datei ist zur URL geworden, mit deren Hilfe ich dir etwas schicken kann, was du dann anhören kannst."

Daniel EkDie Verlagerung digitaler Musik von der eigenen Festplatte in die Cloud beobachten wir schon seit einiger Zeit. Das nahende Ende von MP3 und vergleichbaren Musikformaten wurde in diesem Zusammenhang bisher jedoch noch nicht ausgerufen (zumindest nicht öffentlichkeitswirksam).

Populäre Download-Shops wie iTunes oder Amazon MP3 setzen erfolgreich darauf, digitale Songs und Alben gegen Entgelt zum Download auf die lokale Festplatte anzubieten. Allerdings halten sich Spekulationen darüber, Apple könnte in Kürze eine Cloud-Variante von iTunes lancieren.

Spotify basiert ausschließlich auf Musikstreaming, eine lokales Musikarchiv ist für Nutzer von Spotify und anderer Streaming-Services also nicht mehr erforderlich. Jeder Spotify-Titel hat ähnlich wie ein YouTube-Video eine eigene URL, die sich an Freunde und Bekannte verschicken lässt. Daniel Ek glaubt, dass das Versenden von Musik zukünftig nicht mehr in Form von MP3-Transfers über Instant Messenger, E-Mail oder Onlinespeicherdienste geschieht, sondern ganz einfach per Spotify-URL.

Im selben Telegraph-Artikel ist auch zu lesen, dass Spotify mittlerweile eine halbe Million zahlende Abonnenten hat, die jeweils ungefähr zehn Euro monatlich berappen und damit den Dienst, der für alle anderen User in einer werbefinanzierten Version gratis ist, am Leben erhalten. Durch eine Reihe von Zusatzfunktionen wie mobile Apps versucht das Startup mit Sitz in Stockholm und London seit einiger Zeit, den Anteil der Premiumnutzer zu erhöhen. Dies wird aufgrund der hohen Lizenzabgaben allgemein als Voraussetzung für ein Funktionieren des Freemium-Modells bei einem Musikdienst angesehen.

Im April veröffentlichte Spotify einen überarbeiteten Desktop-Client, der den Service eng mit Facebook verknüpft und ein kollektiveres Musikerlebnis ermöglicht.

Bevor die URL das MP3-Format tatsächlich ersetzen können wird, muss Spotify aber erst einmal in weiteren Ländern starten. Zum Beispiel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vorher wird das sicher nichts.

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