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30.08.09

Songbeat 360: Musikdienst stößt in Spotify-Revier vor

Als der Berliner Musikdienst Songbeat im Februar diesen Jahres von Warner Music in die Knie gezwungen wurde, gab man sich kämpferisch. Nun ist der Dienst als Songbeat 360 zurück - und erinnert stark an Spotify.

Songbeat 360Spotify ist das mit Abstand angesagteste Musikstartup des Jahres . Selbst Mark Zuckerberg findet es gut. Aufgrund der komplizierten rechtlichen Situation kann der legale schwedische Dienst aber bisher nur in wenigen Ländern offiziell genutzt werden. Der deutschsprachige Raum und die USA beispielsweise gehören im Moment noch nicht dazu. Für User in diesen Ländern gibt es mit Songbeat 360 seit heute einen Dienst, der mit Schwung in Spotifys Revier vorzustoßen versucht.

Songbeat 360 ist der Nachfolger der desktopbasierten Musiksuchmaschine Songbeat, die im Februar aufgrund einer einstweiligen Verfügung von Warner Music eine unfreiwillige Pause einlegen musste . Der Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht Hamburg läuft noch.

Um dennoch mit einem Nachfolger von Songbeat an den Start gehen zu können, entschieden sich die zwei Gründer Philip Eggersglüß und Marco Rydmann, die Distribution der Software in ein neues Unternehmen außerhalb ihres Einflussbereiches auszulagern. Während sich Eggersglüß und Rydmann fortan mit ihrer Songbeat GmbH auf die Softwareentwicklung konzentrieren, übernimmt die Songbeat Distribution Ltd. unter dem neuen Geschäftsführer Claudio Fritz-Vietta den Vertrieb des neuen Songbeat 360 Players.

Songbeat 360 kann ab sofort als kostenlose Beta-Version auf Adobe AIR-Basis heruntergeladen werden. Am Prinzip des Dienstes verändert sich zur früheren Version nicht viel: Songbeat 360 durchsucht das Web nach Musikdateien, die es mit Hilfe der integrierten Suchmaschine verfügbar macht. Songs können gestreamt, in Playlisten abgelegt oder direkt heruntergeladen werden. Anders als bisher setzt der Service nun nicht mehr auf externe Suchdienste wie SeeqPod (das ohnehin nicht mehr existiert), sonder auf einen eigenen Crawler.

Deutlich überarbeitet wurde die Oberfläche des Tools. Auffällig ist, wie das Songbeat-Team seine neue Applikation in nicht gerade geringem Maße an Spotify angelehnt und dabei zum Teil ganze Bedienelemente übernommen hat.

Die Oberfläche von Songbeat 360

Und zum Vergleich: Spotify

Bei Songbeat weist man jedoch darauf hin, dass der neue Player zu sehr viel mehr fähig ist als der populäre Musikdienst aus Schweden. So kann das MP3-Archiv von der eigenen Festplatte importiert werden.

Weiterhin bietet Songbeat 360 eine Empfehlungsfunktion (genannt "Discover"), integrierte Informationen zu Interpreten sowie ein Feature, dass aktuelle Konzerte in der eigenen Stadt anzeigt. Das Datenmaterial bezieht die Software von Last.fm, Freebase und Wikipedia.

Natürlich hat das Songbeat-Verfahren auch seine Nachteile: Da Musik von unterschiedlichsten Quellen aus dem Web gezogen wird, kann die Tonqualität variieren. Auch ist die Art, wie Titel namentlich dargestellt werden, nicht einheitlich. Und - wie bisher das größte Problem von Songbeat - steht über all dem natürlich die rechtliche Frage. Wenn die Plattenlabels mit der früheren Variante des Dienstes auf Kriegsfuß standen, dann wird das bei Songbeat 360 nicht viel anders sein. Auch wenn der Dienst lediglich das Internet nach Musikdateien crawlt.

Die meisten Nutzer wird dies aber ohnehin nicht stören. Immerhin kann ihnen nicht viel passieren, wenn sie Songbeat verwenden - selbst wenn es sich um urheberrechtlich geschütztes Material handelt.

Auf der Suche nach einem Weg zur Monetarisierung des Angebots hat Songbeat trotz der unklaren rechtlichen Situation ein recht überzeugendes Modell gefunden: Jede Suche kostet einen Credit. User beginnen mit 50 Stück. Sind diese aufgebraucht, können weitere gekauft werden. 1000 Credits (= 1000 Suchen) kosten 10 Euro. Bezahlt wird mit Kreditkarte oder Paypal.

Den 100 ersten netzwertig.com-Lesern, die Songbeat 360 herunterladen und in der Applikation den Credit Key "netzwertig" eingeben, spendiert der Dienst 500 zusätzliche Credits.

Berichterstattung zu Songbeat

Berichterstattung zu Spotify

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