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23.11.10

Social Shopping: barcoo verabschiedet sich von Produkt-Check-Ins

Der Berliner Dienst barcoo beendet sein Experiment mit Produkt-Check-Ins über Barcode-Scans und integriert einige der sozialen Funktionen in seine Kernanwendung.

 

Ende September beschrieb ich den aktuellen Trend hin zu Applikationen, die im Stile von Location Based Services über das Scannen von Barcodes den "Check-In" in Produkte erlauben, und ich erläuterte, wieso genau die Notwendigkeit des Barcode-Scans zum Zwecke des Eincheckens eine große Hürde für entsprechende Dienste darstellt.

Einer der Kommentare zu meinem Beitrag kam von Benjamin Thym, Mitbegründer von barcoo, Anbieter eines Barcodescanners zum Zwecke von Produktinformationen und Preisvergleichen. Thym konnte mit einer interessanten Perspektive zur Diskussion beitragen, da das Berliner Unternehmen seinen Service wenige Monate zuvor selbst mit einer Funktion zum Produkt-Check-In erweitert hat:

Anfang Juni spendierte barcoo seiner iPhone-App die Social-Shopping-Komponente Scan Hero . Nutzer, welche das neue Feature aktivierten, konnten nach dem Scan eines beliebigen Barcodes in das dazugehörige Produkt einchecken ("Scan tickern" genannt) und so barcoo-Kontakte darüber informieren, was sie gerade erworben hatten.

In seinem Kommentar auf meinen jüngsten Barcode-Artikel kündigte barcoo-Macher Thym an, Scan Hero in das Kernangebot von barcoo integrieren und den Produkt-Check-In abschaffen zu wollen. Das Einchecken an Orten profitiere von einem deutlich größeren emotionalen Bezug der Konsumenten, als dies bei Produkt-Check-Ins der Fall sei, so Thym. Einen weiteren Nachteil sieht er im "Produkt-Long-Tail", der dazu führe, dass ein Einchecken nur auf Produktkategorie-Ebene sinnvoll sei, was einen solchen Service allerdings noch abstrakter mache.

Der heutige Tag markiert nun offiziell das Ende von Scan Hero. Thym ließ uns in einer Mail wissen, dass Teile des Features wie z.B. Kommentare ab sofort in die Basis-App integriert werden. Die Möglichkeit zum Check-In in Produkte entfällt ganz.

Stattdessen bietet der Dienst zukünftig die Funktion "ScanTicker". Dort sehen User nach Produktkategorien sortiert, welche Produkte von Anwendern am häufigsten gescannt und kommentiert wurden. In einer zweiten Stufe soll in Kürze zudem eine Option integriert werden, welche aktuelle Scans in der Nähe anzeigt.

barcoo weiß aus eigener Erfahrung, warum Verbraucher im stationären Handel ihr Mobiltelefon zücken und Barcodes scannen: um weiterführende Informationen zu Produkten zu erhalten sowie zu überprüfen, ob diese andernorts billiger zu bekommen sind. Das ist der Grund, warum Anwender sich die mobilen Apps des Berliner Startups überhaupt herunterladen.

Das Experiment mit Scan Hero hat dem Unternehmen verdeutlicht, dass sich hieran auch mit dem Launch einer Social-Komponente, die als Motiv für das Scannen nicht Produktinfos sondern das Publizieren von Produktpräferenzen an Freunde in den Vordergrund stellt, nicht so einfach rütteln lässt.

Der Schritt, die soziale Komponente damit partiell in die Kernfunktionalität einfließen zu lassen und als eigenständigen Service einzumotten, ist daher konsequent. Die Erkenntnis von barcoo zeigt: Das aus der Not geborene Check-In-Prinzip bei Location-Diensten (wegen fehlendem Multitasking sowie Privatsphäre-Bedenken im Falle von permanentem Location-Monitoring) lässt sich nicht einfach auf beliebige andere Anwendungsbereiche übertragen. Was übrigens auch auf das Einchecken bei Websites zutreffen könnte. Aber das ist ein anderes Thema.

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