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16.06.10

Social Networks für Schüler: "Neue Entwicklungen werden mit Begeisterung aufgenommen"

Wer ein Social Network für Schüler betreibt, profitiert von einer neugierigen Zielgruppe, muss aber gleichzeitig viel Verantwortung schultern. Tino Keller von spickmich und Sebastian Schmitt von Schueler.CC im Interview.

Auf der Next Konferenz vor einigen Wochen hatte ich ein interessantes Gespräch mit den Geschäftsführern und Mitbegründern der zwei neben schülerVZ tonangebenden deutschen sozialen Netzwerke für Schüler mit zusammen 3,5 Millionen registrierten Mitgliedern: Tino Keller von spickmich und Sebastian Schmitt von Schueler.CC - der perfekte Anlass für ein Doppelinterview mit den beiden Gründern rund um die Eigenheiten, Vorteile und Herausforderungen, die der Betrieb eines Webdienstes für Schüler mit sich bringt.

Beschreibt bitte kurz die Entwicklung des Netzwerks sowie einige Meilensteine vom Start bis heute.

Tino Keller: spickmich ging im Februar 2007 online. Im April 2007 stiegen die M10 GmbH und Econa AG als Investoren ein. Im Juli 2007 entschied das LG Köln, dass Lehrerbenotungen, wie spickmich sie ermöglicht, rechtens sind. Im Juni 2009 bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil. Im Dezember 2009 veröffentlichten wir eine spickmich-Applikation auf schülerVZ, die mittlerweile 650.000 Mal installiert wurde. Im April dieses Jahres investierten Bernd Kundrun und Musio Munziger Sasserath in spickmich. spickmich hat rund 1,5 Millionen registrierte Nutzer und laut IVW 2.223.612 Visits (Mai 2010).

Sebastian Schmitt: Schueler.CC wurde Anfang 2007 gegründet. Im Frühjahr 2008 stieg Computec Media bei uns ein und übernahm 51 Prozent der Anteile. Im Oktober 2008 gingen unsere mobilen Sites iphone.schueler.cc sowie mobile.schueler.cc online. Im Juli 2009 starteten wir das Nebenprojekt Newspoint.CC , ein junges, interaktives Nachrichtenportal. Schueler.CC hat zwei Millionen registrierte Nutzer und verzeichnete laut IVW 2010 23.647.121 Visits (Mai 2010). Die Toplevel-Domain .CC steht bei uns übrigens für "Community Center", was auch gleichzeitig der Name des Unternehmens ist.

Wie unterscheidet sich der Betrieb von Schüler-Netzwerken im Vergleich zu "herkömmlichen" Social Networks für eine breitere/ältere Zielgruppe?

Sebastian Schmitt (Schueler.CC): Im Vergleich zu Berufstätigen, Studenten oder ähnlichen Zielgruppen sind Schüler deutlich regionaler vernetzt. Insbesondere die eigene Klasse und Schule sind für sie von Interesse. Wir versuchen diesem Umstand gerecht zu werden, indem wir u.a. eigene Bereiche für diese Umfelder etabliert haben, wie Klassen- und Schulforen.

Tino Keller (spickmich): Im Gegensatz zu Schueler.CC und schülerVZ bilden die User bei spickmich nicht unbedingt ihre realen Freundschaften und Klassenräume ab. Viele finden sich über unsere Features gerade aufgrund ähnlicher Interessen und kennen sich offline noch gar nicht. Aus meiner Sicht ist die Begeisterung, mit der neue Entwicklungen aufgenommen werden, ein großer Unterschied zu anderen Zielgruppen. Wir bekommen ständig neue Wünsche der User und versuchen, das Beste auch zu verwirklichen.

Wie sieht eure regionale Nutzerverteilung aus?

Sebastian Schmitt (Schueler.CC): Schueler.CC hat den Nutzerschwerpunkt im Osten und Südosten Deutschlands. Die regionale Verbreitung ist ein interessantes Phänomen, da sie über Jahre hinweg weitestgehend stabil zu sein scheint.

Tino Keller (spickmich): Schueler.CC und schülerVZ haben in ihren Regionen enorme Reichweite. Bei uns sind die Mitglieder gleichmäßiger über das Bundesgebiet verteilt. Eine regionale Aufteilung ist aber auch bei internationalen Netzwerken zu beobachten. So ist Orkut in den USA nie besonders stark gewesen, dominiert aber zum Beispiel in Brasilien, Indien und Pakistan. Das einzige Social Network, das wirklich eine weltweite Verbreitung zu erreichen scheint, ist Facebook.

Während breiter aufgestellte Social Networks teilweise noch nicht auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament stehen, macht ihr Gewinn...

Tino Keller (spickmich): Wir haben immer auf eine schlanke Struktur geachtet. Unser großer Vorteil ist, dass wir neben der klassischen Bannerwerbung auch große Marken überzeugen konnten, auf spickmich.de innovativ zu werben. Die messbaren Erfolge der integrativen Werbung hat uns dann langfristige Kooperationen gebracht. Wir können uns also mit unseren Leistungen in Werbung und Marktforschung etwas vom Markt absetzen.

Sebastian Schmitt (Schueler.CC): Wir haben eine extrem effizient arbeitende Entwicklungsabteilung. Zu Gute kommt uns, dass wir vor Schueler.CC schon Erfahrungen im Communityaufbau gesammelt haben (wenn auch auf kleinerem Niveau) und aufgrund der kompletten Eigenfinanzierung von Anfang an auf eine schlanke Kostenstruktur geachtet wurde.

schülerVZ stand mehrmals wegen angeblicher Sicherheitsmängel in der Kritik. Was können Schüler-Netzwerke tun, um Datenlecks und das Auslesen von Nutzerdaten zu verhindern?

Tino Keller (spickmich): Natürlich tun wir alles in unserer Macht stehende, um die Nutzer zu schützen. Ich denke aber, dass dies auch auf schülerVZ zutrifft. Tatsache ist, dass Profildaten in einer Community nun einmal für andere Nutzer abrufbar sein müssen - sonst gibt es keinen Austausch und auch keine Community. Leider wird in der Berichterstattung nicht immer genau hingeschaut, wie der jeweilige Fall gelagert ist. Das haben wir bei spickmich bei der rechtlichen Auseinandersetzung um die Lehrerbenotung zur Genüge selbst erfahren.

Schüler sind eine relativ "begrenzte" Zielgruppe in dem Sinne, dass sie auf einige wenige Lebensjahre begrenzt ist. Zudem besteht keine Wachstumsmöglichkeit mehr, wenn eine Schule komplett bei einem Netzwerk registriert ist. Wo seht ihr das Entwicklungspotenzial für die Zukunft?

Sebastian Schmitt (Schueler.CC): Auch bei einer komplett registrierten Schule kommen jedes Jahr Neuankömmlinge hinzu. Darüber hinaus bleiben die Abschlussjahrgänge über unsere Plattform in Kontakt, was zusätzlich dazu führt, dass sich der Altersschnitt stetig erhöht.

Tino Keller (spickmich): Eine fokussierte, scharf abgegrenzte Zielgruppe zu haben, hat eine Reihe von Vorteilen, auch gerade in Hinsicht auf die Werbevermarktung. Aber natürlich denken wir über Wege nach, wie wir die einmal gewonnen User später halten können. Eine andere Plattform ist sicher eine denkbare Möglichkeit...

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