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28.04.10

Social Networks: Facebooks zweischneidiges Schwert

Die Kritik an Facebook ebbt nicht ab. Doch gleichzeitig integrieren immer mehr Sites die neuen Funktionen. Die Internetgemeinde ist zwiegespaltener denn je.

Gut eine Woche ist es nun her, dass Facebook eine Reihe neuer Funktionen vorgestellt hat, die das Netz sozialer machen und beliebige Websites möglichst eng mit dem führenden Social Network verknüpfen sollen. Schon lange nicht mehr hat die Internetgemeinde derartig zwiegespalten auf eine Produktveröffentlichung reagiert.

Facebook ist das Kunststück gelungen, mit seinem "Open Graph"-Vorstoß User gleichzeitig zu beeindrucken und zu beunruhigen. Woran ich das erkenne? Tag für Tag machen unzählige Artikel hauptsächlich aus Blogs mit Tech-Fokus die Runde, die sich kritisch mit der Art auseinandersetzen, wie Facebook sich das Netz zu eigen machen will und wie es dabei Datenschutz und Offenheitsgedanken mit Füßen tritt.

Gleichzeitig jedoch lassen sich auf Twitter täglich Unmengen von Tweets von Usern beobachten, die Facebooks neue Funktionen ausprobieren, in ihre Webpräsenzen und Blogs einbauen oder Tipps herumschicken, wie man dieses oder jenes Facebook-Feature richtig einsetzt, um Ziel XY zu erreichen. Mitunter sind es die selben Personen, die sich am Vormittag kritisch über das omnipräsente soziale Netzwerk äußern und am Nachmittag den Like-Button einbauen. Und niemand kann ihnen das verdenken!

Auch ich beobachte an mir eine solch ambivalente Haltung: Einerseits finde ich die neuen Möglichkeiten, wie mit Hilfe von Facebook die Popularität von Inhalten gemessen werden kann oder die Art, wie mir likebutton.me aufzeigt, welche Inhalte meine Facebook-Kontakte im Netz konsumieren, toll. Andererseits behagt es mir nicht, dass all dies über die Leitungen eines einzigen, profitorientierten Unternehmens läuft. Und dass ein Ausfall dessen als zentrale Schaltstelle womöglich große Teile des Webs lahmlegen könnte.

Ich glaube, dass sich Facebook mit seinem sicherlich innovativen, aber zu progressiven Vorstoß keinen Gefallen getan hat. Erstmalig sieht sich das Unternehmen mit der Gefahr von Kritik auch aus dem Internet-Mainstream konfrontiert. Wie Erfahrungen von früheren Web-Skandalen und -Skandälchen zeigen, dauert es immer einige Zeit, bis sich eine Protestwelle hochschaukelt. Spätestens aber wenn Politiker ins Spiel kommen, weiß man, dass es für das betroffene Unternehmen ernst werden könnte.

Facebook hat mit seiner Open Graph-Initiative das realisiert, was sich Millionen von Internetbenutzern immer gewünscht haben: Das Netz zu einem sozialen, integrierten Ort zu machen, der Websites über mehr als nur Links miteinander verknüpft. Doch gleichzeitig öffnet Facebook Nutzern die Augen: Sie wollen zwar ein solches Internet, aber ohne Facebook. Oder besser gesagt, gerne mit Facebook, aber ohne dass die Kontrolle über sämtliche Daten und Interaktionen bei einem nur auf das eigene Wohl bedachten Unternehmen liegt.

Jetzt schlägt die Stunde all derjeniger, die sich über Jahre hinweg für einen offenen Ansatz zur Identitätsverwaltung im Netz ausgesprochen haben. Ein Ansatz, der sich bisher aufgrund zu hoher Komplexität, zu starker technischer Fokussierung und auch aufgrund fehlender kommerzieller Anreize nicht durchsetzen konnte.

Wahrscheinlich musste es deshalb zu einer Situation wie der aktuellen kommen. Erst jetzt wird bewussten Anwendern klar, dass ein kommerzielles Social Network zwar die Entwicklung zielstrebig vorantreiben kann, aber dass dafür ab einer bestimmten Größe ein enormer Kompromiss von Nutzern gefordert wird. Daten und Privatsphäre im Tausch gegen neue Wege der Kommunikation und des Austauschs. Es scheint, als wird immer mehr Anwender klar, dass dieser Kompromiss am Ende unangenehmer ist als ursprünglich angenommen. Nun liegt es an OpenID, OpenLike , der Mozilla Foundation und anderen dezentralen sowie offeneren Ansätzen, die veränderte Stimmungslage zu nutzen!

(Foto: Wikimedia Commons)

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