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20.08.08

Social Business Networks: LinkedIn, der Deutschlandstart und das Déjà-vu

LinkedInLinkedIn will offensichtlich Ende 2008 mit einer deutschsprachigen Version online gehen. Doch die Chancen, dass das weltweit führende Social Network für Geschäftskontakte seinem deutschen Konkurrenten Xing die hiesige Marktführerschaft streitig machen könnte, stehen eher schlecht.

LinkedIn, das weltweit größte Social Network für Geschäftskontakte mit Sitz in den USA, will Ende 2008 eine deutschsprachige Version an den Start bringen. Dies stellt Unternehmensgründer Reid Hoffmann in einem Interview mit der Zeitschrift "Tomorrow" (Ausgabe vom Donnerstag) in Aussicht. Wie beim deutschen Konkurrenten Xing präsentieren sich LinkedIn-Mitglieder mit eigenen Profilseiten und pflegen bestehende sowie neue Business-Kontakte.

Das US-amerikanische Netzwerk hat derzeit 23 Millionen Mitglieder weltweit, sechs Millionen davon in Europa. Im deutschsprachigen Raum sieht es für LinkedIn dagegen bisher mau aus. Hier ist Xing unangefochtener Marktführer. LinkedIn, dem nach einer frischen Kapitalspritze beeindruckende 53 Millionen Dollar für die weitere Expansion zur Verfügung stehen, will dies ändern.

LinkedIn Mitgliederbereich

LinkedIn Mitgliederbereich

Wer den Social-Networking-Markt aufmerksam beobachtet, wird bei dieser Meldung vielleicht ein Déjà-vu verspüren. Eine ähnliche Rollenverteilung, wie es sie in Deutschland aktuell zwischen Xing und LinkedIn gibt, existierte auch, als Facebook im vergangenen Jahr den Launch einer deutschsprachigen Seite verkündete. Während das mit einem ordentlichen Finanzpolster versehene US-Netzwerk hierzulande keine Bedeutung hatte, dominierte sein deutscher Klon studiVZ die hiesige Welt der Social Networks. Und heute, ein halbes Jahr nachdem facebook.de ins Netz ging, hat sich daran bisher nicht viel geändert.

Google Trends

Weltweit mit Abstand führend: LinkedIn (Google Trends)

Sowohl LinkedIn als auch Xing profitieren in ihren jeweiligen Vorzeigemärkten von starken Netzwerkeffekten. So wie in den USA LinkedIn DAS unangefochtene Business-Portal unter Netzwerkern ist, übernimmt diese Rolle in Deutschland, Österreich und Teilen der Schweiz Xing.

LinkedIn-Boss Hoffmann will die deutschsprachigen Nutzer laut eigener Aussage vor allem mit vielseitigeren Funktionen ködern. Auch dabei muss man sich unweigerlich an das Duell studiVZ vs Facebook erinnert fühlen. Dass Facebook stetig mit einfallsreichen Features glänzt und unaufhörlich an der Verbesserung der Plattform arbeitet, ist dem Großteil der an äußerste Funktionsarmut gewöhnten studiVZ-User dem Anschein nach egal. Die letzten zwei Jahre haben deutlich gezeigt, dass im Social Web für die meisten Nutzer Innovationen zweitrangig sind. Was zählt, ist die Zahl bereits angemeldeter Freunde/Bekannter/Kollegen. Fairerweise sei gesagt, dass Xing anders als studiVZ zu den innovativsten Webangeboten in Deutschland gehört, was LinkedIns angeblichen Vorteil einer Überlegenheit im Feature-Bereich noch fraglicher erscheinen lässt.

LinkedIn, das bisher nur auf Englisch und Spanisch verfügbar ist, wird es mit dem späten Start und angesichts der Xing-Dominanz in Deutschland nicht leicht haben. Wirkliche Chancen hätten Reid Hoffmann und sein Team nur, wenn sie die für die geschäftliche Kommunikation essentiellen Funktionen für weniger Geld anbieten würden, als es der deutsche Wettbewerber momentan tut. Derzeit jedoch erscheinen die angebotenen Premium-Pakete von LinkedIn im Vergleich zu den sechs Euro, die zahlende Xing-User monatlich abdrücken müssen, stark überteuert. Das günstigste Paket "Business" kostet 19,95 Dollar pro Monat und erlaubt den Versand von fast lächerlichen drei Nachrichten pro Monat an andere Mitglieder.

Premium-Pakete

Die teuren Premium-Pakete von LinkedIn

Wie man es auch dreht und wendet - derzeit muss sich Xing in der DACH-Region, in der trotz deutschem Auftritt auch der französische Konkurrent viadeo bisher erfolglos war, keine Sorgen um seine Marktführerschaft machen - auch wenn immer mal wieder einige murren. Einzig ein Preiskrieg oder aggressivstes Marketing von Seiten LinkedIns könnten Xing bedrängen. Aber darauf können sich die Hamburger ja nun fast ein halbes Jahr lang vorbereiten.

Im Interview mit zweinull.cc (heute Teil von netzwertig.com) zeigte sich Xing-CEO Lars Hinrichs im Februar diesen Jahres gelassen in Bezug auf LinkedIns schon länger bekannte Europa-Ambitionen. Ob Xing sich bedroht fühle? "Ganz im Gegenteil. Genauso wenig, wie sie letztes Jahr wiederholt die große Deutschlandoffensive angekündigt haben und absolut nichts passiert ist. London ist nicht Europa und wir sind keine Datenbank von Lebensläufen."

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