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09.08.12

Social Bookmarking: Spreadly-Betreiberin ekaabo kauft Mister Wong

Erst vor wenigen Wochen gab ekaabo die Übernahme von YiGG bekannt. Jetzt kaufen die Weinheimer mit Mister Wong ein weiteres Urgestein der deutschen Web-2.0-Ära.

Ganze neun Monate ist es jetzt her, dass die Macher von Deutschlands Social-Bookmarking-Pionier Mister Wong bekannt gaben, das Portal, bei dem Nutzer Links online speichern und anderen Anwendern zugänglich machen, verkaufen zu wollen. Wie viele Dienste aus der Anfangszeit des Web 2.0 litt auch Mister Wong unter der zunehmenden Dominanz von mächtigen Social-Web-Angeboten aus den USA, was ein Abbremsen der Wachstumszahlen und weniger rosige Zukunftsaussichten nach sich zog. Ganz generell gelang es dem klassischen Social Bookmarking bis heute nicht, seinen Weg aus der Nische zu finden. Der gemeine Durchschnittsnutzer begnügt sich ganz einfach damit, die wichtigsten Links direkt im Browser abzulegen oder auf sonstigen Behelfswegen zu speichern.

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es für construktiv, die Webagentur hinter Mister Wong, so lange gedauert hat, um einen geeigneten Käufer für das rund 500.000 Mitglieder zählende Portal zu finden. Zumal Gründer Kai Tietjen, den ich schon länger kenne, sich nicht dabei wohlgefühlt hätte, den Dienst in die Hände eines Unternehmens zu legen, das es ausschließlich auf die Nutzerdatenbank abgesehen hat. Aber ein Beitrag im Mister Wong-Blog kündigte es zu Wochenbeginn bereits an : construktiv ist sich schlussendlich mit einem Käufer einig geworden. Heute wird dessen Identität offiziell enthüllt: Die ekaabo GmbH aus Weinheim wird in Zukunft die Geschicke von Mister Wong leiten.

Bei ekaboo handelt es sich um eine Social-Media-Agentur, die einerseits mit der Konzeption von Online-Communitys und andererseits mit "Social-Sharing-Dienstleistungen" ihr Geld verdient. Das Unternehmen betreibt unter anderem Spreadly , einen Empfehlungsmarketingservice mit angeschlossenem Vermarktungsnetzwerk, bei dem ich traditionell Schwierigkeiten habe, den Kernfokus verständlich in wenigen Worten zu beschreiben. Doch andere scheinen die diversen Dienstleistungen von Spreadly, die sich alle um den Spreadly-Share-Button für Websites ranken, besser zu verstehen als ich. Immerhin hat der Service schon einige Jährchen auf dem Buckel und schlägt sich dem Eindruck und den angegebenen Referenzen nach wacker.

Auch wirtschaftlich läuft es offensichtlich nicht schlecht: Erst vor wenigen Wochen machte Spreadly-Mutter ekaabo mit der Akquisition von YiGG auf sich aufmerksam , einem anderen Webangebot aus der Ära des Web 2.0. Bei YiGG handelt es sich um ein Social-News-Portal, das ähnlich wie sein gerade einen neuen Anlauf wagendes US-Vorbild Digg schon länger vor sich hindümpelt. Unter dem Dach von ekaabo sollen YiGG und Spreadly nun "nutzerfreundlich zusammenwachsen", was unter anderem bedeutet, dass die von Websitebetreibern integrierbaren YiGG- und Spreadly-Buttons künftig eins werden.

Mit der Übernahme von Mister Wong, deren Preis weder Mister Wong-Chef Tietjen noch ekaabo-Macher Marco Ripanti verraten wollten, bekommt Spreadly die nächste Gelegenheit, einen altehrwürdigen deutschen Onlinedienst der Prä-Facebook-Zeit (als Mister Wong 2006 ins Netz ging, hatte noch niemand in Deutschland von Facebook gehört) mit dem eigenen Angebot zu verschmelzen.

"In der Vergangenheit erreichte der Bookmark-Dienst Mister Wong an manchen Tagen bis zu 250.000 Besucher täglich. Mein Team und ich möchten an diese Zeiten anknüpfen und durch die Hilfe unserer aktiven User das Portal grundlegend modernisieren", zitiert die Pressemitteilung Phuc Tran, der künftig für ekaabo Mister Wong von dessen Berliner Sitz aus leiten wird. Er kündigt an, das Portal künftig stärker in Richtung "Social News" bewegen zu wollen und verspricht, dass alle bisherigen Bookmarks der User bestehen bleiben. Auch eekabo-Chef Ripanti unterstreicht, dass sich Mister-Wong-Mitglieder keine Sorgen machen müssen, dass ihnen Features weggenommen werden. Im Gegenteil: Durch die vorgesehene Integration mit Spreadly erweitern sich die Möglichkeiten.

ekaabo macht mit zwei Übernahmen von deutschen Web-2.0-Urgesteinen innerhalb weniger Wochen in jedem Fall auf sich aufmerksam und sieht in der Verknüpfung der beiden nicht mehr ganz quicklebendig wirkenden Dienste offenbar hinreichend Synergiepotenzial, um dafür ein paar Scheine auf den Tisch zu legen. Dass YiGG und Mister Wong tatsächlich noch einmal einen zweiten Frühling erleben werden, klingt angesichts der allgemeinen Abwärtstendenzen der meisten Anbieter außerhalb des Dunstkreises der führenden US-Netzwerke unwahrscheinlich. Aber vielleicht reicht es den Weinheimern schon, wenn sie die Reichweite von Spreadly um einige Websites erweitern können, die bisher mit Mister Wong- oder YiGG- aber ohne Spreadly-Button ausgestattet waren. Je weniger sie für die Akquisitionen hingeblättert haben, desto weniger Druck lastet auf ihnen, Mister Wong und Yigg mit übermäßigem Aufwand wieder herausputzen zu müssen.

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