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16.03.10

SnipClips virtuelle Sammelalben: Biete Geschäftsmodell, suche Nutzer

SnipClip, Anbieter virtueller Sammelalben, hat, was man für ein erfolgreiches Internetunternehmen braucht: Ein Geschäftsmodell, gute Partner und mediale Aufmerksamkeit. Nur eines fehlt noch: Nutzer.

Es gibt Internetdienste, die sind genial, haben eine treue und große Nutzerschaft, aber niemand sonst bemerkt sie. Es gibt aber auch solche, die erhalten vom ersten Tag an mediale Aufmerksamkeit, gewinnen diverse Gründerwettbewerbe - und all das, noch bevor sie eine nennenswerte Zahl von Usern von sich überzeugen konnten.

SnipClip gehört in die zweite Kategorie. Das 2008 gegründete Startup aus München wurde schon von diversen führenden Nachrichtenseiten vorgestellt (beispielsweise von Welt Online oder N-TV.de), hat unter anderem den Gründerpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erhalten und darf sich über hochkarätige Berater aus Wissenschaft und Wirtschaft freuen.

Bei SnipClip können Facebook-User Fotos, Animationen oder Videos in virtuellen Sammelalben anlegen und mit anderen tauschen. Wie bei den klassischen Sammelalben aus den 80er- oder 90er-Jahren soll die Nutzung von SnipClip zu einer gewissen Sucht führen, was bestehende Anwender zum Einladen ihrer Freunde animiert. Allerdings zeugen lediglich 520 aktive Nutzer der Facebook-Applikation davon, dass die Idee bisher noch nicht wirklich beim Endanwender angekommen ist.

Auch mir fehlte bisher der richtige Zugang zur Idee von SnipClip, und das, obwohl ich seit über einem Jahr das Unternehmensblog abonnierte habe, somit gut über die Fortschritte des Dienstes informiert bin und früher selbst einmal fleißig Panini-Bilder in Alben geklebt und mit Freunden getauscht habe.

Ein aktueller Blogeintrag jedoch gibt Grund zur Hoffnung: SnipClip kooperiert ab sofort mit der Kinoplattform kino.de aus dem Hause Gruner + Jahr. Im Blogbeitrag erklärt das SnipClip-Team, wie und warum kino.de ab sofort bei SnipClip integriert wird. Das Posting sorgte bei mir für eine Art "Aha-Erlebnis" - zum ersten Mal erkannte ich, wie man die virtuellen Sammelalben sinnvoll einsetzen kann.

kino.de stellt über SnipClip ein digitales Sammelabum der Filmhighlights des Monats bereit. Die Sammlung besteht aus acht von der kino.de-Redaktion zusammengestellten Filmempfehlungen, und jedes Objekt enthält den Trailer zu einem der Streifen. Um einen Trailer in die persönliche Sammlung aufnehmen zu können, muss dieser mit der internen SnipClip-Währung erworben werden. Diese erhält, wer weitere Freunde zu SnipClip einlädt oder Aufgaben löst. Auch der Tausch von doppelten Sammelobjekten mit anderen Usern ist möglich. Nutzer, die bis zum 25. März ihr Filmalbum vervollständigt haben, nehmen an einer Verlosung teil.

SnipClip ermöglicht es Marken und Websites wie kino.de, die eigene Bekanntheit und gleichzeitig die Loyalität von bestehenden Fans/Kunden zu erhöhen. Weitere Firmen, die virale Sammelalben über SnipClip anbieten, sind unter anderem allmyTea mit dem "Teabook" oder Designhotels.com mit einem Sammelalbum für ausgefallene Hotels.

Ursprünglich wollte das junge Startup Sammelobjekte gegen Geld anbieten. Erst später erkannte man, dass sich die Sammelleidenschaft der Nutzer auch für Marketingzwecke einsetzen lässt - Kooperationen wie die mit kino.de sind das Ergebnis.

Was SnipClip nun noch fehlt, sind Nutzer. Wieso der Dienst trotz beachtlicher Medienpräsenz bei Anwendern bisher auf so wenig Resonanz gestoßen ist, darüber kann man nur spekulieren. Ein möglicher Grund könnte das Fehlen interessanter Sammelalben sein - Menschen sammeln am liebesten Dinge, zu denen sie eine emotionale Bindung haben. Hier hat SnipClip bisher nur wenig zu bieten. Auch eine relativ spärliche Erklärung der Funktionsweise könnte manch potenziellen Nutzer davon abhalten, SnipClip einfach mal auszuprobieren.

SnipClip steht vor einer für das Social Web eher unüblichen Herausforderung: Während man über ein vielversprechendes Geschäftsmodell verfügt sowie bereits zahlreiche Partner an Bord hat, fehlt es bisher an Nutzern. Mit Facebook hat sich das Unternehmen die richtige Plattform ausgesucht, um virale Sammelalben anzubieten und dort die Sammelleidenschaft der Mitglieder zu entfachen. Nun braucht es viele weitere Alben sowie mehr Kreativität, um den schwierigsten aller Schritte zu bewältigen: Die Aufmerksamkeit und das Zeitbudget der tausch- und gewinninteressierten Webgemeinde zu erhalten.

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