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18.07.14

Smarte Chat-Anwendung: ChatGrape will Unternehmen dazu bringen, die E-Mail abzuschaffen

Bei den meisten Unternehmen dominiert die E-Mail die interne Kommunikation - trotz zahlreicher Nachteile. Das aus Wien stammende Startup ChatGrape will das mit einer sehr einfach zu bedienenden, intelligenten Chat-Anwendung ändern.

ChatGrapeÜber Enterprise-Software zu berichten, ist aus Autorensicht üblicherweise nicht gerade das spannendste Thema - auch dann nicht, wenn sie in der Cloud abläuft. Das hat einerseits damit zu tun, dass entsprechende Services dazu dienen, interne Unternehmensprozesse zu optimieren - nichts, was Menschen emotional sonderlich berührt. Zum anderen präsentieren sich Geschäftsanwendungen oft recht dröge und übermäßig komplex. Doch all das gilt es zu vergessen, blickt man ChatGrape, eine neue cloudbasierte Kommunikationslösung aus Wien, die gerade den Startschuss für die kostenfreie Beta-Phase gegeben hat.ChatGrape will nichts Geringes erreichen, als bei Startups sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen die firmeninterne E-Mail als Kommunikationsform durch einen webbasierten Chatservice zu ersetzen. Und ganz im Sinne des Trends zur "Consumerization" setzt der Dienst dabei auf etablierte und für die meisten Anwender aus ihrem (privaten) Onlinealltag vertraute Funktions- und Designelemente. Anders ausgedrückt: ChatGrape verspricht, den firmeninternen Austausch zu vereinfachen, ohne dabei ein angestaubtes Verfahren (E-Mail) durch ein kompliziertes und eine hohe Lernkurve mitbringendes neues Verfahren zu ersetzen.

ChatGrape

ChatGrape ist tatsächlich ziemlich simpel und intuitiv zu bedienen: Nutzer legen für ihre Organisation ein Konto an. Über das dazugehörige Dashboard können sie dann verschiedene projekt- und themenbezogene Chats kreieren und in diesen mit anderen Mitgliedern der Organisation kommunizieren. Chats unterstützen Anhänge und besitzen eine Suchefunktion. Neben den öffentlichen Chaträumen können mit allen partizipierenden Nutzern private Chats geführt werden.

Sämtliche Konversationen sowie Chaträume lassen sich über die linke Navigationsleiste erreichen. Per "intelligentem Auto-Complete" sollen sich relevante Dateien, Dokumente und Issues direkt an eine Nachricht anhängen lassen, während man schreibt (bislang ungetestet). Geplant ist, Nutzern auch die direkt Integration von Daten aus für ihren beruflichen Alltag benötigten Cloudservices zu ermöglichen. Derzeit funktioniert das nur für GitHub.

Das Startup aus Österreich hat mit ChatGrape nicht gerade einen Dienst ohne Konkurrenz entwickelt: Auf internationaler Ebene gibt es mit Slack, HipChat, Convo und FlowDock verschiedene Rivalen. Slack wird beispielsweise auch von zahlreichen Technologiefirmen in Deutschland für die interne Kommunikation eingesetzt. Hinzu kommen deutsche Anbieter wie Stackfield, der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Alleinstellungsmerkmal anpreist, sowie Hojoki.

ChatGrape

Hinsichtlich der aufgrund des dicht gedrängten Marktes wichtigen Unterscheidung zu den Kontrahenten hebt ChatGrape-Co-Founder Leo Fasbender die API hervor, über die künftig neben Tools auch ganze firmenspezifische Datenbanken in die Chats eingebetteten werden können. Eine wichtige Rolle spielt dabei das bereits erwähnte Auto-Complete-Feature. Fasbender vergleicht die User Experience mit dem Taggen von Kontakten bei Facebook. "Es ist also quasi ein smarter Chat, der deine Firma kennt", so der Österreicher. Auch mit einem vorgesehenen SmartTagging-Feature will sich ChatGrape differenzieren. In Chats werden dann Fragen, Entscheidungen oder Ideen automatisch erkannt und mit entsprechenden Hashtags versehen.

Die momentane Browserversion ist auch für mobile Geräte optimiert worden. Native Apps für Mac, Windows, iOS und Android stehen auf der Roadmap.

Die notwendige Erfahrung und Kompetenz rund um die semantische Textanalyse bringen die Gründer Leo Fasbender und Felix Häusler aus ihrem früheren Projekt Newsgrape mit. Der Dienst, eine Art soziales Netzwerk für Texte, wurde von dem Duo im vergangenen Jahr aufgrund zu geringen Wachstums und fehlender Erlösquellen eingestellt. Doch die Analyse, Sortierung und Kuration tausender Texte täglich lehrte den zwei Jungunternehmern einiges über Texterkennung und semantische Extraktion. Wissen, auf das sie nun zurückgreifen.

Für das neue Vorhaben ChatGrape haben Fasbender und Häusler 440.000 Euro vom Wiener Boutique-Investmentfond Star Equity, dem Business Angel Michael Ströck sowie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft eingesammelt. Die Monetarisierung von ChatGrape soll über kostenpflichtige Nutzungslizenzen erfolgen. Während der Test-Phase kann der Service aber gratis verwendet werden.

Sich in dem umkämpften Markt der Enterprise-Kommunikation durchzusetzen, wird nicht leicht werden. Andererseits setzen die meisten Firmen nach wie vor auf E-Mail. Es gibt also theoretisch viel zu holen. Und ein Argument hat ChatGrape schon auf seiner Seite: Nach ein paar Sekunden versteht jeder und jede, wie der Dienst funktioniert. /mw

Link: ChatGrape

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