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30.03.09

Skype für das iPhone: Blockierung in Deutschland? Wohl kaum!

Am morgigen Dienstag gibt Skype offiziell den Launch einer Applikation für das iPhone bekannt. Deutsche Nachrichtenportale mutmaßen über eine mögliche Komplett-Blockierung der Anwendung durch T-Mobile. Doch das ist unwahrscheinlich.

Aktualisierung am Ende des Artikels

Skype fürs iPhoneBei GigaOm wusste man es schon in der vergangenen Woche, und nun ist es amtlich: Skype, das weltweit über 405 Millionen Anwender zählende VoIP-Tool aus dem Hause eBay, wird im Laufe des morgigen Dienstags offiziell eine kostenlose Applikation für das iPhone ankündigen. Damit können die mehr als 17 Millionen Besitzer von Apples Smartphone gratis mit anderen Skype-Nutzern telefonieren. Auch kostengünstige SkypeOut-Telefonate in internationale Fest- und Mobilfunknetze sowie das Annehmen eingehender SkypeIn-Gespräche sind möglich.

Nutzer in den USA müssen nur mit einer einzigen, echten Einschränkung leben: Skypes VoIP-Funktion wird auf dem iPhone lediglich über WLAN nutzbar sein, nicht über das mobile Datennetz des dortigen Exklusiv-Vertriebspartners AT&T - wenig verwunderlich, bedenkt man, dass dem Mobilfunktanbieter damit die sonst zu kassierenden Gesprächsgebühren durch die Lappen gehen.

 T-Mobile-Sprecher Alexander von Schmettow hat heute in der WirtschaftsWoche eine ähnliche Maßnahme für den deutschen Markt angekündigt. Dort ist die Rede davon, dass T-Mobile die Applikation in "seinem Netz blocken" wird. Diese Regelung "gelte auch für T-Mobile-WLAN-HotSpots". Weiter heißt es, dass man vorher prüfen müsse, ob die Sperrung der Anwendung in den vielen tausend T-Mobile-HotSpots technisch realisierbar sei.

Diese Nachricht lässt sich auf zwei mögliche Arten interpretieren: T-Mobile macht es wie AT&T und sperrt die Skype-Nutzung über das mobile HSDPA-Datennetz sowie ggf. über die eigenen Hotspots. Oder aber: T-Mobile blockiert die Applikation komplett und verhindert auch die Nutzung über private WLAN-Netze. 

Obwohl diverse Indizien gegen die zweite Interpretationsart sprechen, verbreitete sich eine Meldung mit dieser in den letzten Stunden wie ein Lauffeuer im Netz. Schnell hieß es "Kein Skype auf dem iPhone". Dabei ist von einer derartig radikalen Lösung im Artikel der WiWo keine Rede. Völlig unterschlagen wird auch die Tatsache, dass diverse andere, in Deutschland verfügbare iPhone-Applikationen wie Fring, Nimbuzz und Truphone bereits Skype-Gespräche über WLAN erlauben.

Und wie will die Telekom überhaupt eine Applikation blockieren, die von den Kunden über das heimische WLAN-Netz aus installiert wird und damit außerhalb des Einflussbereiches von T-Mobile liegt? Einzig vorstellbar wäre, dass die Bonner Apple darum bitten, die Applikation aus dem deutschen App Store zu entfernen. Dann müssten sie Fring, Nimbuzz und Truphone aber gleich mitnehmen - und sähen sich wahrscheinlich mit einem enormen PR-Gau konfrontiert. 

Würde sich T-Mobile tatsächlich zu einem solch riskanten Schritt entscheiden? Und wäre es dann nicht völlig unnötig, im WiWo-Artikel über die technische Realisierbarkeit der Blockierung in den unternehmenseigenen Hotspots zu sinnieren?

Die WiWo-Meldung ist mehr als schwammig und wurde mit großer Wahrscheinlichkeit fehlinterpretiert. Ich tippe darauf, dass T-Mobile den Weg von AT&T gehen wird. Somit wird sich die Skype-Anwendung auf T-Mobile-iPhones ausschließlich über eigene WLAN-Zugänge einsetzen lassen.

Bei genauerem Hinsehen ist dies aus mindestens zwei Gründen wenig dramatisch: Zum einen dürfte eine intensive Skype-Verwendung über HSDPA für iPhone-Kunden, die sich für T-Mobiles kleinstes Paket entschieden und darin ein Trafficlimit von 200 MB pro Monat haben, sowieso nicht in Frage kommen. Zum anderen bleibt die Frage, wie gut die heutigen Mobilnetze für den verbreiteten Einsatz ressourcenintensiver Prozesse wie VoIP gerüstet sind.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Skype-Gespräche über das mobile Datennetz ein ziemlicher Graus sein können. Fring ermöglicht mit seiner Software für Symbian-Geräte Skype-Telefonate über UMTS. Doch selbst über das sehr leistungsfähige Stockholmer UMTS-Netz war die Gesprächsqualität bei meinen Versuchen meist unterirdisch. Insofern hält sich meine Trauer über die Begrenzung auf WLAN-Telefonie vorläufig in Grenzen.

Gleichzeitig stellt sich damit die Frage, wie sich Skypes Applikation von bereits verfügbaren, konkurrierenden iPhone-Anwendungen wie Fring, Nimbuzz oder Truphone (die ebenfalls nur über WLAN genutzt werden können) abheben will. Zumal diese eine ganze Reihe zusätzlicher VoIP-, Chat- und Instant Messenger-Dienste vereinen.

Ein Problem haben alle Apps dieser Art gemein: Solange Apple dem iPhone keine Fähigkeit zum Multitasking für die Applikationen spendiert, ist ihr Nutzen begrenzt, da man sie stets extra öffnen und alle andere Aktivitäten beenden muss.

Hoffen lässt der Launch einer Skype-Applikation aber dennoch: Es ist nicht ausgeschlossen, dass die beschriebene, schlechte Gesprächsqualität über Fring ein typisches Problem von Drittanbietern ist und Skype vorrangig über eine bessere Gesprächsqualität bei WLAN-Telefonaten punkten können wird.

Vielleicht gelingt es dem seit langem profitablen Dienst auch, mit dem Launch seiner Skype-Applikation für das iPhone der bisher ein Nischendasein führenden mobilen Internettelefonie einen kräftigen Schub zu verleihen. Die bereits veröffentlichte Android-Variante sowie eine angekündigte Version für BlackBerrys sollten hierbei ebenfalls helfen können.

Update: Skype für das iPhone kann ab jetzt aus dem iTunes App Store heruntergeladen werden, wie vermutet auch in Deutschland. VoIP-Gespräche laufen wie in allen anderen Ländern lediglich über WLAN, Instant Messaging funktioniert hingegen auch über mobile Datenverbindungen.

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