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06.07.09

Single-Sign-On: 2009 ist das Jahr des Durchbruchs

Einmal registrieren, überall Zugang kriegen: Single Sign-on über OpenID, Facebook oder Google verbreitet sich rasant. Jeder profitiert - außer die Onlineservices, die sich der Entwicklung verschließen.

LoginLange Zeit war einer der nervigsten Nebenaspekte der schönen bunten Social Web-Welt, sich bei jedem Dienst neu registrieren und eine weitere Benutzername-Passwort-Kombination merken zu müssen. Auch erforderte dies jedes Mal das erneute Eintragen von persönlichen Informationen und unter Umständen die manuelle Suche nach eigenen Kontakten, die den jeweiligen Service bereits verwenden.

Heute lässt sich mit großer Sicherheit sagen, dass diese Plagerei ein für alle Mal ein Ende gefunden hat. 2009 wird uns als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Single Sign-on-Systeme ihren Durchbruch erlebten und eine wachsende Zahl von Startups und etablierten Webangeboten Mechanismen integrierten, die Usern den Login über die Schnittstellen anderer Internetdienste ermöglichten.

Interessanterweise war es nicht OpenID, welches die Entwicklung endgültig ins Rollen brachte. Obwohl sich die Unterstützer des bekanntesten aller Single Sign-on-Systeme über Jahre hinweg dafür eingesetzt haben, von den führenden Webunternehmen akzeptiert und implementiert zu werden, scheint es, als wäre erst mit dem Start von Facebook Connect richtig Bewegung in die Branche gekommen.

Mit der Mitte 2008 vorgestellten Initiative können Websites Besuchern den Login über deren Facebook-Zugangsdaten ermöglichen. Für Neunutzer entfällt damit die Notwendigkeit, sich ein weiteres Passwort merken zu müssen. Je nach Art der Integration lassen sich auch Profilinformationen übernehmen sowie Facebook-Kontakte anzeigen, die den entsprechenden Service auch verwenden.

Während OpenID die mühselige Vorarbeit geleistet und das Prinzip eines Universal-Logins über die Grenzen der eigenen Webangebote hinaus nach und nach in das Bewusstsein der Internetgemeinschaft pflanzte, war es Facebook als größtes soziales Netzwerk der Welt (außerhalb Chinas), das eine solche Lösung in den Mainstream transportierte.

Die Bandbreite von Facebook Connect-Implementierungen ist ein Jahr nach der Lancierung des Systems enorm: Von der Washington Post über DiGG und Hulu bis zu Vimeo bieten zahlreiche namhafte Onlinedienste ihren Nutzern den Zugang über Facebook und gleichzeitig unterschiedliche Zusatzfunktionalität. Auch für die Besucher der amerikanischen Red Bull-Site sowie für die Passagiere des Flughafens Calgary steht Facebook Connect bereit.

Doch nicht nur Facebook ist auf den Single Sign-on-Zug aufgesprungen. Googles Konkurrenz-Produkt heißt Friend Connect und findet sich nicht nur auf vielen Blogs wieder, sondern wird seit kurzem auch von Netlog verwendet, einem der größten europäischen Social Networks. Netlog-Mitglieder erhalten dadurch die Möglichkeit, sich auf anderen, über Google Friend Connect verbundenen Sites mit ihren Netlog-Zugangsdaten anzumelden.

Mit MySpace (MySpace ID) und Yahoo! mischen weitere große Services mit. Wie Google setzen deren Initiativen teilweise auf bestehenden Mechanismen wie OpenID und OpenSocial auf. Diese Verschmelzung und Kombination beduetet für den Endnutzer, dass er/sie sich keine Gedanken mehr darüber machen muss, was technisch im Hintergrund abläuft. Was zählt, ist der problemlose und simple Login. Das ist gut, war doch das etwas zu technische Image OpenIDs größtes Hindernis für den finalen Schritt in den Massenmarkt.

Vergessen sollte man auch nicht Twitter, das sich durch das offene Autorisierungs-Protokoll OAuth ebenfalls als Login-Alternative für externe Webtools empfiehlt. So verzichten eine steigende Zahl von Twitter-Applikationen auf eigene Benutzerzugänge und lassen ihre User direkt über Twitter einloggen. Besichtigen kann man dies unter anderem bei Twitpic oder dem sozialen Link-Aggregator Microplaza .

Bei Diensten aus dem deutschsprachigen Raum ist die Akzeptanz von Single-Sign-On-Lösungen - speziell von als Wettbewerbern wahrgenommenen Unternehmen - aufgrund des üblichen Silo-Denkens noch recht gering. Aber auch hier gibt es bereits erwähnenswerte Beispiele. So erlaubt das Social-News-Portal YiGG seinen Nutzern den Login über Facebook. Gleiches gilt für die Leser von Bild.de, die über Facebook Connect auf der Site kommentieren, im Forum diskutieren sowie Fotos und Videos hochladen können. Richtig vorbildlich ist der Musikdienst play.fm (unser Review). Die Wiener lassen dem User die Wahl zwischen einem Login über Facebook, MySpace, Google, Yahoo oder OpenID. Auch die Zahl unterstützer Anmeldeverfahren beim Hamburger Community-Anbieter  sixgroups.com kann sich sehen lassen.

Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, wohin die Reise geht: In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere Anbieter den Zugang über die genannten Lösungen gestatten - und neben OpenID damit auch Facebook, Google & Co immer stärker zu Identitätsprovidern machen. Für User entfällt somit einiges an Aufwand, und Webservices senken so die Eintrittsbarrieren, die potenzielle Neunutzer vom Ausprobieren abhalten. Jeder profitiert - außer solche Unternehmen, die weiter ein geschlossenes Silo bleiben und Besucher zum Einrichten eines neuen, nur auf der eigenen Site gültigen Kontos zwingen wollen.

Ich habe meine Konsequenz gezogen und überlege mir bei neuen Diensten, die ich für die private Nutzung in Betracht ziehe und die keinen Login auf den genannten Wegen anbieten, sehr genau, ob ich ihnen eine Chance gebe. In den meisten Fällen tue ich dies nicht mehr.

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