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23.07.13

Sicherer im Netz bewegen: ZenMate bringt VPN-Funktionen für die Masse

VPNs ermöglichen sicheres Surfen, sind aber für Otto-Normal-Nutzer zu kompliziert. Das Berliner Startup ZenMate bringt nun VPN-Funktionen als komfortables Plugin für den Chrome-Browser.

Einer der besten Wege, die eigene Internetnutzung sicherer zu gestalten, sind VPN-Verbindungen. Diese verschlüsseln sämtliche versendeten und empfangenen Daten. Das erschwert nicht nur den bekanntlich überwachungsfreudigen Geheimdiensten das Mitlesen von über zentrale Internetknoten oder internationale Unterseekabel verschickten Nutzerdaten, sondern verhindert auch, dass Unbefugte beim Einsatz offener WLANs an persönliche Anwenderdaten gelangen. Ein positiver Nebeneffekt der VPN-Verwendung ist, dass sich beliebige internationale IP-Adresse annehmen lassen, je nach Standort des VPN-Servers. Auf diese Weise kann das Geoblocking von Onlinediensten umgangen werden, die aus rechtlichen Gründen nur in bestimmten Regionen angeboten werden - eine Praxis, die im Zeitalter der globalen Vernetzung nicht mehr zeitgemäß ist.

Doch VPNs haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind vergleichsweise kompliziert in ihrer Anwendung. Die Betonung liegt auf "vergleichsweise". Für technisch versierte User ist es freilich kein Problem, sich bei einem der zahlreichen VPN-Dienstleister zu registrieren und einmalig einige Netzwerkeinstellungen vorzunehmen. Aus Sicht der breiten Masse allerdings sind das bereits zu viele erforderliche Schritte - zumal User schon eine grundsätzliche, ernstgemeinte Affinität für Sicherheitsfragen mitbringen müssen, um die Gebühren für die zumeist kostenpflichtigen VPN-Angebote berappen zu wollen. ZenMateVPN-Funktionen per Chrome-Plugin

Das Berliner Startup ZenMate hat eine Lösung entwickelt, welche die Funktionen eines VPN mit dessen vollwertiger Trafficverschlüsselung in den Browser portiert. Anstatt dass User in ihren Netzwerkeinstellungen herumfuhrwerken müssen, besuchen sie lediglich die Website des Dienstes und installieren das kostenlose Chrome-Plugin. Anschließend werden sämtliche Daten, die im Chrome-Browser gesendet und empfangen werden, von ZenMate verschlüsselt und über die in einer Reihe von Ländern platzierten Server des Startups gelotst. Zur Auswahl stehen derzeit die Standorte Zürich, New York, Frankfurt, London und Hong Kong. Je nach gewähltem Server erhalten ZenMate-Nutzer für ihre Browsersession eine IP-Adresse des jeweiligen Landes. Wer New York auswählt, dessen Chrome Browser gibt sich daraufhin auf sämtlichen Websites als US-amerikanischer Nutzer aus, wodurch freier Zugang zu für Europäer gesperrten Angeboten wie etwa Hulu oder Pandora erfolgt. Mit der Schweizer IP-Adresse wiederum können ausländische Nutzer auf einschlägige, in der Schweiz legale TV-Streaming-Plattformen wie Teleboy oder Nello zugreifen.

Ein Problem der Masse lösen

Im Gegensatz zu Browser-Plugins wie ProxTube und Anonymisierungswebsites wie Hide my Ass fungiert ZenMate nicht als Proxy, der lediglich die IP-Adresse austauscht, sondern beinhaltet parallel klassische VPN-Funktionalität zum verschlüsselten Surfen. Laut ZenMate-Mitgründer Simon Specka handelt es sich um das einzige System, dass VPN-Features in den Browser bringt. Die Motivation von Specka und seinem Mitstreiter Markus Hänel: eine massentaugliche Lösung für ein Problem der Masse zu entwickeln.

Speziell im Angesicht der derzeitigen Überwachungsskandale werden die Hauptstädter, welche ihren Dienst initial aus eigenen Mittel entwickelt haben und mittlerweile vom Axel-Springer-Accelerator Plug & Play unterstützt werden, wenig Überzeugungsarbeit für den Sinn ihres Angebots leisten müssen. Zumal ZenMate in der derzeitigen Beta-Phase komplett kostenfrei und ohne Begrenzungen beim Datenverkehr angeboten wird. Nach dem offiziellen Debüt planen Specka und Hänel einen Freemium-Ansatz: Ein limitierter Basis-Zugang wird gratis bereitgestellt, eine Pro-Version gegen Entgelt.

Hohe Datenschutzansprüche

In der FAQ betonen die ZenMate-Macher, dass das Startup den "strengen deutschen Datenschutzgesetzen" unterliege und weder IP-Adressen noch andere personenbezogene Verbindungsdaten speichere. Aus den Datenschutzbestimmungen geht allerdings davor, dass die geltende Rechtslage je nach Serverstandort variieren kann. Grundsätzlich gilt jedoch, dass User "Internetseiten und Inhalte stets über eine verschlüsselte Verbindung senden und niemals direkten Kontakt zum Betreiber der Zielseite haben, sondern nur mit dem ausgewählten ZenMate-Verbindungsknoten".

Es ist zu vermuten, dass Träger von Aluminiumhüten einem Dienst wie ZenMate, bei dem Anwendungsdaten über zentrale Server geschickt werden, keine hohe Effektivität in puncto Verhinderung von Überwachung einräumen würden. Jeglicher Schutz vor ausufernder staatlicher Überwachung wäre etwa dahin, sollten sich Sicherheitsbehörden Zugriff auf ZenMates Server verschaffen wollen. Andererseits eignet sich der Service der Berliner wie eingangs beschrieben auch für andere Einsatzszenarien, was ihn zu einem attraktiven Angebot für alle Nutzer des Chrome-Browsers macht. /mw

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