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06.11.13

Shared WiFi: Startups wollen das Spiel nicht den Großen überlassen

Nicht nur rechtlich scheint Bewegung in die Möglichkeit zu kommen, die eigene Bandbreite über einen persönlichen Hotspot mit anderen zu teilen. Auch immer mehr Dienste wollen den Netzzugang via WLAN vereinfachen. Dass auch weniger vertrauensvolle Unternehmen hier an eigenen Lösungen arbeiten, sollte ein Ansporn für Startups sein, selbst etwas auf den Markt zu bringen.

Gowex-Karte mit offenen Hotspots Gowex-Karte mit offenen Hotspots

Es geistert seit dieser Woche durch die Medien: Unsere wohl designierte neue Regierung aus Schwarz-Rot könnte die Störerhaftung abschaffen. Wenn also jemand anders als der eingetragene Besitzer eines Breitbandanschlusses sich über dessen Router verbindet, haftet nicht mehr der Betreiber, sondern tatsächlich der, der surft.

So rückständig und falsch die derzeit noch bestehende Störerhaftung auch ist: Sie hat zumindest ein höheres Sicherheitsbewusstsein geschaffen und dafür gesorgt, dass beinahe jedes WLAN in Deutschland heute mit einer mehr oder weniger starken Verschlüsselung ausgestattet ist. Die Ressourcen-Verschwendung allerdings ist immens. Mehrere Initiativen wollen dem mittlerweile entgegen wirken. Zwei davon stammen von Facebook und Google. Denn es ist ja verrückt: In beinahe jedem Haushalt stehen Router, die mit Breitbandanschlüssen und einer Taktrate von 10, 50 oder 100 MBit/s verbunden sind. Draußen auf der Straße allerdings quält man sich mitunter noch mit langsamen UMTS-Verbindungen ins Netz und muss peinlichst genau darauf achten, nicht zu viele Daten zu verbrauchen.

Zwielichtige Anbieter

Ausgerechnet einige Unternehmen, die nicht gerade als die Vertrauenswürdigsten der Techszene bekannt sind, wollen diesen Umstand ändern. Facebook ist vorne mit dabei, Nutzern mit einem Klick Zugang zu beteiligten Hotspots zu gewähren. Google testet in Indonesien mit einem Vertragspartner einen ganz ähnlichen Zugang: WiFi Passport. Beides hätte einen Preis: Die Web-Services, die wir in dem verbundenen Hotspot nutzen, würden von den beiden Datenmonstern wohl mitgeschnitten. Trotz der technisch eigentlich guten Idee wäre dies kein besonders attraktives Szenario.

Facebook WLAN Facebook WLAN

Auch die Deutsche Telekom kooperiert wie einige ihrer Mitspieler in Westeuropa inzwischen mit der freien WLAN-Initiative Fon und nennt dies WLAN to Go. Wer will, kann seinen Telekom-Breitband-Anschluss via Fon mit anderen Teilnehmern teilen. Technisch gesehen eine überfällige Idee. Ironie allerdings: Eben diese Telekom will das Datenvolumen in ihren Breitbandanschlüssen drosseln oder zumindest kontrollieren. Nur die Justiz scheint sie noch davon abbringen zu können. Das Landgericht Köln gab einer Klage der Verbraucherzentrale NRW Recht. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Außerdem legt die Telekom nach wie vor eine traurige Vehemenz an den Tag, um die Netzneutralität abzuschaffen. Die Nachteile für Nutzer und der Einfluss auf den technischen Fortschritt wären verheerend.

Die große Chance für Startups

Nun macht sich ein weiterer Anbieter auf den Weg, der "Smart WiFi Cities" ermöglichen will: Gowex. Der spanische Dienstleister hat Hotspot-Netze in bereits 80 Metropolen weltweit erschaffen und will als nächstes in New York an den Start gehen. Zusammen mit den jeweiligen Kommunalverwaltungen sollen vor allem Geschäfte, Büros und Lokalitäten davon überzeugt werden, ihr Router-Netzwerk zu einem Hotspot zu machen. Gowex übernimmt die Einwahl und will für die notwendige Sicherheit sorgen. Ein mögliches Gegenstück dazu für Privatanwender bietet das schwedische Startup Instabridge. Hier kann jeder ohne viel Aufwand sein Heimnetzwerk zu einem Hotspot und anderen das Netzwerk mit nur einem Klick zugänglich machen. Auch aus München kommt eine interessante Lösung: Airfy bietet einen speziellen Hotspot-Router für Privatpersonen an.

Instabridge

Ein Ende der Störerhaftung wäre die notwendige Voraussetzung dafür, den Breitbandanschluss für Zuhause überhaupt anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Rechtlich ist damit noch nicht jede Hürde aus dem Weg geräumt. Provider etwa könnten einer Hotspot-Nutzung ihrer Anschlüsse widersprechen, auch wenn sich das technisch nur schwer aufhalten ließe. Wenn eine solche Genehmigung flächendeckend verfügbar wäre, böte das die Chance, das Spiel nicht den Großen zu überlassen.

Es ist nicht notwendig, dass Google und Facebook jetzt auch noch unsere Datenströme protokollieren. Die Zeit ist reif für Startups, hier den Großen mit einfachen Lösungen Konkurrenz zu machen. Das Teilen der eigenen Bandbreite und die damit verbundene Nutzung anderer Hotspots sollte nicht aufwändiger sein als die Installation einer App und das Einwählen mit einem Klick. Es sieht gut aus, dass wir uns bald unterwegs in eine Vielzahl verfügbarer Hotspots einwählen können.

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