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23.05.14

Server-Startup kündigt zweite Schwarmfinanzierung an: Protonet kombiniert Vorbestellungen mit Beteiligung

Nachdem das aus Hamburg stammende Server-Startup Protonet Ende 2012 gute Erfahrungen mit Crowdinvesting machte, startet es in Kürze eine zweite Finanzierungsrunde. Dabei kombiniert es die Vorbestellung der Hardware mit dem Erwerb von Unternehmensanteilen. Dies könnte zum Vorbild für die kommerziell orientierte Schwarmfinanzierung der Zukunft werden.

ProtonetAls das Hamburger Hardware-Startup Protonet Ende 2012 eine Crowdfinanzierungsrunde für seine als “einfachster Server der Welt” bezeichnete Protonet-Box begann, dauerte es gerade mal 48 Minuten, bis das Maximalziel von 200.000 Euro erreicht wurde. In anderen Worten: Die Kampagne war ein voller Erfolg. Seitdem entwickelt sich das Unternehmen um die Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum dem Anschein nach recht gut. Die orange-farbene Box ging im Sommer 2013 in den Verkauf. Es gab öffentliches Lob, ein Auszeichnung als Startup des Jahres sowie Berichte zu einer Sicherheitslücke - duchaus ein Attest für Relevanz ist, denn Sicherheitslücken werden in der Regel nur dann medial aufgegriffen, wenn ein Interesse der Öffentlichkeit besteht. Nach Angaben des Startups kommt die Protonext-Box derzeit bei 250 Unternehmen zum Einsatz. 400 Geräte sollen 2014 abgesetzt werden.

Ein Jahr nach dem Verkaufsdebüt der zwei Server-Schwestern "Carla" und "Carlita" wollen die Norddeutschen nun die nächste Phase ihrer Private-Cloud-Strategie zünden: Mit Maya soll eine weitere Box auf den Markt gebracht werden, die sich in Sachen Preis und Leistung unterhalb der existierenden Modelle ansiedelt. Ein "Personal Server zu Laptop-Preisen", so lautet die Selbstbeschreibung. Zur Verwirklichung dieses Plans greift das Startup abermals auf das bewährte Crowdinvestingmodell zurück - und wählt dafür einen sehr interessanten Ansatz. Denn im Rahmen einer neuerlichen Crowdinvesting-Runde, die am 4. Juni bei Seedmatch starten wird, will die junge Firma aus Hamburg diesmal 1,5 Millionen Euro einsammeln. Wer sich beteiligt, erhält aber nicht nur eine Beteiligung an dem Startup in Form eines partiarischen Nachrangdarlehens: Ab einem Investement in Höhe von 2000 Euro gibt es eine Maya-Box im Wert von 1200 Euro (Netto-Verkaufspreis) inklusive. Geldgeber, die sich mit noch höheren Beträgen beteiligen, erwerben damit außerdem auch Carla und/oder Carlita (Netto-Verkaufspreis ab 3000 Euro). Beschränkt ist dieser Deal auf die ersten 200 Investoren, die 2000 Euro oder mehr bereitstellen.

Die neue, kleinere Protonet-Box "Maya"

Protonet kombiniert mit diesem Ansatz die Vorzüge von Crowdfunding à la Kickstarter sowie Crowdinvesting: Unterstützer erhalten nämlich sowohl die Hardware als auch Besitzanteile an dem Unternehmen. Als jüngst das per Crowdfunding finanzierte Virtual-Reality-Startup Oculus VR von Facebook übernommen wurde, zeigten sich viele der frühen Geldgeber verärgert. Denn obwohl sie das Unternehmen in der kritischen Anfangsphase mit liquiden Mitteln in Form von Vorbestellungen unterstützt hatten, erwarben sie damit keine Anteile und ergo auch keine Option, vom Exit finanziell zu profitieren.

Der von Protonext gewählte Weg ist deshalb aus Sicht der Investoren deutlich fairer. Die Elbstädter müssen dafür zwar kleine Prozente abtreten, sichern sich aber loyale, begeisterungsfähige Nutzer, die durch das Investment ein eigenes Interesse daran haben, dass Protonet ein großer wirtschaftlicher Erfolg wird.

Auch für Seedmatch ist die Kampagne unseres Wissens nach ein Novum. Angesichts der zuvor beschriebenen Problematik, die bei klassischen Crowdfundingrunden kommerzieller Firmen mit Exit-Option über Kickstarter, Indigogo oder Startnext auftritt, könnte es sich hier gar um ein wegweisendes Ereignis für das Thema Schwarmfinanzierung handeln.

Nachtrag: Es gab bei Seedmatch in der Vergangenheit doch schon einige Kampagnen, bei denen der Reward- und Equity-basierte Ansatz kombiniert wurde. Dies war auch in der ersten Finanzierungsrunde von Protonet der Fall. Allerdings setzte der damals geringe Maximalbetrag von 200.000 Euro eine sehr niedrige Grenze und ließ nur wenige Interessenten partizipieren.

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