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06.01.10

Selbstmarketing: Der Stellenwert einer digitalen Auffindbarkeit

Noch immer haben viele Menschen Bedenken davor, sich im Web auffindbar zu machen. Doch je stärker das Social Web in unseren Alltag integriert ist, desto schädlicher kann es für die eigene Karriere sein, im Netz unsichtbar zu bleiben.

Im Netz sollte man sich finden lassenZwischen den Weihnachts- und Silvesterfeiertagen nutze ich meist die Gelegenheit, mit Menschen unterschiedlichen Alters und variierender beruflicher Situation über die Digitalisierung und ihre Auswirkungen zu sprechen. Dabei geht es mir weniger um das Überzeugen von Kritikern und Skeptikern, sondern mehr darum, deren Argumente und Bedenken zu hören und diese zur Reflexion zu verwenden.

Ein populäres Thema war diesmal die Sichtbarkeit von Personen im Netz. Was für aktive Web-Enthusiasten, Blogger und Online-Networker eine Selbstverständlichkeit ist, führt bei Gelegenheitsnutzern noch immer häufig zu zahlreichen Bedenken. Während sich auf der Stirn die Sorgenfalten abzeichnen, wird vom gläsernen Menschen und vom Verlust der Privatsphäre gesprochen. Oder ein komplettes Desinteresse an der Thematik und ein Unverständnis für das gezeigt, was gerne auch als "Seelen-Striptease" tituliert wird.

Ein Aspekt wird jedoch gerne vergessen: Wer online unsichtbar ist, hat zukünftig im beruflichen Kontext pauschal ausgedrückt schlechtere Karten. Denn er oder sie verpasst dadurch, eine in steigendem Maße vorhandene Erwartungshaltung zu erfüllen.

Von Personen in gewissen Branchen, zum Beispiel Kommunikation, Marketing, Medien, erwarte ich schon heute, bei einer Google-Suche nach ihrem Namen Profile auf Geschäftsnetzwerken, einen Twitter-Account sowie ein Blog zu finden. Tauchen stattdessen lediglich einige unbrauchbare Resultate von Personensuchmaschinen auf, werte ich dies automatisch als negatives Zeichen (nichts gegen Personensuchmaschinen).

Was bedeutet es eigentlich im Kern, wenn ein Mensch, der theoretisch durch seinen Job regelmäßig mit Social Media in Kontakt kommen müsste, in der digitalen Welt nicht existiert? Zwei Ursachen fallen mir ein: Er hat die Tragweite des sozialen Internets nicht begriffen und sich mit diesem Thema nicht näher befasst, oder aber bewusst eine Anti-Haltung eingenommen.

Die Digitalisierung hat eine ähnliche große Bedeutung für die Menschheit wie die Erfindung des Buchdrucks oder die Industrialisierung - wenn nicht eine noch größere. Egal ob sich um eine bewusst eingenommene Protesthaltung oder um pures Desinteresse handelt, das Menschen in den genannten Sektoren Abstand von einer öffentlichen Präsenz in der Online-Welt nehmen lässt, so sieht beides aus professionellen Gesichtspunkten nicht gerade gut aus. Wie will man die Herausforderungen der Digitalisierung im Zusammenhang mit dem eigenen Schaffensbereich meistern, wenn man deren Bedeutung leugnet oder ignoriert?

Es mag sein, dass meine Ansicht progressiver und absoluter ist als die von Entscheidern und Personalern. Dass jedoch eine Sichtbarkeit im Web ein entscheidender Vorteil im Bewerbungspoker sein kann, ist schon heute kein Geheimnis mehr. Je mehr Menschen dies in Zukunft erkennen, desto seltsamer werden die wirken, die sich dem verweigern. Sie werden sich die Frage nach dem "Warum" gefallen lassen müssen, und die Antwortalternativen sind wie eben beschrieben nicht gerade schlagfertig.

Unterschiede zwischen Branchen wird es selbstverständlich weiterhin geben. Die Google-Erwartungshaltung bei einem Werber oder Journalisten wird eine andere sein als die bei einem Handwerker oder einem Tierarzt. Auch Hierarchiestufen haben Einfluss auf die Sichtbarkeit einer Person im Netz. Während Studenten und Berufseinsteiger durch gutes Selbstmarketing ihre Chancen auf einen gelungenen Berufseinstieg signifikant verbessern können, wird niemand verwundert sein, wenn von Managern führender Unternehmen weniger eigenhändig befüllte Social-Web-Präsenzen zu finden sind. Wobei das natürlich nicht heißt, dass dies keine kluge Strategie sein kann.

Im Netz für Auffindbarkeit und Sichtbarkeit zu sorgen, heißt nicht, sein gesamtes Privatleben in die Öffentlichkeit zu kehren. Es bedeutet, das zu publizieren, was die eigenen Stärken, Interessengebiete und Hobbys hervorhebt. Und es bedeutet, die volle Kontrolle darüber zu haben. Privatsphäre heißt im Netz, selbst bestimmen zu können, wann man etwas öffentlich zugänglich machen will und wann nicht. Wer die Kompetenz dafür hat, ist gut gerüstet.

(Foto: stock.xchng)

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