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16.05.08

Yahoo:SearchMonkey transformiert Suche in eine offene Plattform

Mit SearchMonkey transformiert Yahoo die eigene Suche in eine offene Plattform. Das ist nicht nur gut für Yahoo, das ist auch gut für das gesamte Web, weil Yahoo erstmals Webseitenbetreibern einen echten Anreiz gibt, offene Standards und ‘gute’ Praktiken zu verwenden. Nicht zuletzt ist das auch gut für die User.

Yahoo hat vor einigen Wochen im Zuge der Vorstellung der neuen Strategie (wir haben berichtet ) als erstes Stück im strategischen Puzzle SearchMonkey angekündigt. Seit gestern ist SearchMonkey für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.

Mit SearchMonkey verwandelt Yahoo die eigene Suche in eine offene Plattform. Seitenbetreiber können die Suchergebnisse von Yahoo für ihre jeweilige Seite mit strukturierten Informationen anreichern und optisch aufpeppen. Die Suchergebnisse werden dadurch relevanter, sind für die Suchenden informativer und besser einzuschätzen und generieren zielgerichteteren und wertvolleren Traffic.

 

Anreicherung der Suchergebnisse von Yahoo mit zusätzlichen Daten

Das Prinzip dahinter ist, dass jeder, der will, mit SearchMonkey (Such-) Anwendungen entwickeln kann. Diese Anwendungen können Yahoo einerseits mit zusätzlichen Daten zu den eigenen Seiten füttern, und andererseits festlegen, wie diese Daten visuell in den Suchergebnissen aufbereitet werden sollen. Die technischen Details würden hier den Rahmen sprengen, jedenfalls können die Daten Yahoo auf unterschiedliche Arten mitgeteilt werden, unter anderem auch mit den zunehmend beliebten Microformaten. Etwas mehr dazu weiter unten.

Empfehlenswerte SearchMonkey-Anwendungen werden in der Folge von Yahoo in eine Anwendungsgallerie aufgenommen und aktiv promotet, Anwendungen für eine kleinere Zielgruppe müssen sich leider selbst um die Werbung dafür kümmern. Doch alle Anwendungen können von allen Yahoo-Usern mit einem Klick zu ihrer regulären Yahoo Suche hinzugefügt werden.

Die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, sind endlos:

  • Review Seiten können ihre Suchergebnisse mit Photos, Sternchen, Zusammenfassungen und Affiliate-Links versehen
  • Blogs können Kategorien, Tags, Infos zum Autor etc. hinzufügen
  • Musikseiten können Bilder von Plattencovers oder Künstlern oder Links zu MP3-Files hineinmischen
  • soziale Netzwerke können Profilseiten mit (für die Öffentlichkeit bestimmte) Kontaktdaten anreichern
  • Shoppingseiten können dynamisch Preise und Verfügbarkeit angeben
  • usw. usf.

Im Vergleich zu Google wird dadurch zwar die Qualität der Suchergebnisse von Yahoo nicht besser, Yahoo bleibt Yahoo. Aber die Qualität der Präsentation der Suchergebnisse für Seiten, die von SearchMonkey Gebrauch machen, macht einen Quantensprung. Und das ist wohl der grösste Schritt in der Aufholjagd, den Yahoo in den letzten Jahren gemacht hat. Besonders bezüglich der Suche in Domainen, für die Yahoo gut genug funktioniert, könnte Yahoo dadurch tatsächlich User zurückgewinnen.

Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung von SearchMonkey aber auch bezüglich der weiteren Entwicklung des Web als solchem. Bis dato ist es ja so, dass zwar mehr oder weniger Einigkeit darüber besteht, was gut für die Weiterentwicklung wäre, um den nächsten wirklichen Sprung zu machen. Wir brauchen offene Standards, wir brauchen mehr Semantik, mehr Daten, RDF, blablabla. Es wird viel geforscht, aber oft hinter verschlossenen Türen, an den Funktionsmechanismen des Web vorbei, und vor allem: ohne wirkliche Anreize für Seitenbetreiber, diese Erkenntnisse auch umzusetzen.

Microformate haben wohl den meisten proaktiven Schwung bekommen, aber bei 5 oder 50 Hits im Monat, die irgendeine Spezialsuchmaschine dann generiert, war der Leidensdruck für alle anderen nicht besonders gross. Auch bei gegebener Sympathie dafür, das musste man nicht unbedingt machen.

Mit SearchMonkey könnte sich das aber ändern. SearchMonkey kennt die wichtigsten offenen semantischen Standards (Microformats, RDF, FOAF, …) und kann damit annotierte Webseiten direkt verwenden. Die Möglichkeit mehrere hundert Millionen Suchende besser auf das eigene Angebot aufmerksam machen zu können, dürfte einigen auf die Sprünge helfen.

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