<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

23.05.13

Salon.io: Ein Onlinepublishing-Tool, für das Nutzer zahlen wollen

Salon.io will Onlinepublishing einfacher, besser und vielseitiger machen. Ein Ziel, das man schon häufiger gehört hat. Doch ein überdurchschnittlich hoher Anteil zahlender Nutzer deutet darauf hin, dass die Berliner einen Nerv treffen.

Wie Gründern, Investoren und Nutzern fällt es uns in den meisten Fällen schwer, eine genaue Prognose über die Chancen eines jungen Onlinedienstes abzugeben. Zu viele über Erfolg oder Misserfolg entscheidende Faktoren bleiben im Dunkeln, weswegen jede Analyse des Potenzials auch immer zu einem großen Teil Spekulation darstellt. Als besonders herausfordernd gestalten sich Betrachtungen von Angeboten, die in einem überfüllten Markt agieren und zumindest in einzelnen Elementen an existierende Services erinnern. Hier ist es ein Ding der Unmöglichkeit, frühzeitig die Entwicklung vorherzusehen. Die Macher könnten es ernst meinen, oder sie könnten in wenigen Wochen ein Projekt zusammengeschustert haben, an dem sie kurze Zeit später wieder die Lust verlieren. Was uns in diesen Fällen bei der Beurteilung hilft, ist ein "Proof of Concept". Ein zumindest initialer Beleg dafür, dass auf Nutzerseite ein tatsächliches Interesse für das Angebot besteht.

Das Online-Gestaltungs- und Publishingtool Salon.io des in Berlin und Bochum ansässigen Entwicklerstudios 9elements hat gerade einen solchen Proof of Concept geliefert - dazu gleich mehr. Der Dienst, über den wir im Dezember im Samstag App Fieber kurz berichteten, erlaubt das browserbasierte Erstellen von interaktiven Foto-Alben und Websites/Portfolios ohne Programmierkenntnisse. Alles läuft per Drag & Drop. Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Blog- und Publishingsystemen wie Wordpress, Tumblr, Jimdo oder Blogger ist das hohe Maß an gestalterischer Freiheit und die fehlende Bindung an vorgefertigte "Themes". Mit seinem designorientierten, leicht künstlerisch angehauchten Fokus erinnert Salon an das nicht minder elegante New Yorker Websitegestaltungstool Squarespace. Doch Stefan Landrock, der bei 9elements für Salon.io verantwortlich ist, betont, dass Anwender auch dort an Templates gebunden sind, während sie bei Salon.io nicht durch vorgefertigte Layouts eingeschränkt werden. Die Frage, die ich mir stellte, als ich das erste Mal von Salon.io hörte: Besteht angesichts des breiten Spektrums an Publishingdiensten tatsächlich weiterer Bedarf an gehosteten Lösungen zum Erstellen von Onlinepräsenzen? Die Zahl, die mir Stefan Landrock nun nannte, belegt, dass dies durchaus der Fall zu sein scheint. Mit rund 5000 registrierten Nutzern ist zwar die Gesamtzahl der Salon.io-Mitglieder bisher eher überschaubar. Doch ganze 800 von ihnen haben nach der Registrierung für die Gratis-Version eines der drei kostenpflichtigen Pakete gebucht. Eine Konversionsrate von rund 15 Prozent signalisiert zwar nach Ansicht von Evernote-Chef und Freemium-Tüftler Phil Libin ein zu stark eingeschränktes Gratisprodukt, liefert den 9elements-Machern aber den Beleg, dass ihr Produkt eine wirkliche Nachfrage bedient.

Der Editing-Modus von Salon.io

Die Free-Variante von Salon.io erlaubt das Erstellen von bis zu fünf individuellen Seiten und den Upload von maximal 250 Fotos. Wer mehr Platz zum Ausbreiten benötigt und eine benutzerdefinierte Domain für die eigene Salon.io-Präsenz verwenden möchte, der kann auf eines der drei kostenpflichtigen Pakete wechseln: Für 29 Euro einmalig lässt sich die Zahl der zugelassenen Seiten und Fotos verdoppeln und eine beliebige eigene Domain nutzen. Wer jährlich 69 Euro hinblättert, bekommt ein Premium-Paket ohne Einschränkungen und mit einigen zusätzlichen Features. Für die Business-Version fallen 99 Euro pro Jahr an.

Auch wenn die extrem hohe Zahlungsbereitschaft der existierenden Nutzer die Vermutung nahelegt, dass Salon.io virales Potenzial ungenutzt lässt, also die Gesamtzahl seiner User noch deutlich steigern könnte, hat die derzeitige Verteilung natürlich den Vorteil, dass sich Landrock und Mitinitiator Sebastian Deutsch keinen allzu großen Kopf über Skalierungsfragen machen müssen.

Als Sebastian Deutsch uns im November vergangenen Jahres über Salon.io informierte, bezeichnete er es als Ziel des Dienstes, Onlinepublishing einfacher, besser und vielseitiger zu machen. Der Service soll jeden befähigen, originelle und individuelle Websites zu erstellen. Ein solches Versprechen haben schon viele gemacht. Die hohe Bereitschaft der User, für das Produkt Geld auf den Tisch zu legen, muss als Indiz gewertet werden, dass die Hauptstädter ihrem eigenen Anspruch gerecht werden. Somit ist Salon.io ein Dienst, den man im Auge behalten sollte. /mw

Link: Salon.io

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer