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21.07.17

Gastbeitrag

Robo-Advice: Die Demokratisierung der Geldanlage


(Bild: Pixabay)

Ein Gastbeitrag von Sarah Naegele

Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen suchen Verbraucher nach neuen Wegen, ihr Geld wertsteigernd anzulegen. Niedrig verzinste Sparformen wie Tagesgeld, Festgeld, oder auch Lebensversicherungen bringen aufgrund der Inflation eine Verzinsung im Minusbereich und eine Abkehr von dieser Geldpolitik scheint nicht in Sicht. Eine attraktive Alternative für den Vermögensaufbau bietet der Kapitalmarkt.

Doch gilt das Börsenparkett für viele Deutsche anders als beispielsweise in den USA oder Großbritannien als unsicheres Terrain, dass sich eher für Spekulationen eignet, statt als Grundlage für eine langfristige Altersvorsorge. Robo-Advisor bieten hier einen vollkommen neuen Zugang, indem sie ihre auf wissenschaftlich fundierten Modellen basierenden Investitionsentscheidungen algorithmusbasiert ausüben.

Was können Robo-Advisor? 

Im Jahr 2014 sind die ersten Robo-Advisor in den deutschen Markt eingetreten. Mit ihrem Angebot ermöglichen sie ihren Kunden mittels Anlage in ETFs und Indexfonds einen langfristigen Vermögensaufbau. Was vor einigen Jahren noch als Geheimtipp galt, ist inzwischen aus der Finanzwelt kaum mehr wegzudenken.

ETFs und Indexfonds sind besonders kostengünstig und eignen sich hervorragend für die Abbildung ganzer Märkte. Kapitalmarktübliche Wertschwankungen können durch eine breite Diversifikation minimiert werden. Genau diese Eigenschaften machen sie zu einem optimalen Produkt für Robo-Advisor. Ausgehend von dem individuellen Risiko-Renditemix bilden sie die Bausteine für das automatisierte Portfolio.

Digitale Vermögensberatung zu niedrigen Kosten

Anlageberatung wurde in Deutschland im Privatkundengeschäft bisher traditionell entweder über den Bankschalter, den Makler oder den Honorarberater betrieben. Doch die Nachfrage ging für all diese Vertriebsformen zuletzt spürbar zurück. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von mangelndem Vertrauen in die Beratungsqualität bis hin zu den hohen Kosten, die entweder in Form einer Vertriebsprovision oder eines Beratungshonorars anfallen.

Oft ist es aber auch schlicht ein Mangel an Zeit der Grund. Hier haben Robo-Advisor eine Marktnische entdeckt. Denn was zuvor meist erst ab einem sechsstelligen Anlagebetrag möglich war, ist nun für jedermann zugänglich. Über einen webbasierten Fragebogen wird für jeden Anleger ein individuelles Portfolio zusammengestellt.

Im Gegensatz zu einem klassischen Portfoliomanager werden Investmententscheidungen nicht manuell, sondern vollautomatisiert durchgeführt. Damit sind Robo-Advisor nicht nur günstiger, sondern performen oft auch besser, als die „aktiven Fondsmanager“. Einer Standard & Poor’s Studie zufolge schaffen es 86 Prozent der aktiven Portfoliomanager nicht, den Markt zu schlagen, also eine höhere Rendite zu erwirtschaften als der Marktindex.

Welche Investmentstrategie wird verfolgt?

Jeder Robo-Advisor verfolgt eine andere Strategie, um für den Anleger eine möglichst hohe Rendite mit den getätigten Investments zu erzielen. Diese können in folgende drei Gruppen eingeteilt werden:

  1. Buy-and-Hold: Aktien und Anleihen werden mit langfristiger Perspektive gekauft und unverändert im Depot belassen.
  2. Value-at-Risk: Ein gewähltes Risikomaß bestimmt die Wahrscheinlichkeit (z.B. 5 Prozent Verlustwahrscheinlichkeit) zu dem ein gewisser Verlust nicht überschritten wird.
  3. Faktor-Investing: Der Investmentprozess richtet sich nach ausgewählten Renditefaktoren, wie z.B. kleine oder unterbewertete Unternehmen. Das damit einhergehende Risiko wird dann in der Regel über eine weltweite Streuung diversifiziert.

Um die jeweilige Strategie umzusetzen, konzipiert jeder Robo-Advisor eigens einen Algorithmus. Dieser ermöglicht einen vollautomatisierten Investmentprozess. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet dann die gewählte Anlagestrategie und der Algorithmus, dem Herzstück eines jeden Robo-Advisors.

Pro- oder antizyklisch?

Wie bei den aktiven Fondsmanagern gibt es auch bei den Robo-Advisorn unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie das Risikomanagement auf die täglichen Kursänderungen der Titel im Portfolio augerichtet werden soll. Buy-and-Hold-Investoren verzichten weitgehend auf ein Risikomanagement, was auf der einen Seite Kosten spart, auf der anderen Seite jedoch langfristig zu starken Abweichungen vom gewählten Risiko- und Renditeverhältnis führt.

Pro- und antizyklisch arbeitende Robo-Advisor erhalten durch Anpassungen, dem sogenannten „Rebalancing“, das ursprünglich definierte Risiko- und Renditeverhältnis aufrecht:

  • Prozyklische Investoren kaufen dabei bei steigenden Kursen und hoffen auf die Fortsetzung des Trends.
  • Antizyklische Investoren kaufen umgekehrt bei fallenden Kursen. Sie gehen davon aus, dass abgewertete Titel, die sie günstig gekauft haben, auf lange Sicht wieder steigen.

Banken und FinTechs

Die FinTech-Branche hat die Finanzwelt in den vergangenen Jahren ordentlich wachgerüttelt. Von den verschlafenen Trends profitieren jetzt die neuen Finanzdienstleister. In den USA verwalten Robo-Advisor bereits Anlagevolumen in Milliardenhöhe, während das verwaltete Volumen in Deutschland noch auf etwa 900 Millionen geschätzt wird.

Ihre größten Vorteile gegenüber den renommierten Banken sind ihre Innovationsstärke und die Schnelligkeit, mit denen Sie auf neue Entwicklungen reagieren können. Um auch an diesem Trend zu partizipieren, integrieren bereits viele Banken Robo-Advisor in ihre eigene Produktpalette. Doch Banken haben noch lange nicht ausgedient. Diese können auf ihre über lange Zeiträume gewachsene Kundenbindung verweisen und verfügen zudem über eine große Markenstärke. Die Innovationsstärke der FinTechs verbunden mit der Marktstärke der Banken erzeugt Synergieeffekte die langfristig auch dem Kunden nutzen werden.

Autor: Sarah Naegele

Sarah Naegele ist Business Analyst bei Ginmon. Ginmon ist ein intelligentes ETF-Depot mit modernster Portfoliotechnologie. Dahinter verbirgt sich ein automatisch verwaltetes, intelligent gestreutes und steueroptimiertes Investmentportfolio für maximalen Anlageerfolg.
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Sarah Naegele

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