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20.06.12

Ratschläge für Startups und PR-Experten: 7 Unsitten in der Pressearbeit von Internetfirmen

Tag für Tag erhalten wir Dutzende Pressemitteilungen und Mails mit Neuigkeiten von jungen und etablierten Webfirmen. Manchmal machen sie unsere und ihre Arbeit unnötig schwer.

Vor einer Woche illustrierten wir am praktischen Beispiel, wie für uns die perfekte Kontaktaufnahme von Startups aussieht, die auf netzwertig.com vorgestellt werden möchten. Angesichts der zahlreichen Pressemitteilungen und Anfragen, die wir Tag für Tag erhalten, bekommen wir natürlich nicht nur Lichtblicke wie den erwähnten zu sehen, sondern werden regelmäßig mit PR-Unsitten konfrontiert, die uns die Arbeit erschweren und den Verantwortlichen nichts anderes bringen als eine verschlechterte Ausgangsposition in ihrem Bestreben, ihre Botschaft im Rahmen eines redaktionellen Artikels bei uns wiederzufinden.Unsere Liste mit 11 Tipps, um bei Tech-Blogs zu punkten, ist bereits fast zwei Jahre alt, hat aber nach wie vor Gültigkeit. Heute möchten wir sie um einige Ratschläge ergänzen, auf welche Weise man uns NICHT kontaktieren sollte, möchte man die Chancen auf eine Berichterstattung erhöhen. Ob die folgenden Empfehlungen auch für andere Fachmedien gelten, können wir nicht garantieren. Sie aber vielleicht einmal zu reflektieren und im Hinterkopf zu behalten, kann sicher nicht schaden

1. Erforderlichkeit einer Reise, um einen Onlinedienst präsentiert zu bekommen

Das schöne bei Online- oder Mobile-Diensten ist es, dass wir uns diese anschauen und sie ausprobieren können, ohne extra vor Ort präsent sein zu müssen. In der Regel ist auch keine Video- oder Skype-Präsentation erforderlich. Wer sich bei uns meldet und uns fragt, ob wir an Ort XYZ irgendwo in Deutschland (oder anderswo) fahren möchten, um uns einmal eine Demo anzuschauen, um dann einen Exklusivbericht zu bekommen, der wird darauf immer eine Absage erhalten. Sicherlich gibt es Situationen, in denen wir ein Startup oder einen Internetdienst besuchen. Aber eine Voraussetzung, um Informationen für einen Artikel zu erhalten, sollte dies nicht sein.

2. "Exklusivbericht", der keiner ist

Wenn bereits ein deutschsprachiges Medium einen neuen Webservice ausführlich vorgestellt hat, wirkt es nicht sonderlich feinfühlig, wenn uns die Macher anbieten, die zweite Site sein zu dürfen, die entsprechende Informationen erhält. Erst recht nicht, wenn uns dies als etwas Exklusives verkauft werden soll. Wir haben kein Problem damit, wenn einmal ein anderes Medium eine Story zuerst bringen darf. In einem solchen Fall sollten die Gründer jedoch einsehen, dass die Katze nach dem ersten Artikel aus dem Sack und ein weiteres Begrenzen der Informationen kontraproduktiv ist.

3. Sperrfristen ohne vorherige Zustimmung

Ab und an erhalten wir Neuigkeiten per Mail, die am Beginn auf eine Sperrfrist verweisen, die einige Stunden oder Tage in der Zukunft liegt. Ein derartiges Embargo ignorieren wir, sofern uns die Meldung berichtenswert erscheint. Wer eine heiße Story oder Meldung für uns hat, die zu einem vorab definierten Zeitpunkt koordiniert bekannt gemacht werden soll, fragt uns vor der Übermittlung der Details, ob wir uns dafür an die jeweilige Sperrfrist halten. Stimmen wir dieser zu, halten wir uns grundsätzlich an sie. Hierbei sei jedoch angemerkt, dass wir darum bitten, Sperrfristen nur da einzufordern, wo sie wirklich sinnvoll sind (zum Beispiel nicht zu neuen Funktionen oder Diensten, die bereits für jeden im Netz zugänglich sind).

4. Anteasern einer Pressemeldung

Grundsätzlich sind wir an jeder Pressemeldung interessiert, bei der Absender der Meinung sind, diese sei für uns von Relevanz. Gelegentlich schicken uns Pressekontakte von Firmen eine kurze Mail mit einige Stichworten und bitten uns um eine Rückmeldung, sofern wir Interesse an der vollständigen Information haben. Wir würden uns freuen, wenn wir uns diesen überflüssigen Zwischenschritt künftig sparen und gleich in der ersten Mail sämtliche Details erhalten könnten (es sei denn, es geht um die Absprache einer Sperrfrist).

5. Nachfragen, ob eine Pressemitteilung interessant war

Jede Art von Handlungsaufforderung im Zusammenhang mit einer uns unaufgefordert zugeschickten Pressemitteilung kostet Zeit und erschwert uns die Arbeit. Die ausdrückliche Bitte, dass wir uns melden, sofern eine spezielle Neuigkeit für uns von Interesse war, ist daher überflüssig - weil wir ihr nicht Folge leisten können. Pressemitteilungen müssen für sich alleine stehen können und nicht eine Interaktion mit dem Absender voraussetzen.

6. Nachfrage, ob eine Meldung veröffentlicht wird

Ebenfalls findet sich am Ende mancher Pressemitteilungen die Bitte, man solle sich melden, sofern man das jeweilige Thema redaktionell aufgreift. Auch diesen Wunsch können wir in der Regel nicht erfüllen, weil wir häufig sehr spontan und kurzfristig entscheiden. Wer Pressearbeit für Startups oder Webfirmen macht, sollte die entsprechenden Monitoringverfahren und -werkzeuge kennen, mit denen sich das Medienecho überblicken lässt.

7. Wunsch, eine Pressemitteilung bei uns veröffentlichen zu können

Vielleicht ist es nur eine unglückliche Formulierung, aber jedes Mal, wenn wir per Mail gefragt werden, ob wir die angehängte Pressemitteilung bei netzwertig.com publizieren können, sinken die Chancen einer Berichterstattung ins bodenlose. Glücklicherweise sind es aber ohnehin meist Absender von für uns nicht relevanten Informationen, die ein journalistisch orientiertes Fachblog mit einem Presseportal zu verwechseln scheinen.

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