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16.01.09

Radikaler Schritt: Aus kostenlos wird kostenpflichtig

Während viele Internetanbieter verstärkt auf Freemium-Geschäftsmodelle setzen, macht der webbasierte Flash-Editor Sprout einen radikalen Schnitt: Sein kostenloser Service wird ab Februar komplett kostenpflichtig, Gratiszugänge verschwinden. Ein Beispiel, das Schule machen könnte?

Die globale Wirtschaft stottert und Unternehmen kürzen ihre Werbebudgets: eine Herausforderung für viele Gratis-Webservices, deren Geschäftsmodell hauptsächlich auf der Refinanzierung durch Onlinewerbung basiert. Die deshalb derzeit bei Internetunternehmern beliebteste Variante kostenloser Angebote ist das Freemium-Modell.

Dabei bietet ein Dienst kostenlose Basiskonten sowie kostenpflichtige Premiumaccounts an. Die kleine Menge der zahlenden "Poweruser" finanziert dabei auch die große Zahl der Gratis-Zugänge.

Der Vorteil dieses Konzeptes: Auf der einen Seite machen sich Startups unabhängiger vom Werbemarkt und schaffen sich eine (kleine) regelmäßige und vorhersehbare Einnahmequelle. Andererseits profitieren sie trotzdem von Netzwerkeffekten und halten die Barrieren, um Besucher der Site zu registrierten Nutzern zu machen, niedrig - unerlässlich, um diese später eventuell zu Bezahlkunden zu konvertieren.

In den letzten Monaten entschieden sich eine ganze Reihe von bekannten Onlinediensten für den Einsatz des Freemium-Modells. Eine erneute Debatte um die Kostenloskultur im Web und ihr mögliches Ende war die logische Folge. Mitte November befasste ich mich mit diesem Thema und prognostizierte, dass es trotz der schwachen Konjunktur und einer befürchteten Werbeflaute unwahrscheinlich sei, dass Webservices ihre Gratiszugänge komplett abschaffen würden.

Bisher geschah dies auch nicht - mit einer nennenswerten Ausnahme: Der webbasierte Flash-Editor Sprout gab am Mittwoch in einer Mail an seine Mitglieder bekannt, dass die Nutzung des bisher komplett kostenlosen Services ab Anfang Februar Geld kosten wird. Statt auf ein Freemium-Modell zu setzen oder den Übergang zum Premiumdienst nach und nach durchzuführen, macht der US-Dienst den wohl radikalsten Schnitt, den man sich für ein Startup abgesehen von der Einstellung des Services vorstellen kann.

Ich hatte Sprout vor genau einem Jahr vorgestellt und mich begeistert über den Service gezeigt, mit dem Blogger, Webseitenbetreiber und Nutzer sozialer Internetdienste kostenlos multimediale Flash-Widgets erstellen und auf beliebigen Seiten integrieren können.

Ein mit Sprout erstelltes Flash-Widget

Sprout rechtfertigt seine Entscheidung mit den breiten Einsatzmöglichkeiten des Dienstes im Profibereich und verweist auf die Tatsache, von Anfang an darauf hingewiesen zu haben, für die Nutzung des Angebotes irgendwann Bares sehen zu wollen. Bestehende Mitglieder, die Sprout treu bleiben möchten, zahlen ab Februar 13,95 Dollar monatlich für das "Basic"-Paket, welches die Erstellung von bis zu drei Projekten ermöglicht.

Die Sprout-Macher scheinen überzeugt davon zu sein, ihr fraglos beeindruckendes Tool überzeugend im Bereich der professionellen Webgestaltung und -produktion positioniert zu haben, um den Schritt vom Gratis-B2C- zum kostenpflichtigen B2B-Produkt wagen zu können. Sie verzichten damit auf weiteres virales Wachstum zu Gunsten einer berechenbaren Erlösquelle. Ob diese Entscheidung richtig war, wird davon abhängen, wie viele Webanbieter dazu bereit sind, für die Verwendung von Sprout zu zahlen.

Die Chancen für Sprout, mit seinem überzeugenden Service wirtschaftlich erfolgreich zu sein, stehen sicherlich nicht schlecht. Schade ist es trotzdem. Warten wir ab, ob der einschneidende Schritt die Ausnahme bleiben oder im Web Schule machen wird.

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