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26.11.10

Produktlaunch: "Was macht diaspora besser als...?" Es schafft Nachfrage!

Der Andrang auf Einladungen zur geschlossenen Alpha-Phase von diaspora illustriert, warum für neue Social Networks die Schaffung von geradezu übertriebener Aufmerksamkeit sinnvoll ist.

 

"Was macht diaspora besser als XYZ" ist eine Frage, die man in den letzten Monaten häufiger gehört hat. Anstelle von XYZ könnt ihr den Namen eines anderen Projektes einsetzen, welches sich an einem dezentralen sozialen Netzwerk versucht oder dies in der Vergangenheit getan hat.

Nach unserem gestrigen Aufruf zu einer Art "Invite-Kette" für Einladungen zur geschlossenen Alpha-Phase von diaspora fällt es nicht mehr schwer, eine Antwort zu geben: diaspora hat Nachfrage generiert. Den anderen Initiativen ist dies nicht gelungen.

Die Bedeutung des Hypes im Zusammenhang mit dem Start von auf Netzwerkeffekten und dem Erreichen einer kritischen Masse angewiesenen Social-Web-Diensten hatte ich in diesem Beitrag im Juni beschrieben. Die Reaktionen auf unseren gestrigen diaspora-Beitrag illustrieren nun auf sehr greifbare Weise, warum der Hype speziell bei neuen Social Networks eine so wichtige Rolle spielt.

Rund 180 Leser haben innerhalb von weniger als 12 Stunden mit einem Kommentar unter Angabe ihrer E-Mail-Adresse ihr Interesse an einem Invite signalisiert, um anschließend von einem anderen Leser zu diaspora eingeladen zu werden (bisher hat das leider nicht wirklich gut funktioniert - daher hier noch einmal der Aufruf: Bitte ladet Kommentatoren von der Liste ein und macht dies anschließend mit einer Antwort auf den jeweiligen Kommentar deutlich, damit dieser nicht mehrfach Invites erhält).

Das ist eine bemerkenswerte Nachfrage, wenn man bedenkt, dass es sich lediglich um eine Alpha-Version handelt, und dass die Veröffentlichung einer E-Mail-Adresse in einem Kommentar erforderlich war. Die Zahl der Interessenten unter Leserinnen und Lesern von netzwertig.com dürfte damit deutlich über den 180 Personen liegen.

Was den Funktionsumfang betrifft, so hat diaspora im aktuellen Entwicklungsstadium wenig zu bieten. Nicht einmal das Versenden von privaten Nachrichten ist möglich (allerdings kann man für einzelne User einen spezifischen "Aspekt" (eine Art geschlossene Gruppe) anlegen, in dem anschließend quasi-privat kommuniziert wird). Aber am Ende spielt das Featureset eine untergeordnete Rolle. Eine diaspora-Alternative könnte deutlich vielseitiger und funktioneller daherkommen und dennoch von Anwendern links liegen gelassen werden.

Was zählt, ist die Aufmerksamkeit und Spannung, die um ein geplantes Social Network kreiert wurde. Die dafür sorgt, dass Anwender den Start kaum erwarten können und sich freiwillig bei Invite-Aktionen beteiligen oder anderweitig Zeit dafür aufwenden, um Zugang zu erhalten. Dieser anfängliche Hype ist notwendig, um vom ersten Tag an Leben auf die Plattform zu bringen. Nichts ist für ein neues soziales Netzwerk fataler und aus Nutzersicht weniger attraktiv als Totenstille.

Der alleinige Blick auf den Funktionsumfang ist im Social Web ein ebenso großer Irrtum wie der Hinweis darauf, dass ein bestimmter Dienst in ähnlicher Form Jahre zuvor schon einmal gescheitert ist. Am Ende hängt viel vom richtigen Timing und einem glücklichen Händchen bei der Pressearbeit ab. Bei diaspora kam beides zusammen. Jetzt zeigt sich, wohin dies führt. Auch wenn die meisten Alpha-Tester sich womöglich nur selten bei dem Service blicken lassen werden.

Das ist die nächste Herausforderung für das ambitionierte diaspora-Team: die ersten Anwender bei Laune zu halten und für eine aktive Nutzung zu sorgen. Aber allein zu diesem Schritt zu gelangen und einen initialen Ansturm verzeichnen zu können, ist bereits ein großer Erfolg für die jungen diaspora-Macher aus New York.

Was uns der Launch des Projekts außerdem noch zeigt: Ein Invite-Only-Modus kann noch immer prächtig funktionieren - sofern User von sich aus ein Interesse an einem Zugang haben.

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