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11.05.12

Problematischer Entschluss: Facebook wirft Grooveshark von der Plattform

Facebook hat dem Musikdienst Grooveshark den Zugriff auf seine Plattform abgeklemmt. Obwohl der Grund dafür nachvollziehbar erscheint, hinterlässt das Vorgehen ein ungutes Gefühl.

Dass Facebooks Plattform in Form von Apps sowie der auf Millionen Websites integrierten Social Plugins eine gewisse Abhängigkeit mit allen damit verbundenen Konsequenzen schaffen kann, ist keine Neuigkeit. Was diese bedeutet, mussten im März zahlreiche Onlineangebote spüren, die eine Login-Möglichkeit über Facebook anbieten und in Folge eines Ausfalls des sozialen Netzwerks selbst in den virtuellen Abgrund gezogen wurden. Facebook erwies sich in diesem Fall als Single Point of Failure" und verdeutlichte, warum es nicht empfehlenswert ist, sich ausschließlich auf eine Login-Option über das führende Social Network zu begrenzen.

Jetzt gibt es einen neuen Fall, der die dunkle Seite von Facebooks Dominanz als webweite Identitätsplattform und allgegenwärtige soziale Ebene für Onlineangebote illustriert: Wie heise online berichtet, hat Facebook dem On-Demand-Musikdienst den Zugang zu seinen Schnittstellen gesperrt. Damit wurden sowohl Groovesharks Facebook-App als auch die Login-Möglichkeit bei Grooveshark über die Benutzerdaten des sozialen Netzwerks ausgeschaltet.

Im Gegensatz zu eindeutig legalen Musikdiensten wie Spotify, simfy oder Rdio agiert Grooveshark ohne den Segen der Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften. Der 2006 gegründete Service aus Florida lässt Nutzer ihre eigene Musik auf die Site laden, die daraufhin von anderen Anwendern im On-Demand-Prinzip kostenfrei gestreamt werden kann. Den Plattenfirmen schmeckt dies nicht, weshalb sie seit längerem juristisch gegen Grooveshark vorgehen. Der Anbieter wiederum beruft sich auf die Safe-Harbor-Regelung im Digital Millennium Copyright Act und ist der Ansicht, keine Verantwortung für Urheberrechtsverstöße der Anwender zu tragen, solange er über diese nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Aufrufe von deutschen IP-Adressen lehnt Grooveshark seit Jahresbeginn ab, weil die Forderungen der hiesigen Verwertungsgesellschaft GEMA in den Augen des Unternehmens von der US-Ostküste zu hoch seien.

Grooveshark agiert in einer Grauzone

Kurz gesagt: Die Musikindustrie hält Grooveshark für illegal, während der Service seine Legalität beteuert . Das Resultat ist die berühmte Grauzone. Facebook allerdings scheint für sich eine Entscheidung getroffen zu haben: Grooveshark verletzt die Rechte Dritter, weshalb dem Dienst der Zugriff auf die Facebook Plattform gemäß deren Teilnahmebedingungen verwehrt wird.

Einerseits ist Facebooks Verhalten nachvollziehbar: Dass es bei Grooveshark zu Urheberrechtsverstößen im größeren Stile kommt, zeigen allein die zahlreichen Musikstücke populärer Interpreten, die eigentlich aufgrund des Fehlens von Abmachungen mit den Major Labels nicht abrufbar sein dürften. Die Frage der Verantwortlichkeit stellt sich für das Social Network nicht, das in seinen Plattformrichtlinien klar deutlich macht, Urheberrechtsverstöße bei Apps nicht zu tolieren.

Facebook definiert legal und illegal

Gleichzeitig erscheint es aber problematisch, dass Facebook bei einer User Generated Content-Plattform den Stecker zieht, während es alle anderen gewähren lässt - obwohl auch bei YouTube, SoundCloud und Pinterest Verstöße der Nutzer gegen das Urheberrecht an der Tagesordnung sind. Das Social Network versucht sich an einer Grenzziehung zwischen "legal" und "illegal", die aus Sicht des Plattformbetreibers verständlich ist, aber im Hinblick auf die enorme Macht und Verbreitung des Netzwerks trotzdem ein ungutes Gefühl hinterlässt. Und bisher existiert kein Gerichtsurteil, das die Rechtswidrigkeit von Grooveshark eindeutig belegt.

Die Erkenntnis aus dem Vorfall - der Grooveshark einen Einbruch bei den Nutzerzahlen beschert  - kann sicherlich nicht lauten, dass allen auf Nutzeruploads basierenden Webangeboten der Zugriff auf Facebook untersagt werden muss, und ebensowenig, dass Facebook grundsätzlich alle Arten von Apps in seinem Ökosystem tolerieren muss. Zumal Grooveshark auch aus Apples App Store und Google Play ausgesperrt wurde. Nein, die Ereignisse um Grooveshark illustrieren ganz einfach, dass sich Drittanbieter nicht darauf verlassen können, dass der Social-Networking-Riese ihre Beurteilung der rechtlichen Lage teilt - und dass Angebote, die in irgendeiner Form auf User Generated Content setzen, einer latenten Gefahr ausgesetzt sind, von der so wichtigen Facebook-Plattform abgeklemmt zu werden, wenn nur der Druck von außen hinreichende Ausmaße annimmt.

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