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05.09.14

Privatsender-Lizenzen kosten zu viel: Magine begrenzt erwartungsgemäß das Gratis-Angebot

Seit dem Start im April 2014 bot der Internet-TV-Dienst Magine in Deutschland das gesamte Senderpaket kostenfrei an, inklusive der großen Privatsender. Erwartungsgemäß ist damit jetzt Schluss. Künftig muss bezahlen, wer mehr als die öffentlich-rechtlichen Kanäle schauen möchte.

Als der aus Schweden stammende Internet-TV-Dienst Magine im April nach einiger Verzögerung seinen Einstand in Deutschland gab, sorgte das Unternehmen für eine große Überraschung: Selbst die zwei größten Privatsenderketten, RTL und ProSiebenSat.1., waren Teil des Gratis-Angebots. Zuvor hatten die zwei Medienkonzerne lange Zeit das Live-Streaming über Over-the-top-Dienste ganz ausgeschlossen, und sich schließlich nur auf solche Konditionen eingelassen, die Magine-Konkurrent Zattoo dazu zwangen, die zu RTL und ProSiebenSat.1. gehörenden Kanäle hinter die Bezahlschranke zu verbannen.

Klar war aber: Ein solches Launchangebot wird sich Magine einiges kosten lassen. Daraus resultierte das Problem, dass irgendwann eine Anpassung der Preisstruktur notwendig sein würde - mit entsprechenden Konsequenzen auf die Stimmung der User, die sich bereits an den Luxus gewöhnt haben. Nur noch öffentlich-rechtliche Sender kostenfrei

Jetzt ist es soweit: Auf der IFA stellte das Startup gestern eine überarbeitete Version seiner App vor. Gleichzeitig wurde eine neue Preis- und Produktstruktur bekannt gegeben: Die Option “Free” wird, wie der Name verrät, weiter gratis angeboten und beinhaltet alle öffentlich-rechtlichen Sender. Wer auch private Mainstream-Sender streamen möchte, muss für eine “technische Bereitstellungspauschale” die Option “Master” buchen. Damit erhalten Nutzer Zugang zu RTL, Sat.1. ProSieben und einigen weiteren Stationen. Das Paket Magic bietet zusätzlich “über 10 der wichtigsten deutschsprachigen Pay-TV-Channel”. Und mit Max lassen sich über 90 Sender streamen, darunter alle relavanten Reichweiten-Kanäle sowie über 25 Pay-TV-Kanäle.

Alle neu registrierten Nutzer erhalten einen Monat lang Max kostenfrei, danach wird ihr Account automatisch auf Free umgestellt. Um den Einschnitt für Nutzer, die sich seit dem Launch im April bei Magine registriert haben, verdauerlicher zu machen, erhalten diese Anwender gemäß Magine “bis Ende 2014 attraktive Sonderkonditionen”. Spätestens dann werden aber auch sie zurück in die Realität geholt: Kostenfreies Streaming der über das herkömmliche TV-Netz gratis empfangbaren werbefinanzierten Privatsender ist in Deutschland nach wie vor nichts, das die Senderketten für angemessen halten.

Zu den genauen Preisen schweigt sich Magine noch immer aus. Weder auf der Website noch in der Pressemitteilung werden diese genannt. Wer sich heute bei dem Service registriert, erhält lediglich den Hinweis, dass in einem Monat auf den begrenzten Free-Account umgestellt wird, sofern man keine Bezahloption wählt. Magine dürfte wohl noch an der Kalkulation beziehungsweise in Verhandlungen mit den Sendern zu sitzen.

Wettbewerb auf Augenhöhe mit Zattoo

Fakt ist: Was Magine künftig kostenfrei anbietet, nämlich lediglich öffentlich-rechtliche Kanäle, ist für User weniger attraktiv als das Free-Angebot des Konkurrenten Zattoo. Dafür unterstützt Magine bei einigen Sendern das zeitversetzte Anschauen - eine Funktion, die Zattoo lediglich in der Schweiz bietet.

Leider gibt Magine keine Zahlen bekannt. Ob sich die Eröffnungsaktion für die Nordeuropäer gelohnt, wissen daher nur sie selbst. Nach fünf Monaten, in denen das Angebot von Zattoo gegenüber Magine deutlich im Hintertreffen war, setzt sich nun ein Konkurrenzkampf auf Augenhöhe fort. /mw

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