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16.07.10

Print hat doch Vorteile: Die Sünden von Onlinemedien

Blogs und Nachrichtensites bieten unheimlich viel Gutes. Doch Klickwahn und Social-Media-Optimierung haben diverse Unsitten hervorgebracht.

 

Wer sich wie ich im Prinzip den gesamten Tag im Netz aufhält und täglich Hunderte Artikel liest oder überfliegt, der wird gezwungenermaßen Zeuge von gewissen Unsitten, die sich in der Welt von Onlinemedien und Blogs eingebürgert haben.

Nach und nach sammeln sich die Beispiele dafür an und der Drang wächst, diese öffentlich in Frage zu stellen. Hier kommt meine persönliche Liste der größten Sünden im Onlinejournalismus (Blogs inbegriffen).

Dass sich einer der Punkte früher oder später noch rächen wird - nämlich dann, wenn ich mich selbst zur entsprechenden Vorgehensweise hinreißen lasse - ist mir natürlich klar. Aber ab und an muss man einfach für den Moment leben.

Bitte ergänzt in den Kommentaren, was euch bei Artikeln im Netz besonders auf den Wecker geht.

Bildergalerien mit Sinn, aber ohne Artikel

Manchmal sind Bildergalerien äußerst hilfreich und liefern einen wirklichen Mehrwert. Traurig und mühselig wird es jedoch, wenn ein Sachverhalt, der locker das Potenzial für einen längeren Text bietet, ausschießlich aus einer Bildergalerie und begleitenden Zweizeilern besteht.

Bildergalerien ohne Sinn, aber mit Artikel

Das ist das Gegenteil zum eben beschriebenen Beispiel: Ein gehaltvoller Text wird mit einer völlig sinnfreien Bildstrecke illustriert. Ich erinnere mich noch an einen Artikel zur Kinderarmut bei einem großen deutschen Nachrichtenportal, der von einer Fotogalerie mit verarmten Kindern aus aller Welt begleitet wurde.

Präsentationen ohne eigene Zusammenfassung

Dies ist besonders bei Blogs anzutreffen: eine vermutlich hochinteressante Präsentation mit 100 Slides, eingebettet in ein Posting, jedoch ohne eigene Zusammenfassung vom Autor, der auf diese Präsentation gestoßen ist. Mir macht es einfach keinen Spaß, mich am Bildschirm durch eine Reihe von Charts zu klicken, die als hilfreiche Begleitung für einen Vortrag gedacht waren. Eine webfreundliche Aufbereitung mit den wichtigsten Punkten könnte hier in jedem Fall den Einstieg leichter machen.

Infografiken, die Dinge verkomplizieren, nicht vereinfachen

Infografiken sind überall im Netz en vogue. Ihr Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar und optisch ansprechend darzustellen. In letzter Zeit begegnen mir aber immer mehr "Kunstwerke," die in Textform sehr viel verständlicher gewesen wären und Dinge durch die grafische Darstellung verkomplizieren, statt sie zu vereinfachen.

Eilmeldungen, die keine sind

Ich weiß nicht, wer damit angefangen und der Eilmeldung im Internet ein Comeback verschafft hat - womöglich war's Mashable - aber mittlerweile wird Internetnutzern wirklich alles als Eilmeldung oder "Breaking" verkauft. Ja, auch bei uns gab's schon Eilmeldungen, und natürlich ist eine der Intentionen, Aufmerksamkeit für eine Meldung zu generieren und damit ihre Viralität zu erhöhen. Ich finde jedoch, dass die Voraussetzung auch sein sollte, dass es sich wirklich um eine überraschende, völlig unvorhersehbare Meldung handelt. Wenn Apple heute Abend eine (oder keine) Rückrufaktion für das iPhone 4 verkündet, dann qualifiziert dies in jedem Fall nicht für eine Eilmeldung.

Hübsche Frauen bzw. nackte Haut als "Eye-Catcher"

Für Onlineangebote, die (männliche) Leser von ihrer Hauptseite in Artikel oder Klickstrecken schicken möchte, gibt es ein sehr einfaches Mittel: Ein Foto einer hübschen Frau, gerne auch leichtbekleidet. Selbst auf den seriösesten Nachrichtensites findet sich zu fast jeder Zeit mindestens ein solches Exemplar. Ich behaupte nicht, dass es nicht wirken würde. Einen bitteren Beigeschmack hat es dennoch.

Welche Ergänzungen habt ihr? Falls jemand Listen wie diese hier als weitere Unsitte nennen möchte, ist das natürlich auch in Ordnung.

(Foto: stock.xchng)

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