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30.10.14

Poynt: Ex-Googler baut die eierlegende Wollmilchsau der Bezahlterminals

Mit seinem schlanken und vielseitigen Bezahlterminal hofft das Startup Poynt auf den ganz großen Geldregen. Das könnte sogar klappen: Nicht nur, dass dieser Bereich momentan generell im Umbruch ist, in den USA steht 2015 außerdem ein großer Wechsel vor der Tür. Der Kopf hinter dem Produkt ist zudem ein Insider der Branche.

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Osama Bedier war noch vor zwei Jahren frustriert: Auf dem Open Mobile Summit erklärte er damals, niemand habe eine universelle Lösung fürs mobile Payment parat – „auch ich nicht“. Zu dem Zeitpunkt war er Chef von Google Wallet. Im Mai 2013 verließ Bedier Google mit unbekanntem Ziel. Gestern zeigte er nun der Öffentlichkeit, woran er mit seinem Team gearbeitet hatte: Eine schick designte und vor allem vielseitige Bezahlstation namens Poynt, die mindestens für die nächsten zehn Jahre auf der Höhe der Zeit bleiben soll.

Sein Timing ist gut: Ende 2015 stellen die USA auf Kreditkarten mit integriertem Chip um – als eine der letzten unter den großen Märkten. Bislang vertraut man hier dem simplen Magnetstreifen, der sich allerdings leicht fälschen lässt. Entsprechend sind die Vereinigten Staaten beim Missbrauch von Kreditkarten weltweit führend. Wer als Händler Ende 2015 nicht umgestellt hat, trägt dann eine größere Mitverantwortung und geht somit ein Risiko ein. Zugleich ist der Markt der Bezahlwege erheblich in Bewegung geraten. Zuletzt hatte Apple Pay viel Aufmerksamkeit bekommen und wird hier in den USA sowohl von Apple selbst, als auch von Kreditkarten-Instituten, Banken und den beteiligten Einzelhandelsketten intensiv beworben. Zugleich arbeiten andere an dem Konkurrenten CurrentC, der auf QR-Codes statt auf den Nahbereichsfunk NFC setzt.

Unter der Haube werkelt Android

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Das kompakte Poynt-Terminal kommt mit Magnetstreifen, Kreditkarten mit Chips, NFC, QR-Codes und auch Bluetooth zurecht. Technisch gesehen basiert das Terminal dabei auf einem abgewandelten Android. Es hat zwei Touchdisplays: Eines mit 7-Zoll-Diagonale für den Händler und eines mit 4,8 Zoll für den Kunden. Intern sind die Displays und ihre Daten voneinander getrennt und kommunizieren nur so viel miteinander, wie für die Abwicklung des Kaufs notwendig ist. Zudem ist ein Bon-Drucker integriert. Die Kommunikation kann über Ethernet oder Mobilfunk erfolgen. Dank integriertem Akku ist es auch mobil einsetzbar. Nicht zuletzt verspricht Poynt, dass sich via USB bereits vorhandene andere Geräte wie Waagen und Kassen anbinden und integrieren lassen.

Das Startup will sein Gerät dabei nicht nur direkt an Einzelhändler vertreiben, sondern vor allem die Banken dafür begeistern: Sie sollen Poynt in großen Stückzahlen einkaufen und ihren Kunden anbieten. Um den Markteintritt zu erleichtern, setzt Poynt auf eine bekannte Amazon- und Google-Taktik und verkauft die Hardware zum Selbstkostenpreis. Für 299 US-Dollar kann man es aktuell vorbestellen. Später soll es 499 US-Dollar kosten.

Kein disruptives Produkt, sondern eine moderne Version

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Damit Händler und Banken freundlich gestimmt sind, will Poynt zudem von deren Einnahmen nichts abhaben. Verdienen will Poynt hingegen an der Software auf dem Gerät. Es kommt zwar bereits mit einigen grundlegenden Anwendungen daher. Aber viele Händler setzen auf spezialisierte Software und Dienste, die eine monatliche Gebühr verlangen. Und hier will sich Poynt einklinken.

Natürlich ist das Startup des ehemaligen Google- und PayPal-Managers Osama Bedier nicht allein auf dem Markt. Ein Beispiel ist Clover, das inzwischen zum Bezahldienstleister First Data gehört. Auch NCR, Spezialist für Geldautomaten und Kassensysteme, hat mit NCR Silver ein kompaktes, modernes Produkt im Angebot. Und zumindest hier in San Francisco sind die iPad-basierten Bezahlterminals von Square häufig anzutreffen. Sie dürften vor allem beim Design Pate gestanden haben, sind aber alles in allem nicht so flexibel einsetzbar, wie es Poynt für sein Produkt verspricht. Zudem versucht Poynt nicht, etwas am Bezahl- und Abrechnungsprozess zu ändern. Vielmehr ist eine moderne Version der klobigen und technisch überholten Bezahlterminals, die heute noch alltäglich sind.

Quellen dieses Beitrags: TechCrunch, GigaOm

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